Interview

Eickhoff an der Spitze der Attendorner St.-Ursula-Realschule

Christiane Eickhoff ist seit dem 1. Februar neue Rektorin und wird im März ihre Antrittsrede halten.

Christiane Eickhoff ist seit dem 1. Februar neue Rektorin und wird im März ihre Antrittsrede halten.

Foto: Flemming Krause

Attendorn.   Seit dem 1. Februar ist die Heldenerin Christiane Eickhoff Rektorin an der St. Ursula-Realschule in Attendorn. Ein Gespräch über ihren Job.

Seit dem 1. Februar steht Christiane Eickhoff an der Spitze der St.-Ursula-Realschule in Attendorn. Die Heldenerin trat die Nachfolge von Sascha Koch an, der nach wenigen Monaten im Amt im Sommer vergangenen Jahres die Realschule auf eigenen Wunsch hin wieder verließ. Wir sprachen mit der neuen Rektorin über die Gründe, warum sie die vakante Stelle übernahm und über die Zukunft der Schwesternschule des St. Ursula-Gymnasiums.

Haben Sie sich als Schulleiterin schon eingelebt?

Christiane Eickhoff: Da ich erst seit wenigen Wochen Schulleiterin bin, war die Zeit bislang eigentlich viel zu kurz, um sich richtig einzuleben.

Was waren Ihre ersten Aufgaben in der neuen Position?

Die Zeugniskonferenzen standen an, die habe ich als eine meiner ersten Amtshandlungen geleitet. Und ich habe rund 600 Zeugnisse unterschrieben.

Wie lange haben Sie dafür gebraucht?

Das kann ich gar nicht mehr genau sagen, vielleicht drei Stunden. Das ist relativ schnell gemacht.

Wieso haben Sie sich auf die Leitungsstelle beworben?

Mich haben drei Motivationsfaktoren bewogen, mich für das Amt als Schulleiterin zu bewerben. Erstens: Ich identifiziere mich mit dieser Schule und fühle mich persönlich sehr stark mit ihr verbunden, denn ich habe sie aus verschiedenen Perspektiven kennengelernt. Aus der Sicht der Schülerin, aus der Sicht der Praktikantin, aus der Sicht der Lehrerin und sogar als Mutter. Zweitens: Die Leitungsaufgabe als solche hat mich angesprochen. Zu einer Schulleiterposition gehören Führungs-, Management- und Steuerungsaufgaben, das sind Aufgaben, Inhalte und Anforderungen, die zu mir passen. Und drittens: Ich schätze die Zusammenarbeit in unserem Schulleitungsteam sehr. Ich bin davon überzeugt, dass erfolgreiche, gute Schulleitung nur durch einen kooperativen Führungsstil umgesetzt werden kann.

Wie wollen Sie die Realschule weiterentwickeln?

Ich möchte die Schule erfolgreich weiterführen und die bestehenden Grundsätze beachten und gegebenenfalls intensivieren. So besitze ich eine klare Vision von Schule und bin überzeugt davon, dass diese umsetzbar ist. Die verschiedenen Leitbegriffe meiner Vision von Schule überschneiden sich und bedingen sich teilweise: christliches Menschenbild, Kultur der Gemeinschaft, Vertrauenskultur, Kultur der Wertschätzung, Prozessqualität und Ergebnisqualität. Diese Begriffe werde ich sicherlich in meiner Antrittsrede am 20. März mit Inhalt füllen. Dem möchte ich noch nicht vorgreifen.

Keine Chance, schon jetzt etwas aus Ihnen herauszuquetschen?

(schmunzelt) Nein.

Schade. Vor welchen Aufgaben steht die Schule in den nächsten Jahren?

Eine wichtige Aufgabe, die wir in Angriff nehmen, ist die Digitalisierung. Unsere Gesellschaft lebt in einem ständigen technischen Fortschritt. Es ist eine ganz wichtige Funktion von Schule, Kinder und Jugendliche genau auf diese Gesellschaft vorzubereiten; auf eine Gesellschaft, die mehr und mehr medienbasiert ist und deren Entwicklung kaum vorhersehbar ist. Schülerinnen und Schüler müssen Kompetenzen im Umgang mit den Neuen Medien entwickeln. Unsere Schule stellt sich diesen Aufgaben und wir sind dafür gut ausgestattet. Wir besitzen ein IT-Center mit zwei Computerräumen mit jeweils 20 Schülerarbeitsplätzen, unsere Klassenräume sind ausgestattet mit Beamer und Netzwerkanschluss und seit Schuljahresbeginn können Schüler Tablets im Unterricht benutzen.

