Brennpunkt Ausbildung

Auf dem Weg zum Papiertechnologen in Hofolpe

Jannik Kampmann (li.) und Julian Kaiser machen eine Ausbildung zum Papiertechnologen bei Papier Grünewald in Hofolpe. Für unsere Themenreihe "Brennpunkt Ausbildung"

Jannik Kampmann (li.) und Julian Kaiser machen eine Ausbildung zum Papiertechnologen bei Papier Grünewald in Hofolpe. Für unsere Themenreihe "Brennpunkt Ausbildung"

Foto: Flemming Krause

Hofolpe.  Ihren Beruf kennt kaum jemand: Jannik Kampmann und Julian Kaiser machen eine Ausbildung zum Papiertechnologen bei Papier Grünewald in Hofolpe.

Dass er es eines Tages seiner Schwester gleichtun und eine Ausbildung bei Papier Grünewald in Hofolpe starten würde, damit hatte Julian Kaiser (21) nicht gerechnet. Wie auch? In die Verwaltung wie Jahre zuvor seine Schwester wollte der Schwartemecker gar nicht. Doch dann stieß er auf den Papiertechnologen. Ein Beruf, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist, doch bei dem Kirchhundemer Unternehmen einen enorm hohen Stellenwert besitzt.

36 der 106 Mitarbeiter gehören der Sparte Papiertechnologen an. „Ich konnte mir damals nichts darunter vorstellen“, erinnert sich der ehemalige Schüler vom Maria-Königin-Gymnasium. Alles Schnee von gestern: Seit gut einem Jahr zählt Kaiser zu den vier Jugendlichen, die zurzeit bei Grünewald diese Ausbildung machen.

Der Beruf

Papiertechnologen sind für die Qualität des Produktes verantwortlich – also dafür, dass hochwertiges Papier entsteht. „Wir überwachen den Prozess am Computer“, sagt Kaiser, und Azubi-Kollege Jannik Kampmann (17) aus Herrntrop ergänzt: „Wir beobachten die Maschine und schauen, dass sie so arbeitet, wie sie arbeiten soll.“ Der Prozess läuft, stark vereinfacht gesagt, wie folgt ab: Aus Zellstoffen oder Altpapier werden Fasern herausgelöst, das Material dann gereinigt, ehe der Stoff verdünnt auf die Papiermaschine gelangt und dort abschließend entwässert und getrocknet wird. So entsteht hochwertiges Papier. Neben PC-Kentnissen seien, das betonen nicht nur die beiden Azubis, sondern auch Produktionsleiter Mario Friedhoff und Geschäftsführer Christopher Grünewald, technisches Verständnis sowie Physik- und Chemiekentnisse wünschenswert.

Die Ausbildung

Die Ausbildung von Papiertechnologen im eigenen Haus hat für den Geschäftsführer absolut Priorität: „Wir achten sehr darauf und lassen uns das einiges kosten.“ Ein Azubi, der drei Jahre lang ausgebildet wird, kostet um die 14 000 Euro. So zahle man etwa die Spritkosten, die die Jugendlichen aufbringen müssten, um die insgesamt 14 Wochen im Jahr nach Gernsbach (Baden-Württemberg) zu kommen. Denn dort, im „Papiermacherzentrum“, der einzigen Schule für Papiertechnologen in Deutschland, lernen die jungen Menschen ihr Handwerk.

Schwerpunkte dort sind die Bereiche Mechanik, Elektrik, Mess- und Regeltechnik sowie Verfahrenstechnik. „Wir haben großen Respekt vor unseren Azubis. Für Wochen verlagern sie ihren Lebensmittelpunkt weg von zuhause und fügen sich in ein neues Umfeld ein“, lobt Grünewald.

Die Übernahme-Chancen

„Wer bei uns seine Ausbildung macht und keine goldenen Löffel stiehlt, wird auch übernommen.“ Ein Satz, den Jannik und Julian gerne hören, denn beide können sich gut vorstellen, auch nach ihrer Ausbildung zu bleiben. Und diese Aussage sei keineswegs ein leeres Versprechen: Von den 36 Papiertechnologen bei Grünewald sind 34 bei den Kirchhundemern ausgebildet worden. Zwölf von ihnen haben zudem ihren Meister gemacht.

Hinzu kommt: Die Einführung der Rente mit 63 habe den langfristig geplanten Personalschlüssel ein Stück weit über den Haufen geworfen, so dass „wir ganz aktuell einen Papiertechnologen suchen“, so Grünewald – nur der Markt sei extrem überschaubar. „Bislang haben wir auf diese Stelle nicht eine einzige Bewerbung.“ Insgesamt, da ist sich der Geschäftsführer jedoch sicher, steht die Branche vor einer guten Zukunft.

Verpackungspapiere etwa würden stark nachgefragt, da es immer mehr Haushalte gebe, so Grünewald, der noch ein anderes Beispiel anführt: Nicht nur die EU versucht, den Verkauf von Plastiktüten, die vielfach in den Meeren landen, zu reduzieren, in einigen Ländern sind sie sogar schon verboten. Dadurch wachse der Bedarf an Papiertragetaschen – an der Produktion sind Unternehmen wie Grünewald mit ihren Rohpapieren vielfach beteiligt.

Zum Portfolio des Unternehmens gehören zudem Rohpapiere für Wachspapiere, Kaschierungen, Versandtaschen oder Krepppapier. Damit dieses Papier seinen Ansprüchen genügt und den Kunden zufriedenstellt, haben Julian Kaiser und Jannik Kampmann ein wachsames Auge auf „ihre“ Maschine.

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