SPD

„Daran ist fleißig gearbeitet worden“

Kreis Olpe.   Nachdem das Ergebnis der Mitgliederumfrage bekanntgegeben wurde, ging die WP auf Stimmenfang im Kreis Olpe. Wolfgang Wiggert ist wütend.

Die Basis hat gesprochen: Die SPD geht in die Große Koalition. Nachdem die Spitze der Bundespartei gestern Morgen das Ergebnis der Mitgliederumfrage bekanntgegeben hatte, gingen wir auf Stimmenfang im Kreis Olpe.

SPD-Kreisvorsitzender Robert Kirchner-Quehl (67) aus Wenden, bekanntermaßen Gegner der GroKo, zeigte sich nicht überrascht vom Ergebnis: „Daran ist ja fleißig gearbeitet worden in den vergangenen Wochen.“ Der Jubel bei CDU/CSU, ja sogar bei FDP-Chef Lindner sei bezeichnend. „Diejenigen, die eine wirklich andere Politik wollen, haben Pech gehabt. Die Armen werden ärmer, die Reichen reicher, der Mittelstand verliert an Boden. Wenn die SPD wirklich Vertrauen zurückgewinnen will, muss sie sich grundlegend erneuern.“ Wenn jetzt aber nach dem Motto ,Weiter so’ regiert werde, gingen die Umfragewerte weiter in den Keller.

Seiner Wut freien Lauf ließ Wolfgang Wigger (50), Vorsitzender der SPD Olpe: „Die SPD schafft sich ab. Dass wir den Steigbügelhalter für Frau Merkel machen, werden die Wähler entsprechend quittieren. Mit dieser Entscheidung heute machen wir die AFD zur zweitstärksten Kraft. Die 66 Prozent für die GroKo sind ein katastrophales Signal.“ Wigger versicherte darüber hinaus, er werde bei der Jahreshauptversammlung der SPD Olpe nicht mehr für den Vorsitz kandidieren. Das Ergebnis sei ein Erfolg für all diejenigen, die in den vergangenen Wochen übers Land gezogen seien und Wahlkampf für die GroKo gemacht hätten: „Es gibt eben Menschen in der SPD, die für die Partei leben und andere, die von der Partei leben.“

Wolfgang Langenohl (50), Attendorner SPD-Ratsherr und Landtagskandidat 2017, sagte: „Es ist ein demokratisch herbeigeführtes Ergebnis. Für mich steigt aber erst dann weißer Rauch aus dem Berliner Schornstein auf, wenn grundlegende Reformen vor allem im sozialen Bereich zeitnah angegangen werden. Das bedarf grundsätzlich weiterer Nachverhandlungen innerhalb der Koalition. Die regierenden Parteien werden sich daran nun zeitnah messen lassen müssen. Man darf gespannt sein.“

Manuel Behle (26) wurde erst am Freitag zum neuen SPD-Vorsitzenden des Gemeindeverbandes Kirchhundem gewählt, einstimmig. Er wertet das Ergebnis als positives Zeichen für die Demokratie, aber auch für die SPD: „Ich selbst habe für die GroKo gestimmt, in meiner Brust haben aber zwei Herzen geschlagen.“ Die Bundes-SPD müsse jetzt klare Kante zeigen: „Die gesteckten Ziele müssen in der Großen Koalition auch umgesetzt werden.“ Grundsätzlich sei er eher für das Gestalten, als sich gegen etwas zu stellen und nur draufzuhauen.

Nezahat Baradari (52), die für die SPD im Wahlkreis Olpe 2017 für den Bundestag kandidiert hatte: „Nachdem Jamaika gescheitert war, weil sich die FDP gedrückt hatte, hatten wir die Verpflichtung, die Kastanien aus dem Feuer zu holen.“ Dafür habe die Sozialdemokratie aus Liebe zum Land den schmerzlichen Kompromiss eingehen müssen. „Wir müssen das große Ganze sehen.“ Ganz oben auf der Agenda müsse auch jetzt in der Großen Koalition die Erneuerung der Partei stehen. Sie selbst habe auch für die GroKo gestimmt, allerdings mit Zähneknirschen. Neuwahlen wären zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine gewinnbringende Alternative für die SPD gewesen.

Attendorns SPD-Bürgermeister Christian Pospischil (36) hätte mit einem knapperen Ergebnis gerechnet: „Ich halte das für eine vernünftige und verantwortungsbewusste Entscheidung. Auch ich habe für die GroKo gestimmt.“ Selbstverständlich müsse sich die SPD inhaltlich wie personell erneuern, anders als in der vergangenen GroKo. „Ohne eine solche Erneuerung geht es weiter nach unten“, ist Pospischil sicher. Bei allem Verständnis für die GroKo-Gegner ist sich der Bürgermeister sicher: „Das Chaos, dass ein Nein zur GroKo in der SPD und im Land ausgelöst hätte, wäre schlimmer gewesen.“

Heinz Vollmer (63), Lennestädter SPD-Vorsitzender: „Trotz der kommenden Groko kann es für die SPD nicht so weitergehen. Die SPD muss sagen, wofür sie steht und das dann auch tun. Die Parteiführung hat in nur einem Jahr unseren Anspruch, eine Volkspartei zu sein, nahezu verspielt. Und das war nicht nur Martin Schulz. Mit ,Bätschi’ und ,es gibt was auf die Fresse’ werden wir die Menschen sicher nicht überzeugen. Wir müssen uns neu aufstellen und uns wieder an den Werten der Sozialdemokratie orientieren, und zwar gemeinsam mit den vielen jungen, neuen Mitgliedern. Ich erwarte ab sofort eine seriöse, durchaus auch kämpferische Politik aus Berlin, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert und nicht daran, welchen Posten man ergattern kann.“

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