Fachkräftemangel

Den Apotheken im Kreis Olpe fehlen Mitarbeiter

Apotheker Ulf Ullenboom beklagt die schwierige Suche nach Mitarbeitern.

Apotheker Ulf Ullenboom beklagt die schwierige Suche nach Mitarbeitern.

Foto: Roland Vossel / WP

Olpe.  Es ist wie bei den Ärzten. Auch im Bereich Pharmazie sind wenige Uni-Absolventen bereit, nach dem Studium aufs Land zu ziehen.

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Sein Team ist derzeit komplett. Als vor einiger Zeit eine Apotheke in der Nachbarschaft schloss, konnte Ulf Ullenboom die Apothekerin übernehmen. So viel Glück haben andere Inhaber nicht. Der Fachkräftemangel macht den Apotheken auch im Kreis Olpe zu schaffen, weiß Ulf Ullenboom, Vorsitzender der Bezirksgruppe Olpe im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL).

Kaum noch Bewerber

Die Bundesarbeitsagentur stuft die Apotheker als Engpassberuf ein. „Hier im ländlichen Raum ist die Zahl der Bewerber um eine Apothekerstelle leider besonders gering“, berichtet Ulf Ullenboom. „Nach fünf bis sieben Jahren Leben, Studium und Praktikum in einer Großstadt bleiben viele junge Leute an den Uni-Standorten kleben“, sagt er. Pendler gewinnt man für Olpe auch kaum: Die einzige Hochschule in Westfalen-Lippe, an der Pharmazie gelehrt wird, ist die Universität Münster. Die Arbeitslosenquote bei den Pharmazeuten liegt gerade einmal bei 1,7 Prozent; ab einer Quote von unter 3 Prozent spricht die Bundesarbeitsagentur von einem Mangelberuf. Laut Apothekenklimaindex,einer Umfrage der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), rechnen drei Viertel der Apothekeninhaber bei einer Stellenausschreibung nur noch mit einem Bewerber.

Zahl der Apotheken sinkt

Zwar sinkt die Zahl der Apotheken in Deutschland seit dem Jahr 2000 kontinuierlich. Zugleich aber steigt die Zahl der Angestellten pro Apotheke.

„Wir werden auch in den kommenden Jahren in Westfalen-Lippe mehr statt weniger approbierte Mitarbeiter in den Apotheken benötigen“, warnt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL). „Denn in Zeiten des demografischen Wandels und der wachsenden Zahl älterer Menschen in der Bevölkerung, steigt zum einen der Arzneimittelbedarf, vor allem aber der Bedarf an guter persönlicher Beratung und pharmazeutischen Dienstleistungen“, so Dr. Klaus Michels. Lieferengpässe bei Arzneimitteln, Bürokratie und Dokumentationsaufwand kosteten ebenfalls viel Arbeitskraft.

Immer häufiger Teilzeit

Auch der ABDA-Apothekenklimaindex zeigt, dass mehr als die Hälfte der Apothekeninhaber Einstellungen plant. Während aber der Bedarf zunimmt, ist die Zahl der Studienanfänger in den vergangenen Jahren bundesweit etwa gleich hoch geblieben, die Zahl der Approbationen leicht gestiegen. Doch angestellte Apotheker arbeiten immer häufiger in Teilzeit, viele Pharmazeuten wandern in die Industrie ab, die Verwaltung oder in Krankenhäuser. Das hat auch Ulf Ullenboom festgestellt: „Die Absolventen der Pharmazie werden von Wirtschaft und Verwaltung aufgesaugt – und für die Landapotheken bleibt nichts mehr übrig.“„Wir müssen also noch mehr Apotheker ausbilden, um in Zukunft eine gute und sichere Versorgung der Patienten gerade im ländlichen Raum und auch im Nacht- und Notdienst garantieren zu können“,fordert Dr. Klaus Michels.

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