Justiz

26-Jähriger soll Mädchen hinter Container vergewaltigt haben

Der Prozess vor dem Landgericht Siegen geht in zwei Wochen weiter.

Der Prozess vor dem Landgericht Siegen geht in zwei Wochen weiter.

Foto: Michael Kleinrensing

Kirchhundem/Siegen.   Ein 26-jähriger Mann muss sich vor dem Landgericht Siegen verantworten. Er soll eine 15-Jährige hinter einen Container gezerrt haben.

Die Beweislast gegen den 26-Jährigen wiegt schwer. Im Mai vergangenen Jahres soll er ein damals 15-jähriges Mädchen versucht haben hinter einem Container in einem Kirchhundemer Ortsteil zu vergewaltigen. Trotz heftiger Gegenwehr des Opfers kam es der Anklage zufolge zu mehreren sexuellen Handlungen des Angeklagten.

Seit dem 21. Februar wird der Fall vor der ersten Großen Strafkammer im Siegener Landgericht verhandelt. Schon zum Auftakt erklärt Verteidiger Andreas Trode, dass er nicht wisse, ob sein Mandant während der Hauptverhandlung eine Aussage machen werde. Am 12. März machte der Beschuldigte Gebrauch von seinem Aussageverweigerungsrecht. Das Opfer sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Detaillierte Textnachricht

Laut einer Textnachricht an ihren Freund, soll es sich wie folgt zugetragen haben: Dort schreibt sie, mit einer Freundin auf dem Weg nach Hause gewesen zu sein. Bis circa 19.15 Uhr habe sie mit ihr auf den Bus gewartet. Als sie sich verabschiedeten, soll sich das Opfer dazu entschieden haben, zu einem nahegelegenen Zigarettenautomaten zu gehen, um sich eine Karte für ihr Mobiltelefon zu ziehen. Auf dem Weg habe sie bemerkt, dass ihr jemand folgte. „Ich drehte mich um und sah, dass sich jemand im Busch versteckt. Und ich wusste genau, wer es war“, heißt es in der Textnachricht, die von der Richterin verlesen wurde. Der Täter habe das Mädchen schon öfter in der Stadt angemacht, heißt es weiter. Aus Angst soll die damals 15-Jährige verschiedene Personen angerufen haben, um sich abholen zu lassen. Jedoch ohne Erfolg.

Am Zigarettenautomaten habe sich der Täter ihr aufgedrängt. Auf die Frage, was er von ihr wolle, soll er gesagt haben, dass er sie liebe und forderte einen Kuss, den sie verweigerte. Anschließend soll er sie festgehalten und hinter einen Container gezogen haben. „Ich konnte nicht schreien, weil ich so unter Schock stand“, schreibt das Mädchen. Nachdem er sie mehrmals vergewaltigt und geschlagen haben soll, habe er ihr gedroht, sie umzubringen, sollte sie jemandem von dem Vorfall erzählen. „Und glaub mir, das wird er tun“, schrieb das Opfer ihrem Freund. Seit diesem Abend könne sie weder richtig essen noch schlafen.

Ihr Freund, der einzige Mensch, dem sie sich anvertraute, versuchte sie zu ermutigen, zur Polizei zu gehen und den Täter anzuzeigen. Als er merkte, dass jeder Überredungsversuch scheiterte, sah er keine andere Möglichkeit, als die Textnachricht drei Tage später ihren Eltern zu zeigen. „Als er vor ihr sagte, dass er das Geschehen uns nicht verheimlichen kann, fing sie an zu weinen“, erinnerte sich die 36-jährige Mutter. Doch auch ihre Eltern konnten ihr nicht die Angst davor nehmen, zur Polizei zu gehen. „Ich war erschüttert und traurig, dass ich meine Tochter nicht beschützen konnte und dass so viel Zeit vergangen war, bis wir es erfahren haben“, sagte der Vater.

Schwester auch angefasst worden

Die alles entscheidende Wende geschah, als eines Nachmittags die jüngere Schwester des Opfers nicht nach Hause kam. „Sie wollte ins Dorf, um ihre Cousine zu besuchen“, erzählte die Mutter. Als es immer später wurde, machte sich die 36-Jährige auf die Suche. Die Mutter fand ihre Tochter weinend auf dem Geländer einer Brücke sitzen. „Sie war total verstört und hat gar nicht realisiert, was zuvor passiert war und ist direkt in ihr Zimmer gegangen“, erinnerte sich auch der Vater. Später erzählte sie ihren Eltern, dass zwei Männer sie bedrängt und angefasst hatten.

Ihre ältere Schwester, die das Facebook-Profilbild des Täters als Screenshot auf dem Handy abgespeichert hatte, zeigte dieses ihrer Schwester, die bestätigte, dass der Mann auf dem Bild sie angefasst hatte. „Als sowas dann auch meiner anderen Tochter passiert ist, war endgültig Schluss“, erzählte die Mutter und ging mit ihren Töchtern zur Polizei, wo sie anschließend alleine verhört wurden.

Vor Gericht beschrieb der Vater seine Tochter als ein ganz normales 16-jähriges Mädchen, das viel Zeit mit ihren Freundinnen verbracht hat. Seit jenem Tag im Mai sei dies allerdings nicht mehr der Fall gewesen. „Sie ist oft abweisend und zickiger als sonst“, erzählte der Vater. Es falle ihm schwer, an sie heranzukommen und mit ihr über ihr traumatisches Erlebnis zu sprechen. Auch ein Nachmittag bei „Mädchen in Not“ sei erfolglos geblieben. Einer Psychotherapeutin wollte sie sich in ihrer ersten Sitzung nicht öffnen. Erst beim zweiten Mal, als ihre Eltern sie ermutigten, dass ein psychologisches Gutachten viel bewirke, ließ sie sich auf ein Gespräch ein. „Meine Tochter zieht sich immer weiter zurück, ist meistens Zuhause oder bei ihrem Freund. Alleine traut sie sich auch nicht mehr raus“, bedauerte der Vater.

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