Drolshagen

Brückenstein von 1754 wird wieder aufgestellt

Steinfund an der Brücke über die Rose Richtung Berlinghausen. Rudi Alterauge hat den alten Abschluss-Stein in einen Säulenstein hinein gearbeitet, so dass er gut sichtbar aufgestellt werden kann.

Steinfund an der Brücke über die Rose Richtung Berlinghausen. Rudi Alterauge hat den alten Abschluss-Stein in einen Säulenstein hinein gearbeitet, so dass er gut sichtbar aufgestellt werden kann.

Foto: Dr. Peter Vitt / WP

Drolshagen.  Ein alter Brückenstein in Drolshagen gab zunächst Rätsel auf. Dank Dr. Peter Vitt und Rudi Alterauge kann er wieder aufgestellt werden.

Rudi Alterauge (79), Hobby-Heimatforscher und -Archäologe aus Drolshagen, grinst genauso wie man ihn kennt: triumphierend bis schelmisch. Der Lorbeer gebühre allerdings in diesem Falle nicht ihm, sagt er sofort. Sondern Historiker Dr. Peter Vitt. Alterauge: „Dr. Vitt hat den Stein bemerkt und mir davon erzählt.“ Gemeint ist eine stattliche Grauwacke mit einer Inschrift, die darauf hinweist, dass es sich um den Abschluss-Stein der 1754 gemauerten Brücke über die Rose Richtung Berlinghausen handelt. Die Brücke war 2016 erneuert, dem Abschluss-Stein aber keine Beachtung geschenkt worden.

Gemeinsam in Geschichtswerkstatt

Vitt und Alterauge sind gemeinsam in der Drolshagener Geschichtswerkstatt tätig, und nachdem Alterauge über den Stein informiert worden war, legte er Hand an. Besser gesagt: Großes Werkzeug. „Der Stein ist sicher an die zweieinhalb bis drei Zentner schwer“, schätzt Alterauge, der den Stein mit Hilfe eines Frontladers zu sich nach Hause auf den Drolshagener Papenberg transportierte.

In Säulenstein gearbeitet

„Dort habe ich ihn erst einmal sauber gemacht, mir einen Säulenstein aus dem Steinbruch Stupperhof besorgt und den Abschluss-Stein hinein gearbeitet.“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Im Säulenstein verankert, kann der Abschluss-Stein am kommenden Montag wieder neben der Brücke einbetoniert werden - gut sichtbar für jeden Passanten.

Wer Dr. Peter Vitt kennt, weiß, dass ihn solch ein Fund nicht ruhen lässt. Also durchleuchtete er die Historie rund um Brücke und Abschluss-Stein. Das Ergebnis ist beachtlich.

Historie von Dr. Peter Vitt

In einer Pressemitteilung ist unter anderem Folgendes über die Historie zu lesen: „Zum Standort der sogenannten „steinernen Brücke“ ist zu sagen, dass sie ein wesentlicher Teil des Verbindungsweges von Drolshagen nach Olpe darstellte. Der Weg führte aus der Stadt heraus über die dreibogige Brücke, den Schmierhagen hoch, über Berlinghausen nach Olpe. Dieser Weg heißt heute noch Alte Landstraße. Heute biegt die Straße nach Olpe kurz vor der Brücke nach links ab und führt an der früheren Wassermühle, durch das Tal im Fredebruch, in großem Bogen am Fuße des Buscheid vorbei, über Wenkhausen als Bundesstraße 54/55 nach Olpe. Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert endete dieser Weg bei der Mühle und verlor sich in dem feuchten Gelände.

Stadtchronik

Aus der Stadtchronik, geschrieben 1824 von dem damaligen Bürgermeister Carl Stachelscheid, geht hervor, dass am 24. Mai des Jahres 1749 über Drolshagen solch ein so starker Wolkenbruch niederging, dass Teile der Stadtmauer und auch die Brücken weggerissen wurden.

Ob derzeit die Brücke aus Stein oder Holz gebaut war, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, das seit 1754, wie auf dem Abschlussstein zu lesen ist, die steinerne Brücke besteht und der Abschlussstein erfreulicherweise erhalten geblieben ist, obwohl die Brücke abgerissen und zwischenzeitlich durch ein Betonbauwerk ersetzt worden ist.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in dem Abschlussstein das Stadtwappen, der Anker als Symbol für den hl. Clemens, so dargestellt ist, wie man sich einen Anker vorstellt, nämlich die seitlich abgehenden Schaufeln, die sogenannten Flunken, unten und nicht, wie in dem aktuellen Wappen, oben zu sehen sind.

Daraus erklärt sich auch der früher schon mehrfach vorgebrachte Hinweis, dass das Drolshagener Wappen den Anker verkehrt herum zeigt.

Chaussee von 1790

Die steinerne Brücke war Teil der von Meinerzhagen über Drolshagen nach Olpe führenden Chaussee, die 1790 von den westfälischen Landständen als Kunststraße angelegt wurde. Die steinerne Brücke war die einzige befahrbare Brücke in der Gegend, alle anderen Bachübergänge waren Fußbrücken oder Furten. Die Brücke wurde im Jahr 1821 mit neuen Brustmauern versehen, und auch das städtische Pflaster, das ausschließlich in der Hauptstraße lag und von Stadttor zu Stadttor reichte, größtenteils erneuert.

Das Brücken- und Pflastergeld, das von allen Benutzern erhoben wurde, war eine wesentliche Einnahmequelle der Stadt. Personen durften kostenlos passieren, jeder beladene Frachtwagen hatte 7 Pfennig zu zahlen, das Passieren eines Pferdes kostete 4 Pfennig. So kamen in den 1830er Jahren jährlich 240 bis 250 Taler zusammen.“

Inschrift gut sichtbar

Der Stein trägt die noch gut erkennbare Inschrift: ANNO 1754 DENZ 8BRIS CIV DR EXSTR

Übersetzt bedeuten das soviel wie: Im Jahr 1754, den 8. Dezember. Stadt Drolshagen.

Die Aufstellung des Säulensteins wird am Montag durch Mitarbeiter des städtischen Bauhofs vorgenommen. Nahe der Stelle, wo er vor über 250 Jahren in die alte Brücke eingelassen worden war.

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