Messe

Attendorn: Plattdeutsche Sprache soll nicht verloren gehen

Aufnahme an historischer Stelle: Dieses Bild zeigt Klaus-Walter Hoberg (links) und Dieter Auert. In der Mitte die Bronzetafel mit dem Konterfei des Attendorner Heimatdichter Johannes Schulte.

Foto: Meinolf Lüttecke

Aufnahme an historischer Stelle: Dieses Bild zeigt Klaus-Walter Hoberg (links) und Dieter Auert. In der Mitte die Bronzetafel mit dem Konterfei des Attendorner Heimatdichter Johannes Schulte. Foto: Meinolf Lüttecke

Attendorn.   Pfingstmontag findet vor der Kapelle in Attendorn eine plattdeutsche Messe statt. Ein besonderer Tag für Klaus-Walter Hoberg und Dieter Auert.

Pfingstmontag ist es wieder soweit: Vor der Wallfahrtskapelle Waldenburg beginnt um 9 Uhr die plattdeutsche Messe „plattdütske Misse“. Zelebrant ist Dechant Andreas Neuser, die Beiträge übernehmen die der plattdeutschen Sprache mächtigen Mitglieder des Plattdeutschen Kreises.

Die Initiatoren

Es ist genau 40 Jahre her, dass die Initiatoren Klaus-Walter Hoberg und Dieter Auert diese Gemeinschaft zum Erhalt der plattdeutschen Muttersprache ins Leben gerufen haben. Alles fing an bei einem Dämmerschoppen im damaligen „Jägerhaus“. In der Attendorner Traditionsgaststätte war Auert in den Jahren 1968 bis 1978 Gastwirt, und Jung und Alt kamen wegen der bürgerfreundlichen Art gerne zu ihm. An diesem Abend hörten Hoberg und Auert wieder einmal voller Bewunderung „den Alten“ zu, wie sie sich in plattdeutscher Sprache unterhielten. Hoberg sprach sein Bedauern aus, dass das Plattdeutsche nur noch von „den Alten“ gesprochen wird und meinte zu Dieter Auert: „Da müssen wir dran drehen.“ So entstand die Idee, einen plattdeutschen Arbeitskreis zu gründen.

Es wurden gleich Pläne geschmiedet und Auert sagte: „Wir müssen vor allem die Alten mit ins Boot nehmen.“ Diese waren begeistert und sagten oft spontan zu, ihren plattdeutschen Erfahrungsschatz zu öffnen. Aus der Gründerzeit vor 40 Jahren waren dies die Zwillinge Toni und Otto Schulte und Maria Schmidt, alle drei sind Kinder des Heimatdichters Johannes Schulte. Maria Schmidt lebt heute 100-jährig im Seniorenzentrum St. Liborius. Weitere Experten in Sachen plattdeutsche Sprache waren „Ede“ Prentler, Ernst Maiworm, Otto Hellner, Lehrer Erich Schneider aus Ennest, Anna Bock von der Mühlhardt, Franziska Schwane aus Bürberg, Josefine Wagener-Zeppenfeld, Toni Teipel, Franz Bruse, Josef Kampschulte, Hubert Wacker und Josef Stuff.

Die erste Zusammenkunft

Der erste plattdeutsche Abend war am 12. Januar 1978 im Gründungslokal „Jägerhaus“. Dann ging es Schlag auf Schlag: Nach der gelungenen Erstveranstaltung folgten weitere Treffen im Gasthaus „Zum Löwen“, in der „Stadtschänke“, nochmal im „Jägerhaus“ (Abschiedsfeier wegen Schließung) und im Hotel zur Post. Zum Andenken an den Attendorner Heimatdichter Johannes Schulte wurde an seinem Haus in der Ennester Straße, heute ist dort eine Gaststätte untergebracht, 1979 eine Gedenktafel angebracht. Diesen Bronzeguss stiftete die Sparkasse Attendorn dem Verein für Orts- und Heimatkunde.

Danach fand im Hotel zur Post ein „Johannes-Schulte-Abend“ statt, zu dem der plattdeutsche Kreis einlud. Die erste plattdeutsche Messe fand im November 1980 im Sauerländer Dom statt. Als Zelebranten hatte man den wortgewaltigen Propst Anton Dünnebacke aus Brilon gewinnen können. Damals schrieb die Lokaljournalistin Gunhilde Lüttecke in dieser Zeitung: „Die Sprache war zwar alt, doch die Probleme, zu denen Dünnebacke in der Predigt Stellung nahm, waren hochaktuell.“ Wenn Ausdrücke wie „Schmandfurterie“ oder „moralische Schiete“ zu hören waren, wurden Missstände in markanter Weise verdeutlicht. Der MGV „Sauerlandia“ sorgte bei den Kirchenbesuchern mit der Uraufführung „Summermuarren imme Biärge“ für eine musikalische Note.

Die Fortführung

Diese Messe war der Auftakt für die plattdeutschen Messen, die später am Pfingstmontag und am Tag der deutschen Einheit, zuerst am 17. Juni und nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober, in Waldenburg gefeiert wurden. Ende 2018 ist nun ein plattdeutscher Abend in Zusammenarbeit mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde geplant. Schon verraten sei, dass als Schmankerl ein Film aus dem Jahre 1978, vom ersten plattdeutschen Abend, gezeigt wird.

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