Interview der Woche

Attendorner Felix Hasenau: „Anerkennung ein schönes Gefühl“

Felix Hasenau aus Attendorn stellt sich als freiwilliger Helfer für die Europawahl zur Verfügung

Felix Hasenau aus Attendorn stellt sich als freiwilliger Helfer für die Europawahl zur Verfügung

Foto: Flemming Krause

Attendorn/Kreis Olpe.   Der 20-jährige Student wird bei der Europawahl am 26. Mai als freiwilliger Helfer Stimmzettel auszählen. Er spricht von einer Schicksalswahl.

Dass die ehrenamtlichen Helfer für die Europawahl am 26. Mai nicht vom Himmel fallen, zeigt das Beispiel Attendorn. Die Stadt hat rund 60 ihrer Mitarbeiter dazu verpflichtet, nächste Woche Sonntag beim Wahlgang mitzuhelfen. Insgesamt braucht es rund 170 Personen, die für einen reibungslosen Ablauf in den 19 Wahllokalen im Stadtgebiet und in den sechs Briefwahlvorständen im Rathaus sorgen. Klar ist: Ganz ohne freiwillige Helfer geht das aber nicht. Einer von diesen Freiwilligen ist Felix Hasenau, der sich trotzt seiner erst 20 Jahre bereits zum dritten Mal als Wahlhelfer zur Verfügung stellt. Wir haben mit dem Attendorner über seine Beweggründe und über seine Vorstellungen von Europa gesprochen.

Wieso haben Sie sich als freiwilliger Wahlhelfer gemeldet?

Felix Hasenau: Ich habe mich schon vor einigen Jahren politisiert und damit angefangen, mir meine eigene Meinung zu bilden. Aus Gründen, die ich ehrlicherweise gar nicht benennen kann, fand ich den Vorgang der Wahl schon damals ganz spannend. Ich habe bei der Stadtverwaltung meine Bereitschaft signalisiert, bei Wahlen helfen zu wollen, jedoch die Antwort bekommen, dass ich mit meinen damals 15 Jahren noch nicht wahlberechtigt sei und deshalb auch nicht als Wahlhelfer mitmachen kann. Doch die Stadt hat mich nicht vergessen und mich vor der Landtagswahl 2017 angeschrieben. Damit wurde ich erstmals in einen Wahlvorstand berufen.

Wie sieht Ihr Tag als Wahlhelfer
am 26. Mai aus?

Um 8 Uhr öffnen wir die Lokale, wir treffen uns jedoch so gegen halb acht Uhr. Das sorgt dafür, dass man mal eben den Wecker kaputt schlagen könnte, wenn er um 6 Uhr klingelt (lacht). Wir sortieren dann zunächst die Wahlzettel und teilen die Wahlvorstände ein. Wir sind mehrere Leute in einem Wahllokal und arbeiten im Zweischichtbetrieb. Eine Schicht dauert von acht bis zwölf Uhr, die andere bis 18 Uhr. Dann wird es nochmal spannend. Wir schließen tatsächlich einmal kurz die Tür, um zu symbolisieren, dass die Wahl vorbei ist. Danach geht‘s an die Auszählung der Stimmzettel. Nach der Auszählung packen wir verschiedene Stapel zusammen, sortiert nach den Parteien. Wenn alles gut läuft, ist der Tag für uns zwischen 19 und 19.30 Uhr beendet.

Das klingt nach einer zähen
Prozedur, oder nicht?

Ja, das kann es sein. Vor allem, wenn wir im Team Stimmen doppelt ausgezählt haben. Da kann es schon mal zu Komplikationen kommen. Grundsätzlich ist diese Stimmauszählung aber spannend, denn irgendwann bekommen wir die erste Hochrechnungen mit und können dann schauen, ob diese sich mit den Ergebnissen aus unserem Wahllokal überschneiden – oder vielleicht etwas abweichen.

Wann ist ein Wahlzettel
eigentlich ungültig?

Das Hauptkriterium ist, dass der Wählerwille klar erkennbar sein muss. Natürlich ist der Zettel ungültig, wenn in einer Spalte mehrere Parteien angekreuzt werden. Was häufiger passiert, ist, dass alle anderen Parteien durchgestrichen werden, außer die Partei, die man wählen will. Das geht natürlich nicht.

