Personennahverkehr

Busroute macht Rentnerin aus Attendorn ratlos

Während der Bauphase in der Ennester- und der Niedersten Straße in Attendorn ist für die Busse der Linie 70 der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) an der Haltestelle St.- Ursula-Schulen Endstation.  Foto: Peter Plugge

Während der Bauphase in der Ennester- und der Niedersten Straße in Attendorn ist für die Busse der Linie 70 der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) an der Haltestelle St.- Ursula-Schulen Endstation.  Foto: Peter Plugge

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Olpe/Attendorn.   MVG fährt wegen Baustellen in Attendorn den Bahnhof nicht mehr an. Rita Fricke kann deshalb ihre Arzttermine in Plettenberg nicht wahrnehmen.

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Rita Fricke versteht die Welt nicht mehr. Die 73-jährige, gehbehinderte Rentnerin aus Dahl muss regelmäßig zu einem Facharzt ins Plettenberger Krankenhaus. Das hat auch lange mit dem öffentlichen Personennahverkehr sehr gut funktioniert, bis die Bauarbeiten an der Ennester und Niedersten Straße in Attendorn begannen.

Bis dahin fuhr sie mit der Bahn bis Attendorn und vom dortigen Bahnhof mit dem Bus der Linie der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) weiter nach Plettenberg, wo sie noch einmal umsteigen musste, um dann direkt vor der Klinik aussteigen zu können. Das jedoch geht seit gut einem Jahr so nicht mehr.

Fußweg für Rentnerin nicht machbar

Weil die Busse der MVG vom Bahnhof der Hansestadt aus nicht mehr durch die Niederste und Ennester Straße Richtung Plettenberg fahren können, lässt die MVG diese aus, Endstation ist die Haltestelle St. Ursula-Schulen. Anschließend wenden die Busse im Kreisverkehr Kölner Tor und fahren über die Hansastraße zurück nach Plettenberg.

Für Rita Fricke bedeutet das, dass sie den mehr als einen Kilometer weiten Weg vom Bahnhof zur Haltestelle St. Ursula-Schulen zu Fuß zurücklegen müsste, was sie eigenen Angaben zufolge nicht kann. Und erst recht nicht in nur zehn Minuten. Denn nur so viel Zeit hat sie, um den Bus zu erreichen. Kommt sie zu spät, muss sie eine Stunde auf den Anschluss warten.

Kein Verständnis für Änderung

Die Alternative, mit einem Taxi vom Bahnhof zur Bushaltestelle zu fahren, würde sie nur akzeptieren, wenn sie es nicht selber bezahlen müsste. Rita Fricke meint, die Stadt Attendorn oder die MVG sollten diese kosten übernehmen.

So kann die Rentnerin seit einem Jahr die in der Regel frühen Arzttermine in Plettenberg, der nächste ist auf 7.30 Uhr terminiert, nicht wahrnehmen. Ihr Arzt habe schon gedroht, sie nicht weiter zu behandeln, wenn sie nicht persönlich vorspräche.

Möglichkeiten der Stadt Attendorn beschränkt

Sie sieht nicht ein, warum die MVG den Attendorner Bahnhof nicht mehr anfährt. „Die anderen Busunternehmen tun das doch auch“, sagt sie und beschwert sich, dass ihr weder das Nahverkehrsunternehmen noch das Ordnungsamt der Stadt Attendorn helfen wollen.

Das sieht Ordnungsamtsleiter Karl-Josef Hammer, dem der Fall Fricke bekannt ist, jedoch anders. „Die Stadt Attendorn ist nicht Träger des öffentlichen Personennahverkehrs“, stellt er zunächst einmal fest. Das sei in diesem Ausnahmefall für Attendorn der Märkische Kreis, was die Möglichkeiten der Stadt Attendorn zur Einflussnahme beschränke.

Busunternehmen lehnt Fahrplanänderung ab

„Gleichwohl haben wir mehrfach versucht, die MVG dazu zu bewegen, den Bahnhof auch während der Bauphase in der Innenstadt anzufahren und auch alternative Routenvorschläge gemacht“, so Hammer. Das sei von dem Unternehmen aber mit Hinweis auf Zeit- und Routenproblemen stets abgelehnt worden.

Daher könne man seitens der Stadt nur auf den geplanten Fertigstellungstermin der Niedersten Straße im März verweisen. „Danach fahren die Busse wieder auf ihrer alten Route, und das Problem ist erledigt“, so Karl-Josef Hammer. Zu einer etwaigen Übernahme von Taxikosten seien weder die Stadt Attendorn noch das Verkehrsunternehmen verpflichtet.

Bedauern bei der MVG

Bei der MVG erklärte die Pressestelle auf Anfrage, dass man es im Sinne aller Fahrgäste und insbesondere auch von Frau Fricke bedaure, den Attendorner Bahnhof während der deutlich länger als ursprünglich geplant dauernden Bauarbeiten in der Innenstadt nicht mit den Bussen der Linie 70 anfahren zu können. Allerdings würde das die Fahrzeit um circa zehn Minuten verlängern. Ein Zeitpolster, dass man beim besten Willen nicht habe.

Man habe Rita Fricke aber auf die Alternative hingewiesen, mit dem Zug über Finnentrop zum Bahnhof Plettenberg und vom dortigen Bahnhof mit dem Bus weiter zum Krankenhaus zu fahren. Das lehne sie aber ab. Darüber hinaus könne man ihr leider nicht helfen.

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