Wohnen

Wieviel Wohnbebauung braucht Goch?

Neubauten wächst in Goch, auch an der Bahnhofstraße gegenüber der Nierswelle. Reicht das?

Neubauten wächst in Goch, auch an der Bahnhofstraße gegenüber der Nierswelle. Reicht das?

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Goch.  Gocher Bauausschuss diskutierte zwei Bauvorhaben – eines im möglichen Überschwemmungsgebiet und eines im Dorf Nierswalde.

Dass das Gebiet in Hülm gleich an der Autobahnauffahrt von einer landwirtschaftlichen Fläche nun zu einem 12.000 Quadratmeter großen Solar-Park werden soll, darüber herrschte im Gocher Bauausschuss kein Zweifel. Allein, ob man das Areal hinter Büschen möglichst verstecken solle oder nicht, war noch die Frage.

„Die Bürger müssen sehen, woher die Energie kommt“

Die BfG war erst dafür, Klaus-Dieter Nikutowski von der SPD aber meinte: „Die Bürger müssen sehen, woher die Energie kommt“. Die Stadt ist zufrieden, hier „einen wertvollen Beitrag zur Energiewende zu leisten“, sagte Stadtbaurat Dominik Bulinski. Die 1,2 Hektar für eine aufgeständerte Photovoltaik-Freiflächenanlage machen auch die Änderung des Flächennutzungsplanes erforderlich. Der stellt die Fläche noch als landwirtschaftliche dar. Künftig wird sie „Sonderbaufläche mit der Zweckbestimmung Solarenergie“.

Die Bestimmung Wohnraum möchte ein Investor gern aus der Ackerfläche am Düsternsteg machen – die offiziell noch als „Grünfläche / Dauerkleingärten“ eingestuft ist. Hierzu braucht es eine Stichstraße ab Gartenstraße. Auch da geht es um 1,2 ha, auf denen 22 Wohneinheiten entstehen sollen.

Ist das Überschwemmungsgebiet ein Problem?

Problem ist das im Flächennutzungsplan festgesetzte Überschwemmungsgebiet, in dem diese Einfamilienhäuser und zweigeschossige Doppelhäuser (westlich eingeschossig mit Staffelgeschoss) stünden. Der Bauausschuss hakte nach, was die Hochwassergefahrenkarte hier genau bedeute. „Das wirtschaftliche Risiko obliegt dem Eigentümer“, erklärte der Stadtbaurat. Der Grüne Hermann-Josef Brendieck hatte Bedenken: „Sind wir nicht in Amtshaftung?“ Laut Stadtbaurat werde bereits in die Unterlagen die Kenntnis über das Überflutungsgebiet hinein geschrieben. Der Niersverband habe in seinem hydraulischen Gutachten nun erstmals nicht nur den Oberlauf der Niers, sondern endlich auch den Bereich Goch im Modell berechnet, demnach sei es nicht gefährdet.

„Ich sehe nicht die Not an Baugrundstücken“

Ferdinand Heinemann, FDP, fragte nach, ob man sich damit nicht Retentionsraum für Hochwasserzeiten nehme. „Ich sehe nicht die Not an Baugrundstücken“, dass man ausgerechnet hier bauen müsse. Mit der Ringschließung werde der Ostring zur Hauptverkehrsader und „wir schaffen uns auch ein verkehrliches Risiko“, ahnte er. Auch Ludwig Kade, ZIG, befand: „Wir sollen überhaupt Baupläne an der Niers sein lassen“. So fiel noch kein Beschluss. Die Verwaltung wird die rechtliche Lage und Bedenken erst noch klären.

Neubauten für Nierswalde vorerst begrenzt

Schlicht abgelehnt wurde der Antrag, eine gewerbliche Halle auf versiegelter Fläche südlich der Bebauung Dorfstraße in Nierswalde abzureißen und durch Wohnbebauung zu ersetzen. Dafür gäbe es 5250 Quadratmeter Platz im 1000-köpfigen offiziellen „Dorfgebiet“. Aber die Nachbarschaft war schneller: Dort wird zurzeit ein Baugebiet mit etwa 15 Wohneinheiten entwickelt. „Zunächst ist abzuwarten, wie diese Flächen vermarktet werden“, riet die Verwaltung. Denn Planung von Wohnbauflächen in den kleinen Ortsteilen richte sich nach dem örtlichen Bedarf. „Sobald sich die Rahmenbedingungen ändern“, werde man auf den Antrag zurück kommen. Die CDU bat, das gesamte Gebiet einmal zu überplanen.

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