Wassersport

Attendorn: Vom Hallenbad in offene Gewässer

Bevor es für die Jüngsten des Yacht- und Ruderclubs aufs Wasser geht, lernen sie im Hallenbad Attendorn was zu tun ist, wenn sie kentern.

Bevor es für die Jüngsten des Yacht- und Ruderclubs aufs Wasser geht, lernen sie im Hallenbad Attendorn was zu tun ist, wenn sie kentern.

Foto: Andreas Beul

Attendorn.   Der Yacht- und Ruderclub steckt in den Vorbereitungen für die neue Saison. Beim Segeltraining für den Nachwuchs sind noch einige Plätze frei

Fußball, Handball oder Tennis – das sind wohl die Standardantworten auf die Frage, welchen Sport Jugendliche in ihrer Freizeit betreiben. Für diejenigen, die mal etwas anderes ausprobieren wollen, könnte der Yacht- und Ruderclub Attendorn der richtige „Anlaufhafen“ sein: „Kinder und Jugendliche lernen bei uns auf verschiedenen Bootsklassen das Segeln“, sagt Andreas Beul, Jugendwart des Vereins. Der Yacht- und Ruderclub steckt derzeit mitten in den Vorbereitungen für die neue Saison. Das Segeltraining kann losgehen – die Leinen der Boote sind quasi schon gelöst. Was aber noch fehlt, sind einige Teilnehmer, die sich entschließen gegen „den Strom zu schwimmen“, und eben nicht gegen einen Ball zu treten oder den Schläger zu schwingen.

Keine elitäre Sportart

Das beim Segeltraining noch Plätze frei sind, sei „ein absolutes Novum“, betont Jugendwart Andreas Beul. Die jüngsten Seemänner und Seefrauen würden in den Segelsport hineingeboren: „Die Eltern oder sogar die Großeltern sind bei uns Mitglieder.“ Diesmal fehlt aber der eine oder andere Matrose. Beul meint den Grund dafür ausfindig gemacht zu haben: „Beim Segeln ist es nicht so, dass Kinder oder Jugendliche von allein zum Probetraining kommen. Wie etwa beim Fußball.“ Wahrscheinlich läge es daran, dass das Segeln immer noch im Verruf stehe „elitär und teuer zu sein“, so Beul. Dies sei aber gar nicht der Fall, denn die benötigten Boote würden vom Verein bereitgestellt werden – für 55 Euro im Jahr.

Für eine Rettungsweste, einen Neoprenanzug und ein Paar Handschuhe kämen einmalig noch mal 100 Euro oben drauf: „So viel kosten auch ein professioneller Tennisschläger oder gute Fußballschuhe“, sagt Andreas Beul. Doch leider sei Segeln in der Region immer noch kein Breitensport, und das, obwohl „wir den See vor der Haustür haben“, merkt Beul an.

Das Training für die Nachwuchs-Seefahrer findet an sieben Wochenenden von Mai bis September statt. Den Auftakt bildet immer das Kenter-Training im Attendorner Hallenbad. „Bei dem Training lernen die Teilnehmer wie sie sich verhalten, wenn das Boot kentert“, erklärt Andreas Beul. Spielerisch werde ihnen gezeigt, wie sie unter dem gedrehten Boot atmen können, wie sie es wieder aufrichten und mit einer Rettungsweste hineinklettern – und das sei gar nicht so simpel, so Beul.

Nicht wie beim Fahrradfahren

Der Yacht- und Ruderclub versucht den Kindern stetig ein hohes Maß an Sicherheit zu vermitteln. Dennoch kommt es vor, dass manche merken, dass die Sportart nichts für sie ist – vor allem wenn es auf das offene Gewässer geht: „Läuft da etwas schief, sind die Kinder zunächst auf sich alleine gestellt.“, sagt der Jugendwart.

Viele überfordere die Situation, denn „das ist nicht wie beim Fahrradfahren, dass jemand kommt und dir direkt hilft, wenn du hinfällst“, betont Andreas Beul. Die Sicherheit der jungen Teilnehmer hat deshalb oberste Priorität. Sowohl die Trainer als auch die DLRG seien immer mit Begleitboten auf dem Wasser dabei.

Zwei Bootsklassen stehen beim Yacht- und Ruderclub bereit, um hinaus aufs Wasser zu fahren: „Das sind der Optimist und der 420er“, erklärt Beul. Auf Ersterem lernen die Anfänger das Segeln – dies sei dafür prädestiniert. „Das ist ein sehr einfach zu bedienendes Boot. Es hat einen graden Boden und liegt dadurch stabil auf dem Wasser“, führt er fort. Das Einpersonenschiff sei zudem einfach zu bedienen. Für die Fortgeschrittenen, die drei Jahre auf dem Optimisten geschwommen sind, steht das 420er bereit. Der Name leitet sich von der Länge des Bootes ab – 4,20 Meter. Es handelt sich dabei um eine „zwei Mann Joke“ – es wird also von zwei Personen gesteuert.

„Das ist super Teambuilding“, weiß Andreas Beul. Beherrschen die Jugendlichen das 420er, dann „können sie auch jedes andere segeln, das an der Bigge liegt.“

Das gängige Einstiegsalter beim Yacht- und Ruderclub ist sieben Jahre. Die Grenzen seien aber fließend: „Wichtig ist, dass die Kinder sicher schwimmen und lesen können“, erklärt Beul. Ist dies der Fall, heißt es für die Jüngsten Anker lichten: Die Kinder- und Jugendlichen erwarten eine Flut an aufregenden Dingen: Wenden und Halsen (Manöver), Knoten, Vorfahrtsregeln, sogar neue Wörter aus der Seemansprache. Da bleibt wohl nur eines zu sagen: Ahoi.

Ein halbes Leben auf dem Segelboot

Kathrin Stoel segelt seit ihrem achten Lebensjahr beim Yacht- und Ruderclub Attendorn. „Ich wurde da quasi reingeboren“, erklärt die 16-Jährige. Ihr Vater segelt aktiv beim Verein mit. „Und meine Mutter mittlerweile auch“, fügt sie hinzu.

Zusammen mit einer Freundin hat Kathrin vor rund acht Jahren auf dem Optimisten angefangen: „Zum ersten Mal alleine auf dem Wasser – da ist man natürlich nervös“, sagt sie. Die Aufregung hätte sich aber schnell gelegt, denn „wir wurden mit der Theorie gut vorbereitet.“

Mittlerweile ist das „Anfänger-Boot“ dem für Fortgeschrittene gewichen – dem 420er. „Wir absolvieren damit unsere Trainings und nehmen sogar an Regatten teil“, sagt sie. Und nicht nur das: das Boot gehört dem Yacht und Ruderclub, aber die Jugendlichen dürfen es auch ihn ihrer Freizeit nutzen. „Wir fahren in den Sommerferien mit Freunden aufs Wasser“, sagt Katrin Stoel. Um ihre Sicherheit macht sie sich dabei keine Sorgen. Das Schlimmste, was passieren könne, sei den Baum vor den Kopf zu bekommen (horizontale Komponente, die schwingt und an der das Segel befestigt ist).

Am Segeln gefallen Kathrin mehrere Dinge: „Die aktive Freizeitgestaltung auf dem Wasser und das Miteinader. Besonders wenn wir auf dem 420er segeln“, sagt sie. Das „Wir-Gefühl“ gehe über das Wasser und die Clubmitgliedschaft hinaus: „Die Vereinsmitglieder werden nach kurzer Zeit zu wahren Freunden.“

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