Welchen Appell richten Sie an junge Leute, sich als Wahlhelfer zu melden?

Mitmachen! Es macht wirklich Spaß und ist sehr spannend. Wie ich gerade schon sagte: Wir können im Wahllokal sehr genau nachvollziehen, ob unsere Ergebnisse sich mit denen der ersten Prognosen decken oder eben nicht. Das ist doch echt cool. Und ganz nebenbei bekommen wir eine kleine Aufwandsentschädigung, das ist sicherlich kein schlechtes Taschengeld für jüngere Leute.

Die Leute, die ins Wahllokal kommen, kennen Sie, denn Sie wohnen ja quasi direkt neben dem Wahllokal. Sind die Leute überrascht, Sie dort zu treffen?

Zu Beginn waren Freunde oder auch Nachbarn sicherlich überrascht, mich dort zu sehen. Dass so ein junger Kerl dort sitzt. Aber die Reaktionen waren durchweg positiv, keiner hat mich gefragt, ob ich an dem Sonntag nichts Besseres zu tun hätte. Ich habe das Gefühl, dass die meisten Leute anerkennen, dass ich mir die Zeit nehme. Diese Anerkennung ist ein schönes Gefühl. Wir sorgen immerhin dafür, dass die Wahl korrekt abläuft.

Die Suche nach Helfern gestaltet sich offensichtlich schwierig.
Woran liegt das?

Wahrscheinlich wissen einige Leute gar nicht, wie sie Wahlhelfer werden können. Ich habe jetzt noch eine WhatsApp-Nachricht von einem Freund bekommen, der wohnt in Heidelberg und er fragte mich, wie ich denn Wahlhelfer geworden bin. Er hat auch Interesse daran. Wahrscheinlich denken viele Menschen: Es ist schade, dass es so wenige Wahlhelfer gibt, aber ich muss es jetzt auch nicht unbedingt machen. Dabei ist der Aufwand gar nicht so groß. Für mich ist es auch eine Selbstverständlichkeit. Ich übernehme gerne Verantwortung. Ich bin der Meinung, dass wir Bürger, auch wir jüngeren, die Verpflichtung haben, bei den Wahlen zu helfen, denn ohne uns würde es einfach nicht gehen.

Wie wichtig ist Ihnen
ehrenamtliches Engagement?

Es gab in der Vergangenheit immer wieder Situationen, die gezeigt haben, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist. Zum Beispiel, wenn ich an 2015 zurückdenke und daran, wie viele Ehrenamtler in den Flüchtlingserstaufnahmestellen geholfen haben. Ohne dieses Engagement wäre das System komplett kollabiert. Für mich persönlich hat es einen großen Stellenwert. Ich bin parteipolitisch engagiert und denke, dass jeder sich einbringen sollte, um die Gesellschaft mitzugestalten.

Wie stellen Sie sich Ihr Europa
der Zukunft vor?

Die Europawahl ist eine Schicksalswahl. Europa muss sich entscheiden zwischen europäischer Integration, wie wir sie die vergangenen 50 Jahre erleben durften, oder der Rückkehr in den Nationalismus des 19 Jahrhunderts. Ich bin mit der Europäischen Union aufgewachsen und mir liegt viel daran, dass der europäische Integrationsprozess weiter vertieft wird. Mein Europa der Zukunft ist ein deutlich europäischeres Europa als heute. Ich denke, wir müssen die EU als das herausstellen, was es ist: nämlich eine Wertegemeinschaft. Eben etwas, dass uns in den vergangenen 70 Jahren Frieden gebracht hat.

Steht uns ein erneuter Rechtsruck
in der EU bevor?

Ich sehe schon in vielen Ländern, auch in unseren Nachbarländern, eine Bedrohung. Ich glaube, wenn die Rechtspopulisten gestärkt aus dieser Wahl hervorgehen, dass wir dann in Europa einen Kampf um das Grundsätzliche ausfechten werden. Ich hoffe es nicht.

Inwieweit profitieren Sie schon
heute von der EU?

Allein, wenn wir in den Urlaub fahren, sehen wir doch, wie wir von der EU profitieren. Man kann mal eben nach Holland ohne Grenzkontrollen fahren. Diese Freizügigkeit macht Europa aus.

Werden Sie nächstes Jahr bei den Kommunalwahlen wieder als Helfer vor Ort sein?

Auf jeden Fall.

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