Soziales

Altenkleusheim: Holger Wagner läuft Marathon für guten Zweck

Holger Wagner (rechts) ist zusammen mit Christian Arens den Köln Marathon gelaufen. Oder zumindest eine eigene Version des sportlichen Großereignisses.

Holger Wagner (rechts) ist zusammen mit Christian Arens den Köln Marathon gelaufen. Oder zumindest eine eigene Version des sportlichen Großereignisses.

Foto: Privat

Altenkleusheim.  Holger Wagner ist den Köln Marathon gelaufen. Zwar wurde dieser abgesagt, er hat sich trotzdem auf den Weg gemacht. Und zwar für den guten Zweck.

Es war seit langer Zeit geplant. Einmal wollte Holger Wagner aus Altenkleusheim den Köln-Marathon laufen. Einmal mit den anderen Läufern die 42 Kilometer meistern. Einmal jubelnd das Ziel erreichen. Doch irgendwie kam jedes Mal etwas dazwischen. Und das seit sechs Jahren. „Das war wie ein Fluch“, erzählt er und schmunzelt. Und als dann das sportliche Großereignis aufgrund der Corona-Pandemie auch noch abgesagt wurde, wollte er sich nicht geschlagen geben. Nicht nach dem ganzen Training. Kurzerhand läuft er seinen eigenen Marathon. Und zwar für den guten Zweck.

Plötzlich schwarz vor Augen

Holger Wagner ist 42 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau Regina, seinen Söhnen Jonas (11), Mattis (6) und seiner Tochter Lucie (9) in Altenkleusheim. Früher hat er ein paar Jahre in Köln gelebt. So ist auch die Idee entstanden, beim dortigen Marathon mitzulaufen. Das erste Mal hatte der Sozialarbeiter, der an der Bigge-Lenne Gesamtschule Finnentrop arbeitet, 2014 den Plan. Alles war geregelt. Und er war in Top-Form. Aber dann kam Sohn Mattis einen Tag vorher zur Welt. Eigentlich kein Drama. Schließlich ist es für ihn schon die dritte Geburt. Der Vater kollabiert trotzdem. „Mir wurde plötzlich schwarz vor Augen und dann ich umgekippt“, erzählt er. „Ich habe nur noch meinen Sohn, den ich auf dem Arm hatte, auf die Wickelkommode gelegt. Dann weiß ich nichts mehr.“ Aufgrund von Verletzungen im Gesicht war für ihn der Köln-Marathon erstmal Geschichte. Immerhin: Vier Wochen nach der Geburt ist er beim Marathon in Frankfurt mitgelaufen – aber seinen Plan wollte er nicht aufgeben.

Also hat er es wieder versucht. Und zwar direkt im nächsten Jahr. Wieder wird fleißig trainiert. Doch als dann das Ziel näher rückt, wird er krank. Eine schwere Virusinfektion setzt ihn außer Gefecht. Und das für drei Monate. Aber gut. Kann ja mal passieren. Nächstes Jahr wird es klappen. Doch auch 2016 wird er kurz vor dem Marathon schwer krank. „Langsam habe ich mir gedacht, irgendwie soll es einfach nicht sein“, erzählt Holger Wagner. „Aber ich hatte mir das eben in den Kopf gesetzt.“ 2018 will er es wieder versuchen. Aber aufgrund des Todes seines Vaters fehlte ihm jegliche Trainingsmotivation.

2020 sollte dann sein Jahr werden. Schließlich ist das auch das Jahr seines 42. Geburtstages. Und die Strecke beim Köln-Marathon hat 42 Kilometer. Das passt doch. Also steigt er wieder ins Training ein, läuft 60 bis 70 Kilometer in der Woche rund um den Biggesee. Was sollte jetzt noch schief gehen? Wer rechnet schon mit einer Virus-Pandemie? „Dann wurde der Fluch global“, scherzt Holger Wagner. Jedenfalls musste das Sportereignis abgesagt werden. Aber Florian Wagner will trotzdem laufen und entwickelt die Idee eines Spendenlaufes. Also lässt er sich von 60 Freunden, Familie und Arbeitskollegen pro Kilometer bezahlen. Auch der Malerfachbetrieb Hanses aus Altenkleusheim unterstützt ihn.

Sieben Runden gelaufen

Insgesamt 3300 Euro sind zusammengekommen, die er an den Deutschen Kinderhospizverein e. V. und an Cura (Fonds für die Opfer von rechter Gewalt) spendet. Die gleiche Strecke des Köln-Marathons ist er übrigens nicht gelaufen. Zusammen mit seinem Freund und Mitläufer Christian Arens und unter Begleitung von Daniel Baethcke auf dem Fahrrad ist er sieben Runden um den Decksteiner Weiher gelaufen. Drei Stunden und 55 Minuten hat das Trio dafür gebraucht. „Damit ist der Fluch gebrochen“, sagt er. „Ich will aber nicht ausschließen, dass ich irgendwann noch den offiziellen Köln-Marathon mitlaufe.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben