Interview

80 Hosentaschentipps für Stress-Situationen aller Art

Katrin Arens aus Attendorn hat einen Aufsteller mit 80 Hosentaschentipps entworfen.

Katrin Arens aus Attendorn hat einen Aufsteller mit 80 Hosentaschentipps entworfen.

Foto: Verena Hallermann / WP

Attendorn.  Katrin Arens ist Soulworkerin. Was das genau ist und was es mit ihren Hosentaschentipps auf sich hat, sagt sie im Interview.

Heute lasse ich alle Fünfe gerade sein. Nach der Arbeit gehe ich zum Sport. Heute nehme ich mir vor, meine privaten und beruflichen Mitstreiter zu loben. Diese (Vor)Sätze stammen von Katrin Arens. Die 43-jährige Attendornerin ist seit 2017 Soulworkerin, also freiberufliche Beraterin in der betrieblichen Gesundheitsfürsorge. Sie beschäftigt sich tagtäglich mit der Stressbewältigung und entsprechenden Vorsorgemaßnahmen im Arbeitsalltag. Oder anders ausgedrückt: Sie versucht ihren Kunden, egal ob Mitarbeiter eines Unternehmens oder Privatpersonen, eine mentale und psychische Ausgeglichenheit zu vermitteln. Um möglichst positiv durch den Tag zu gehen. Ihre Ideen hat die verheiratete Mutter zweier Töchter nun verschriftlicht und 80 Hosentaschentipps als Aufsteller für den Schreibtisch zusammengetragen. Wie die drei Genannten am Anfang. Wir haben mit der gelernten Sozialarbeiterin über ihr erst vor wenigen Tagen veröffentlichtes Werk gesprochen.

Frage: Wie sind die Hosentaschentipps entstanden?

Katrin Arens: Viele meiner Kunden, mit denen ich Workshops oder auch Einzelcoachings mache, baten mich darum, das, was ich ihnen mit an die Hand gebe, zu verschriftlichen. Diese ganzen Tipps und Tricks. Das habe ich nun getan. Mein Aufsteller ist im Grunde genommen innerhalb von drei Tagen entstanden.

Welchen Zweck sollen diese Hosentaschentipps erfüllen?

Sie regen zur Achtsamkeit an, zu kleinen Pausen im Acht-Stunden-Arbeitsalltag, zu ausreichendem Trinken, zur Bewegung, zum Sport und zu allem, was dazu beiträgt, ein bisschen herunter zu kommen. Das sind übrigens alles präventive Ratschläge. Wer diesen Aufsteller besitzt, kann ihn jeden Tag weiterblättern, sich den jeweiligen Tipp zu Herzen nehmen und versuchen, ihn an diesem Tag umzusetzen. Natürlich sind auch immer mal wieder Ratschläge dabei, die auf den Einzelnen gar nicht passen, dann können sie einfach einen Tipp weiterblättern. Das macht den Aufsteller aus.

Was sind Ihre Top-Drei-Tipps?

Erstens: Wir sollten mehr wahrnehmen und wertschätzen. Denn jeder Mensch, der wertgeschätzt wird, wächst über sich hinaus. Zweitens: Dankbar sein. Lasst uns diese Mecker-Mentalität ablegen und nicht immer nur darüber nörgeln, was uns alles fehlt im Leben, sondern den Fokus auf das richten, was wir schon haben. Und drittens empfehle ich dringend Atemtraining in der Stresssituation, beispielsweise vor wichtigen Terminen. Dabei spricht nichts dagegen, auch offen zu kommunizieren, dass man gerade Stress hat, das schafft sogar Akzeptanz.

In wieweit sind die Hosentaschentipps ein Abbild Ihrer beruflichen Erfahrungen?

Sie sind schon eine Summe meiner beruflichen Tätigkeiten. In meinen zehn Jahren als Schulsozialarbeiterin habe ich beispielsweise immer wieder erkennen können, dass die Schüler nur dann gut arbeiten, wenn es ihnen gut geht. Wenn sie Sorgen und Nöte haben, dann können sie den Vokabeltest nicht mit einer guten Note bestehen. Genauso ist es bei den Erwachsenen. Es wird heute viel Leistung erwartet und man muss funktionieren, an der Stempeluhr am beste besagte Sorgen und Nöte zuhause lassen. Zum Glück gibt es immer mehr Arbeitgeber, die sich der betrieblichen Gesundheitsvorsorge widmen. Genau darauf habe ich mich in den vergangenen beiden Jahren spezialisiert. Es ist einfach ein wichtiges Thema. Je mehr Fürsorge für den Mitarbeiter, desto besser geht es ihm und so effizienter kann er sich im Unternehmen einbringen.

Wer ist Zielgruppe Ihrer Hosentaschentipps?

Zum einen die Privatperson und dann die Mitarbeiter der Unternehmen. Mein Ziel ist, dass er an möglichst vielen Schreibtischen seinen Platz findet. Nicht, weil ich dadurch reich werde, sondern weil ich davon überzeugt bin. Wenn man achtsam ist und für sich sorgst, bleibt man gesund.

Können Sie überhaupt Erfolge messen?

Das ist nicht messbar. Ich kann nur Angebote machen und jeder meiner Kunden muss dann für sich entscheiden, ob und wie weit er diese annimmt. Ausschließlich durch Feedback-Gespräche habe ich die Chance, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob meine Arbeit Früchte trägt.

Warum sind es 80 Tipps geworden?

Mir fielen mehr nicht ein (grinst). Ich habe übrigens hochgerechnet, dass der Arbeitnehmer jeden Tipp, wenn man Krankheitstage, Wochenenden und Urlaube abzieht, etwa 2,5 Mal im Büro pro Jahr nutzen kann.

Wie nehmen Sie das Thema Alltagsstress in Beruf und Privatleben wahr?

Es wird sehr viel erwartet. Anders herum erwarten viele Arbeitnehmer aber auch viel von ihren Arbeitgebern. Der Druck ist schon enorm hoch. Aber in dem Moment, in dem der Unternehmer seinem Mitarbeiter diesen Aufsteller gibt, sagt er ihm ja schon: Pass bitte auf dich auf. Nutze das. Gönne dir Pausen. Mach dir bewusst, wir wollen dich halten. Es wäre toll, wenn in jedem Unternehmen diese Einstellung der Führungskräfte vorherrschen würde. Wir müssen gegenseitig aufeinander achten.

Ist das jetzt nur der Anfang Ihrer Schriftsteller-Karriere?

Ja, das ist nur der Anfang, meine Birne platzt schon voller Ideen (lacht). Ich wollte schon immer mal ein Buch schreiben, hab nur leider keine Ahnung, wie es geht. Ich mache vieles aus dem Bauch heraus. Meine Idee ist aber schon, diese 80 Tipps zu verschriftlichen. Ich möchte erklären, was hinter meinen Tipps steckt. Ich werden nächstes Jahr auf jeden Fall zur Buchmesse nach Leipzig fahren. Vielleicht schon mit einem Skript...

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