Ausbildungsprojekt

Die Herzlichkeit ist überwältigend

Fabian Hanke aus Helden hat unter den Farbigen in Kapstadtviele Freunde gefunden. In ein paar Wochen kommt er zurück ins Sauerland. 

Foto: Volker Eberts

Fabian Hanke aus Helden hat unter den Farbigen in Kapstadtviele Freunde gefunden. In ein paar Wochen kommt er zurück ins Sauerland.  Foto: Volker Eberts

Helden.   In einem Hilfs- und Ausbildungsprojekt für Kinder und Jugendliche in den Townships von Kapstadt arbeitet Fabian Hanke (20) aus Helden.

Südafrika ist ein faszinierendes Land, aber Südafrika ist auch ein gefährliches Land. Kein Wunder, dass die Eltern von Fabian Hanke aus Helden nicht gerade „Bravo“ gerufen haben, als ihnen ihr Sohn seine Reisepläne offenbarte. Eine Überraschung war das indes nicht: „Seit er 11 Jahre alt war, hatte er den Wunsch, die weite Welt kennen zu lernen“, sagt Vater Siegfried Hanke. Weite Welt ist die passende Bezeichnung, vom Repetal bis nach Kapstadt sind es etwa 13 250 Kilometer. Dort arbeitet der 20-Jährige seit September in einem Hilfs- und Ausbildungsprojekt für Kinder.

Ohne Wasser und Strom

Südafrika steht auf der Touristen-Hitliste ziemlich weit oben. Wer das Land einmal besucht hat, der weiß, dass man dort sehr vorsichtig sein muss und manche Orte besser meidet. Diese lebenswichtige Regel lernte auch Fabian Hanke zuerst, als er in Kapstadt ankam. Er hatte großes Glück, fand eine Bleibe bei einer farbigen Familie nahe Kapstadt. „Die haben ihn richtig gebrieft, wie man sich am besten dort verhält“, so sein Vater.

Denn erst vor wenigen Tagen wurde Fabian Zeuge einer Auseinandersetzung mit Schusswechsel auf offener Straße mit. Kein Wunder, dass es auffällig viele Sicherheitsleute, sogenannte Wächter in dem Land gibt.

„Es gibt sie in den unterschiedlichsten Ausprägungen, als hochgerüstete Privatpolizisten in Schutzwesten und mit Sturmgewehr, uniformiert und mit Ehrfurcht gebietenden Schlagstock oder einfach gekleidet, mit verwaschener Weste und dünnem Stöckchen“, so Fabian Hanke.

Ansammlung von schlichten Blechbuden

Der junge Entwicklungshelfer arbeitet da, wohin sich normalerweise kein Tourist aufhält, in den Townships. „Townships sind eine Ansammlung von schlichten Blechbuden, ohne Wasser, häufig ohne Strom. Die Straßen sind aus gestampften Lehm, eine Infrastruktur gibt es nicht. Die Polizei betritt diese Viertel nicht oder nur in Zugstärke, um diese zu räumen. Das Leben dort ist geprägt von eigenen Regeln, Kriminalität, Drogen, aber auch Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Fröhlichkeit. Weiße betreten diese Bereiche nicht oder nur in Begleitung“, erklärt Fabian.

Kindern aus diesen Gegenden den Zugang zu einer besseren Zukunft ermöglichen, ist das Ziel der „Dream Factory Foundation“, für die Fabian arbeitet. „Das Erziehungssystem hier wird getragen von einer engagierten Lehrerschaft, stößt aber schnell an Grenzen. Es fehlt an Geld, Mitteln, Durchsetzungsmöglichkeiten. Dort setzen wir an“, erklärt der Heldener, der nach seiner Rückkehr nach Deutschland Soziologie studieren möchte.

Mit Projekten und Schulungen wollen Fabian und seine Kolleginnen und Kollegen diese benachteiligten Kinder fit für Studium und Beruf zu machen. „Wir bieten Nachhilfe, wir schulen am PC, wir vermitteln Praktika und betreuen diese.

Schwarze können es schaffen

Viele der Kinder sehen durch uns zum ersten Mal, dass es auch Schwarze gibt, die selbstbewusst in Berufen der Weißen arbeiten und es durchaus schaffen können. Die Dankbarkeit und Begeisterung „unserer“ Kinder und Jugendlichen ist groß.“ Insgesamt 300 Kinder werden von zehn Mitarbeitern betreut. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich, bekommen weder Unterstützung noch finanzielle Anerkennung.

Das macht dem Sauerländer Hanke nichts aus. Er hat den Weg nach Afrika gewählt, um zu helfen und seinen persönlichen Horizont zu erweitern – und hat den Schritt nicht bereut. „Mein Leben findet nicht in den touristischen Zentren statt und darüber bin ich froh. Ich konnte Dinge lernen, die bei uns unvorstellbar sind. So zieht der Zahnarzt hier einen Weisheitszahn ohne Betäubung. Die Arbeit macht mir hier Freude, weil die Menschen so herzlich sind. Trotz vieler Sorgen gibt es hier keine schlechte Laune.

Im Frühjahr wird Fabian Hanke wieder zurück in die Heimat kommen, mit einem Koffer voller schöner und spannender Erinnerungen. „Für mich ist Südafrika ein fantastisches Land – voller Chancen, Lebenslust, Gefahren und Freundlichkeit.“

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