15. Festival

Ein Himmel voller Drachen über Finnentrop

64 Quadratmeter groß und mit einer 40 Meter langen Schleppe ausgestattet ist dieser Riesendrache von den „Mölmsch Kiters“ aus Mühlheim an der Ruhr.

64 Quadratmeter groß und mit einer 40 Meter langen Schleppe ausgestattet ist dieser Riesendrache von den „Mölmsch Kiters“ aus Mühlheim an der Ruhr.

Foto: martin droste

Heggen.  1500 Drachen bestaunen hunderte Schaulustige beim 15. Drachenfestival zwischen Ennest und Heggen.

Das Spiel und auch der Kampf mit dem Wind fasziniert die kleine Julia aus Plettenberg genauso wie den 74-jährigen Arthur Skibb, auch wenn zwischen ihren fliegenden Drachen am Himmel Welten liegen. Julia ist an diesem Samstag mit ihrem Vater und zwei Drachen im Gepäck zum Flugplatz des Luftsportclubs Attendorn-Finnentrop bei Heggen gekommen. Das mittlerweile 15. Drachenfestival dort lockte am Wochenende wieder an die 45 professionelle Drachenflieger mit rund 1500 Fluggeräten, viele Hobbyflieger und Hunderte staunende Besucher an. „Für den großen Drachen herrscht zu wenig Wind“, sagt der Plettenberger.

Kinder haben Spaß

Mit dem kleineren Fluggerät hat seine Tochter trotzdem großen Spaß. Wenn beim Drachensteigen „die Augen der Kinder funkeln“, dann sieht Arthur Skibb seine Mission erfüllt. Der ehemalige Polizist hat 14 der 15 Veranstaltungen auf dem Flugplatz des LSC Attendorn-Finnentrop organisiert. In diesem Jahr haben das zum ersten Mal Sven Reinstädler und sein Team „The Kiteflyer“ aus Schalksmühle übernommen. „Draußen in der Natur zu sein und die Kreativität“. Das sind die Dinge, die Reinstädler für sein Hobby begeistern.„Nach dem Fest ist vor dem Fest“, weiß Arthur Skibb. Deshalb hat der 74-Jährige frühzeitig den Wechsel eingeleitet. Mit im Boot sitzt von Anfang an der Luftsportclub, der sich in erster Linie um den Aufbau und die Verpflegung der vielen Besucher kümmert. „Als ich am Mittwoch gekommen bin, waren die Wiese schon gemäht und die ersten Pfähle gesetzt“, lobt Skibb den LSC Attendorn-Finnentrop.

Der langjährige Organisator des Drachenfestivals kennt die Tücken der Elemente. „Man darf den Kampf mit dem Wind nicht unterschätzen, Wind ist immer gefährlich.“ Das hat Skibb vor einigen Tagen beim Flugversuch mit seinem „Alien“, einem 60 Meter langen Ungetüm mit 12,50 Meter Kopfbreite, am eigenen Leib erfahren. Die Windverhältnisse waren nicht optimal. Trotzdem wurde der erfahrene Drachenflieger „kurz hochgehoben“, hatte aber Glück, das ihm nichts passiert ist.

Schleppsack gerissen

Weniger Glück hatte der Riesendrachen. „An einem Bein waren 20 Meter aufgerissen, der Schleppsack ist gerissen“. Alles aber kein Problem für den Profi – und das ist Arthur Skibb. Den Schaden beseitigt er selbst an der Nähmaschine. Nach Heggen hat Skibb, der aus seinem Hobby längst einen Beruf gemacht hat, 25 seiner 400 Drachen mitgebracht.

Produzieren lässt der in zweiter Ehe mit einer Chinesin verheiratete Ex-Polizist die Fluggeräte in „einem kleinen Betrieb“ mit immerhin 170 Beschäftigten im Reich der Mitte. Vertrieben werden die Drachen auf der ganzen Welt, der Großteil geht in die USA. Noch ist Skibb nicht vom Handelskrieg zwischen den beiden Staaten betroffen. Aber wenn auf Kunststoff Zölle erhoben werden, wird es „etwas schwierig“. Dann steigen die Preise.

Auflagen beachten

Mitgebracht nach Heggen hat Arthur Skibb nicht zum ersten Mal seinen Sohn Raven Long. Der Elfjährige spricht vier Sprachen und ist natürlich begeisterter Drachenflieger. „Ich mache das seit meinem zehnten Lebensjahr. Wir konnten bauen, was und wie wir wollten, Hauptsache der Drachen ist geflogen. Heute muss man sich an Auflagen halten. Die Drachen dürfen nicht mehr als 500 bis 600 Meter hoch in den Himmel steigen. Das wäre sonst auch viel zu gefährlich“, berichtet Skibb.

Der Flugverkehr ist während des Drachenfestivals natürlich eingestellt. LSC-Pressesprecher Markus Bähr und seine Vereinskollegen haben mit der Verpflegung auch alle Hände voll zu tun. „Wir sind beide vom Wind und der Thermik abhängig“, vergleicht Bähr die Luftsportler mit den Drachenfliegern. „Heute fehlen 14 km/h, das wäre ideal“, antwortet Arthur Skibb.

Der hat an diesem Abend noch eine besondere Aufgabe. Er ist für das große Höhenfeuerwerk verantwortlich, einer der Highligts auch des 15. Drachenfestivals. Den Berechtigungsschein für die Pyrotechnik hat der Mann für alle Fälle natürlich in der Tasche.

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