Stammzellenspende

Attendorn: Jedes Jahr gibt es Blumen zum „2. Geburtstag“

Ruth Teipel, hier vor dem Sauerländer Dom in Attendorn, hat vor Jahren mit einer Stammzellenspende einer Frau aus Iserlohn das Leben gerettet.

Ruth Teipel, hier vor dem Sauerländer Dom in Attendorn, hat vor Jahren mit einer Stammzellenspende einer Frau aus Iserlohn das Leben gerettet.

Foto: Flemming Krause

Attendorn.   Attendornerin Ruth Teipel spendete Stammzellen für an Blutkrebs erkrankte Iserlohnerin. Ihr Appell: Sich registrieren lassen und helfen.

Ohne die Bereitschaft von Ruth Teipel würde die Frau aus Iserlohn heute nicht mehr leben. Die gebürtige Attendornerin, die in Ennest lebt, hat mit ihrer Stammzellenspende bei der DKMS einer an Blutkrebs erkrankten Iserlohnerin das Leben gerettet.

„Darauf bin ich auch ein bisschen stolz“, erzählt die gelernte Einzelhandelskauffrau im Gespräch mit dieser Redaktion. Ihr Appell: Nicht lange überlegen, sich registrieren lassen und wenn es tatsächlich soweit kommt: spenden. „Es kann jeden treffen, auch mich, meine Familie, meine Verwandten. Die Betroffenen sind doch heilfroh, wenn sie eine Chance bekommen, gerettet zu werden.“ Wie beispielsweise die erst 16-jährige Ramona Friesen aus Attendorn, die an Leukämie erkrankt ist und für die am 4. Juni eine große Registrierungsaktion an der Hanseschule stattfinden wird (wir berichteten).

Wie wichtig allein schon eine Registrierung sein kann, zeigen die nackten Zahlen. Dank bereitwilliger Spender, die ihre Stammzellen zur Verfügung stellen, können laut Bettina Steinbauer von der gemeinnützigen Organisation, also von der DKMS, täglich im Schnitt 20 Transplantationen weltweit durchgeführt werden.

„Die Menschen machen wirklich etwas Sinnvolles, über kurz oder lang können sie Leben retten“, betont sie. In Deutschland gibt es laut aktueller Zahlen der DKMS mehr als sechs Millionen registrierte Stammzellenspender, von denen mehr als 77.000 tatsächlich auch zur Spende gebeten wurden. „Das sind mehr als 77.000 zweite Lebenschancen“, bringt es Steinbauer auf den Punkt. Eine dieser „Helferinnen“ ist Ruth Teipel.

Sofort zum Hausarzt

Vor mehr als zehn Jahren nahm sie an einer Registrierungsaktion am Kölner Tor in Attendorn teil. „Das lief ähnlich wie beim Blutspenden ab“, erinnert sie sich. Es vergingen drei, vielleicht sogar vier Jahre, in denen nichts weiter passiert.

Bis die Ennesterin plötzlich Post bekam. Mit dem Hinweis, sie käme als Spenderin in Frage. „Ich bin dann sofort zum Hausarzt gegangen und habe mir Blut abnehmen lassen. Es musste nochmal geprüft werden, ob ich auch tatsächlich geeignet bin.“ Sie war es. Im Sommer 2011 war es dann soweit. Sie fuhr nach Köln zur DKMS, um sich die Stammzellen entnehmen zu lassen. Ein Klacks für die heute 63-Jährige. „Ich habe dort mehr oder weniger in einem bequemen Sessel gehockt, in beiden Armen eine Kanüle. Auf der einen Seite wurde mir das Blut entnommen, dann wurden die Stammzellen herausgefiltert und im anderen Arm bekam ich das Blut wieder zugeführt“, erinnert sich Ruth Teipel an den Ablauf. Sie sagt: „Die Zeit verging wie im Flug.“ Am Abend unternahm die Attendornerin sogar noch einen kleinen Bummel durch Köln, ehe sie erschöpft in einem Hotel ins Bett fiel und am nächsten Morgen wieder die Heimreise antrat.

Es dauerte weitere zwei Jahre, ehe Teipel erfuhr, wem sie mit ihrer Spende geholfen hatte. Dass es eine Frau aus der unmittelbaren Nähe und nicht aus Übersee war, damit hatte die Ennesterin auch nicht gerechnet.

Obwohl das keine große Rolle spielt, denn Ruth Teipel wäre auch glücklich gewesen, einer Afrikanerin oder einem Amerikaner zu helfen. „Die Nationalität oder das Alter spielen keine Rolle“, sagt sie.

Jakobsweg gepilgert

Die Spenderin aus Attendorn und die Empfängerin aus Iserlohn stehen noch heute in Kontakt. „Ich bekomme immer Blumen zu ihrem zweiten Geburtstag“, erzählt Teipel und ergänzt, sie wiederum würde jedes Jahr zu Ostern den traditionellen Kümmelsemmel schicken.

Die Frau, berichtet Ruth Teipel freudestrahlend, sei wieder vollends gesundet. „Sie ist sogar den Jakobsweg gepilgert.“ Auch, oder vor allem dank Ruth Teipel.

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