Das läuft vor allem über die Projektschiene?

Richtig. Im Rahmen des Präventionsprogramms unserer Schule sind uns in diesem Zusammenhang Projekte zum Umgang mit sozialen Medien sehr wichtig. So bieten wir beispielsweise den Internetführerschein und das Social-Network-Training als feste Unterrichtsinhalte an. Medienscouts unterstützen Mitschüler und Mitschülerinnen. Uns ist bewusst, dass die Schüler die technischen Voraussetzungen schon durch das Aufwachsen mit diesen Medien mitbringen, aber den verantwortungsbewussten Umgang damit erst lernen müssen. In etwa so, wie wir das Fahrradfahren erlernen müssen.

Bei Ihnen an der Schule lernen rund 600 Schüler. Ist diese Zahl in den letzten Jahren konstant geblieben?

Ja, das ist sie, auch wenn die Geburtenrate zwischenzeitlich zurückgegangen ist. Wir unterrichten weiterhin dreizügig und das wird auch so bleiben. Wir sind zwar momentan in der Jahrgangsstufe zehn vierzügig unterwegs, aber das ist eine Ausnahme. Dafür sind unsere räumlichen Kapazitäten auch gar nicht ausgelegt.

Wie häufig können Sie selbst noch unterrichten?

Die Wochenstundenzahl ist sicherlich nicht mehr so hoch wie früher als ich reine Lehrerin war. Aber es sind noch viele Unterrichtsstunden in meinem Arbeitsprogramm vorgesehen, so dass ich das Unterrichten zum Glück nicht vermissen muss.

Wie wichtig ist Ihnen denn das Unterrichten?

Sehr wichtig, um den Kontakt zu den Schülern nicht zu verlieren und weil es einfach ein Teil meines Berufes ist, und das soll auch so bleiben. Wenn ich hier im Büro sitze, ist der Kontakt mit den Schülern natürlich nicht so ausgeprägt.

Wie würden Sie sich als Lehrer-Typ beschreiben?

Anschließend fragen Sie mich sicherlich, wie ich als Schulleiter-Typ bin, richtig?

Richtig.

Ich möchte diese beiden Fragen gerne zusammen beantworten, weil ich da keine Unterschiede erkennen kann. Grundlegend für mich, sowohl als Lehrerin als auch als Schulleiterin, sind mir Eigenschaften und Werte wie ein freundliches Miteinander, Zugewandtheit, gegenseitiger Respekt, Vertrauen, Offenheit, Wertschätzung, Anerkennung, Geduld, Ruhe, Gelassenheit, aber auch Verbindlichkeit und Konsequenz beim Einhalten von Regeln und von Vereinbarungen.

In Olpe ist die Realschule ausgelaufen. Verliert diese Schulform an Bedeutung?

Vom Gesetzgeber aus gesehen sicherlich. Aber unser Schulträger, das Erzbistum Paderborn, legt großen Wert darauf, dass die Schulform Realschule erhalten bleibt. Unsere Schule soll junge selbstständige Erwachsene bilden und erziehen, die gefestigt mit einem positiven Zukunftsbild ins Leben entlassen werden.

Wie sind Sie ganz privat?

Ich bin ein Familienmensch und Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern. Meinen Ausgleich zur schulischen Tätigkeit finde ich in der Natur, der Kunst und der Musik: ich liebe es, unseren Garten zu gestalten, unterschiedlichste Blumen heranzuziehen, zu pflegen und in diesem Garten zu „leben“. Erholung finde ich beim kreativen Gestalten, insbesondere im textilkünstlerischen Bereich. Und wenn ich viel Zeit habe, spiele ich gerne Klavier. Frederic Chopin steht dabei auf meiner Playlist ganz oben.

Weitere Infos:

  • Christiane Eickhoff ist 54 Jahre alt und arbeitet seit mehr als 27 Jahren an der St.-Ursula-Realschule. Die Pädagogin unterrichtet die Fächer Mathematik, Textilgestaltung und Physik.
  • Derzeit besuchen rund 600 Kinder und Jugendliche die Realschule. Es gibt 19 Klassen.
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