Medizin

Ein Headhunter sucht zwei Hausärzte in Grevenbrück

Stefan Hundt an seinem Schreibtisch im Rathaus in Altenhundem. Noch bis 31. Oktober 2020 ist er Bürgermeister.

Stefan Hundt an seinem Schreibtisch im Rathaus in Altenhundem. Noch bis 31. Oktober 2020 ist er Bürgermeister.

Foto: Roland Vossel / WP

Lennestadt/Kreis Olpe.  Die Funkstille zwischen den Bürgermeistern im Kreis Olpe und dem Ärzteverbund mit Stefan Spieren dauert an. Ein Schreiben bleibt unbeantwortet.

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Die Fronten zwischen den Bürgermeistern im Kreis Olpe und dem Ärzteverbund Südwestfalen sind verhärtet. In dieser Zeitung hatte Stefan Spieren, Vorsitzender des Vorstandes und Arzt in Hünsborn, über fehlende Unterstützung der Städte und Kommunen im Kampf gegen den sich zuspitzenden Ärztemangel geklagt. „Da rührt sich keiner. Auch eigene Aktivitäten der Bürgermeister gibt es nicht. Mit der einzigen Ausnahme von Attendorn, wo ein Arzt. der sich niederlässt, 5000 Euro bekommt“, hatte Spieren gesagt. Die Bürgermeister waren sauer und boykottierten die Großveranstaltung des Ärzteverbundes in der Olper Stadthalle am 2. September.

Nun gibt es ein Schreiben des Ärzteverbundes an die Bürgermeister, das dieser Redaktion vorliegt. Darin heißt es: „Wir erlauben uns, Sie erneut zu bitten, uns Projekte zu beschreiben, die in Ihrer Region zur Verbesserung der medizinischen Versorgung beitragen sollen. Sie haben in den letzten Wochen bereits entsprechende Benachrichtigungen per E-Mail erhalten - leider aber nicht darauf geantwortet.“ In dem Schreiben stellt Spieren ein Ultimatum: „Ihre Antwort erwarten wir bis zum 27. 11. 2019. Sie werden verstehen, dass wir nicht erfolgte Rückmeldungen als fehlende Projekte in Ihrer Region werten.“

Keine Antwort auf Schreiben

Kein Wunder, dass die Bürgermeister im Kreis wenig amüsiert darüber sind. Nach Informationen unserer Zeitung hat keiner geantwortet. Auf Spieren angesprochen, sagte Lennestadts Bürgermeister Stefan Hundt: „Da braucht nicht jeder Bürgermeister über jeden Stock zu springen, den er hinhält.“ Und weiter: „Wir brauchen keine Lokalpopulisten bei diesem Thema.“ Zu Spierens „UnternehmensWertArzt“, einem Leader-Projekt gegen Ärztemangel in der Region, meint Hundt: „Welchen Erfolg hat er damit? Diese Einzelprojekte laufen alle ins Nirwana. Strukturell abgestimmtes Agieren ist notwendig. Das kann kein einzelner Bürgermeister anpacken.“

„Ärzte ins Revier, Windmühlen aufs Land“ sei das Motto, so Hundt: „Es sind keine Ärzte da.“ In Deutschland seien durch gesundheitspolitische Entscheidungen die Medizin-Studienplätze von 16.000 auf 10.000 im Jahr 2000 zurückgegangen. Zudem sei die Medizin ab den 90er Jahren zunehmend weiblich geworden und Ärzte würden heute 30 Prozent weniger arbeiten als ihre Vorgänger. „Die Bundespolitik musste das erkennen, hat aber keinen Millimeter nachgesteuert. Dadurch entsteht ein Desaster. Wir sind die Reparaturwerkstatt für diese Entscheidungsmüdigkeit. Wichtig ist, dass die Bevölkerung weiß, dass da keine Töpfe sind, aus denen man Ärzte angeln kann. Wir haben akuten Ärztemangel. Wir brauchen Ärzte und neue Konzepte.“

Jährlich 150.000 Euro im Haushalt

Entschieden weist der Lennestädter Bürgermeister Spierens Vorwurf des Nichtstuns zurück. Das Gegenteil sei der Fall. Seit drei Jahren stelle die Stadt Lennestadt im Haushalt 150.000 Euro für die medizinische Versorgung zur Verfügung. Als eine von elf Kommunen beteilige man sich am Pilotprojekt „Digi Doc“ des Institutes Fokos der Uni Siegen. „Wir haben uns mit unseren Allgemeinmedizinern zusammengesetzt. Das ist ein richtig schönes konstruktives Gemeinschaftsprojekt“, so Hundt. Es gehe um die digitale Modellregion Gesundheit Südwestfalen.

„Die Kollegen im Kreis Olpe sind alle unterwegs. Schon vor fünf, sechs Jahren haben wir angefangen, daran zu arbeiten. Wir sind mit Hausärzten, Fachärzten und dem Krankenhaus in ständigem Kontakt“, unterstreicht Stefan Hundt. Auch in Spierens Projekt „UnternehmensWertArzt“ stecke Lennestadt seit 2018 jährlich 5.000 Euro. Schon vor Jahren habe es zudem einen Headhunter für einen Kinderarzt gegeben. „Aktuell haben wir Headhunter für zwei Hausärzte in Grevenbrück eingeschaltet. Wir reservieren dort ein Grundstück für einen neuen Arzt, in zentralster Lage“, sagt Bürgermeister Hundt.

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