Systemrelevant

Bestatter-Sorgen in Corona-Krise: „Virus lebt 9 Tage weiter“

Daniela Jung, Bestattermeisterin aus Olpe

Daniela Jung, Bestattermeisterin aus Olpe

Foto: Verena Hallermann / WP

Olpe.  Mit Verspätung sind Bestatter in der Corona-Krise in NRW für systemrelevant erklärt worden. Das erleichtert die Arbeit von Daniela Jung aus Olpe.

Das Land NRW hat am Montag entschieden, dass Bestatter zu den so genannten systemkritischen Berufen zählen. Das war längst überfällig, betont Daniela Jung, Bestattermeisterin des Bestattungshauses Maiworm in Olpe. Denn durch diese Einstufung hat sie nicht nur das Recht auf eine Kinderbetreuung – auch der Zugang zu Desinfektions- und Schutzmaterial wird einfacher. Zumindest wenn diese vorrätig sind. Die 34-Jährige erklärt, warum Hygieneartikel für ihre Berufsgruppe insbesondere in Zeiten des Coronavirus so wichtig sind.

Denn nicht alle Menschen können auf Abstand gehen. Nicht nur die Mitarbeiter in den Supermärkten und die Ärzte haben unter Umständen direkten Kontakt zu potenziell infizierten Personen – auch die Bestatter. „Das Problem ist, dass nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden kann, dass der Verstorbene infiziert ist“, erklärt Daniela Jung. „Das heißt, selbst wenn es keinen Hinweis gibt, müssen wir aktuell vorsichtig sein, um nicht selbst angesteckt zu werden und das Virus so zu verbreiten.“

Verstorbene Corona-Patienten sind infektiös. Das Virus lebt noch ungefähr neun Tage weiter, die Bestattungsfrist liegt bei zehn Tagen. Wie bei anderen Verstorbenen, die an einer meldepflichtigen Krankheit litten, gelten für die Bestatter nun besondere Maßnahmen.

Die Bestatter betten die Verstorbenen bei der Abholung in eine Leichenhülle oder in ein mit Desinfektionsmittel getränktes Tuch. Die Leichenhülle muss von außen desinfiziert werden. Der Leichnam ist in einen Sarg einzubetten, der Sarg ist von außen zu desinfizieren. Sarg und Leichenhülle bleiben bis zur Beisetzung/Kremation verschlossen, offene Aufbahrungen sollten nicht erfolgen. Der Sarg ist mit der Angabe „infektiös“ oder „infektiöser Leichnam“ zu kennzeichnen. Erdbestattung und Feuerbestattung sind gleichermaßen möglich.

Arbeitsalltag deutlich verändert

Doch auch im Arbeitsalltag von Daniela Jung hat sich seit der Corona-Krise einiges geändert. In die Krankenhäuser und Pflegeheime darf sie nicht mehr ohne telefonische Anmeldung. Alle Flächen, mit denen sie oder ihre Kunden in Kontakt kommen, müssen desinfiziert werden. Also auch Türklinken, Telefone oder Beratungsmappen. Die Prozedur muss mehrfach am Tag wiederholt werden. Ebenso müssen die Habseligkeiten des Verstorbenen wie beispielsweise Schlüssel desinfiziert werden – eben aus Vorsicht, sollte dieser unbemerkt doch das Virus in sich tragen.

Coronakrise in NRW macht weitere Maßnahmen nötig - Überblick
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Doch die Vorräte werden knapp, die Nachfrage ist zu groß. Knapp 80 Kittel (pro Verstorbener braucht sie mindestens einen) und wenige Flaschen Desinfektionsmittel hat sie noch. „Ich warte seit Wochen auf eine Lieferung“, sagt Daniela Jung. „Momentan bin ich noch gut aufgestellt. Aber man weiß ja nicht, mit welchen Todesfällen zu rechnen ist.“ Durch die Einstufung in die systemkritischen Berufe hat sie nun zumindest offiziell das Recht, Desinfektionsmittel und Schutzmasken über das Gesundheitsamt zu beziehen.

Daniela Jung hat 2015 den Familienbetrieb übernommen. Das Bestattungshaus Maiworm ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Bestatter. Dieser hatte sich mit einem dringenden Appell an alle Landes- und das Bundesgesundheitsministerium gewendet, um die Anerkennung der Systemrelevanz – vor allem in der jetzigen Corona-Krise – in NRW zu erreichen. Eine bundesweite Petition war die Folge. Nun hat das Land NRW reagiert. Daniela Jung ist erleichtert – auch, weil sie nun ein Recht auf eine Betreuung für ihre beiden Kinder hat.

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