Jahresrückblick

Brücken sind im Kreis Olpe bezeichnend für das Jahr 2017

Abriss der Pastoratsbrücke in Hofolpe

Foto: Volker Eberts

Abriss der Pastoratsbrücke in Hofolpe Foto: Volker Eberts

Kreis Olpe.   Ein besonderer Jahresrückblick: Sperrung, Stützkorsett, Steuerverschwendung - 2017 war für den Kreis Olpe ein richtiges Brückenjahr.

Das Jahr 2017 war faktisch wie im übertragenen Sinne ein besonderes Brücken-Jahr. In ganz Deutschland konnten die Arbeitnehmer durch den zusätzlichen Feiertag anlässlich des Reformationsjubiläums und die besonders günstige Lage der Feiertage durch geschickten Einsatz von Brückentagen ihren Urlaub nahezu verdoppeln. Im Kreis Olpe spielten Brücken eine besondere Rolle.

Sperrung der Ihnetalbrücke

Pendler und alle Verkehrsteilnehmer, die regelmäßig über die Landstraße 512 zwischen Olpe und Attendorn am Biggesee entlang fahren müssen, wurden durch die anhaltende halbseitige Sperrung der Ihnetalbrücke auf Höhe des Biggedamms und die daraus resultierenden Staus, vor allem während der Stoßzeiten morgens und nach Feierabend, auf manch harte Probe gestellt. Rückstaus fast bis zur Doppelstockbrücke am Schnütgenhof und bis zur Biggebrücke auf der Attendorner Südumgehung zerrten an den Nerven der Autofahrer.

Das galt allerdings auch für die immer wieder revidierten Zeitpläne, die der Landesbetrieb Straßen NRW für den Bau des Stützgerüstes für die Stahlbetonbrücke nannte. Die Stahlträger waren notwendig, weil die Ende der 50er Jahre geplante Brücke den Ansprüchen des heutigen Straßenverkehrs statisch nicht mehr genügt.

Stets neu auftauchende Probleme und Hindernisse, von schwierigen Absprachen mit der Bahn über nicht ausreichende Ergründungen des Untergrunds bis hin zu Problemen mit dem Besorgen des Stahls für die Fertigstellung des Stützkorsetts sorgten dafür, dass sich die genannten Zeitpläne für die Fertigstellung der Sanierung zum Unwillen der Autofahrer immer weiter nach hinten verschoben. Wie soll das erst mit dem anschließend geplanten Neubau werden?!

Talbrücke Kessenhammer

Hinzu kommt, dass seit Anfang November auch die Talbrücke Kessenhammer am Biggesee im Verlauf der L 563 wegen einer notwendigen Sanierung des Oberbaus komplett für den Verkehr gesperrt werden musste. Empfohlene Umleitung: Über die L 512.Während die Stadt Attendorn damit begonnen hat, vorsichtig, aber zielstrebig eine Brücke der Patenschaft zu der Polnischen Stadt Rawicz zu schlagen, werden die Brücken zum von Christoph Schlingensief gegründeten Operndorf in Burkina Faso nach einem Zerwürfnis der Initiative 4344 mit dessen Witwe Aino Laberenz wohl endgültig abgebrochen.

Ebenfalls für Schlagzeilen – sogar überregional – sorgten Brücken in der Gemeinde Finnentrop.

Baustelle Fußgängerbrücke

Die scheinbar ewige Baustelle Fußgängerbrücke über die L 593 und die Bahnanlagen in Finnentrop wurde nach etlichen Verzögerungen endlich fertig gestellt. Mit der hierzu gehörenden Aussichtsplattform Lennebalkon und dem nur wenige Kilometer lenneabwärts gelegenen Aussichtspunkt Lichtblick Lenneschiene schaffte es Finnentrop als Beispiel für Steuerverschwendung bis ins Fernsehen.

Der Lennebalkon, weil ein Durchbau der Brücke bis zur Lenneschiene als sinnvoller und praktischer erachtet wurde als ein reiner Aussichtspunkt. Und der Lichtblick, weil er nicht nur aussieht wie eine abgesägte Brücke, sondern weil es noch neun Jahre dauern kann, bis die hier geplante Brücke Radfahrer auf dem SauerlandRadring sicher und ohne große Steigungen durch den Lenhauser Tunnel, der als Schießstand genutzt wird, ins Frettertal bringt.

Auf ins digitale Zeitalter

Ein Brückenschlag in die digitale Zukunft des Kreises wurde Anfang Dezember mit dem ersten offiziellen Spatenstich zum Breitbandausbau im Kreis Olpe in Neu-Listernohl vollzogen. Mit dem ersten von sechs Bauabschnitten begann die Telekom im Bereich Attendorn mit dem Ausbau von schnellen Internetanschlüssen.

Riesiger Kran für Pastoratsbrücke

Auch in der Gemeinde Kirchhundem machten zwei spektakuläre „Brücken-Projekte“ Schlagzeilen. Zum einen der Abbau der mehr als 50 Jahre alten Pastoratsbrücke über die B 517 und die Bahngleise in Hofolpe. Für die Zuschauer spektakulär anzusehen war das Ausheben der über 300 Tonnen schweren Brücke mit einem riesigen Autokran, zumal die Brücke 20 Tonnen schwerer war als zunächst angenommen. Zumindest bemerkenswert aber auch die damit verbundene Kostensteigerung von 200 000 Euro.

Zwischenmenschlichkeit

Nicht weniger spektakulär war der zwischenmenschliche Brückenschlag zwischen dem Kirchhundemer Bürgermeister Andreas Reinéry und dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Kirchhundemer Gemeinderat, Michael Färber. Letzteren hatte der Bürgermeister nach einem Disput über vom Bürgermeister gewünschte Neueinstellungen in der Verwaltung hart angegangen. Reinéry bewies die Größe, diesen Fehler einzugestehen: „Manchmal schlägt man über die Stränge. Mit mir gingen die Gäule durch“, und bat Färber um Entschuldigung, der diese annahm.

Ein Verhalten beider, dass man den Kontrahenten im Finnentroper Gemeinderat, wo die letzten Brücken zwischen Bürgermeister Heß und der Fraktion der Freien Wähler endgültig abgerissen zu sein scheinen, als guten Vorsatz für das Jahr 2018 wünschen würde.

Ein Blick in die Zukunft

Auch 2018 hat das Zeug dazu, ein Brücken-Jahr zu werden. Wegen der fast noch besser liegenden Brückentage, aber auch weil das technische Thema Brücken weiteres Potenzial hat, für Schlagzeilen zu sorgen. Dies betrifft nicht nur die Ihnetalbrücke, wo sich die Frage stellt, ob sie in diesem Jahr wohl wirklich wieder für den Gesamtverkehr freigegeben wird. Neu hinzu kommt die Öhringhauser Talbrücke, die gesprengt und innerhalb von zwei Jahren neu errichtet werden soll. Verbunden mit erheblichen Umwegen für den Verkehr auf der B 54/55 zwischen Drolshagen und der Autobahnauffahrt Olpe zur A 45 und umgekehrt.

Engländer würden wahrscheinlich Wetten darüber abschließen, wie viel länger die reale Bauzeit betragen wird.

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