Forensik Bedburg-Hau

Sicherheitslage in der Forensik Bedburg-Hau wird überprüft

Forensik III, Haus 38, LVR-Klinik Bedburg-Hau: Hier fand der versuchte Ausbruch statt.  

Forensik III, Haus 38, LVR-Klinik Bedburg-Hau: Hier fand der versuchte Ausbruch statt.  

Foto: Klaus Schürmanns

Bedburg-Hau.   Nach dem misslungenen Ausbruchsversuch Forensik der LVR-Klinikin in Bedburg-Hau wartet die CDU nicht auf offizielle Antworten, sondern spitzt zu.

Wo keine Ängste sind, kann man welche schüren. CDU-Fraktionschefin Silke Gorissen stellte im Rat Bedburg-Hau einen Eilantrag, von Grünen unterstützt: Die Gemeinde solle vom Landschaftsverband Rheinland sofortige Antworten fordern: „Was trug sich zu“ am 24. und 25. November? Wie die NRZ sachlich berichtete, hatte ein Forensik-Inhaftierter einen Ausbruch versucht, indem er Eisenstäbe mit einem sägeähnlichen Gegenstand durchtrennte, und sechs Gleichgesinnte hatten am Tag darauf eine Beinahe-Gefangenenmeuterei angezettelt. Sie sollten separiert werden. Die Polizei hatte mit über 50 Einsatzkräften die Lage beruhigt. Das SEK war alarmiert, kam aber nicht zum Einsatz. Das Personal verließ die Station und überließ sie den Randalierern und ihren Scherben.

CDU Bedburg-Hau stellt kritische Fragen

Die CDU wartet nicht auf offizielle Antworten, sondern spitzt schon jetzt zu: Wie konnte es dazu kommen, „dass Patienten die Gewalt über eine Station erlangen konnten?“ Warum habe die Klinik „nicht aus eigener Kraft“ die Situation gelöst? Warum sei „so viel Polizei nötig“ gewesen und so weiter.

„Für mich ist das Agieren des Rates nicht unbedingt verständlich und nachvollziehbar“ sagt auf NRZ-Anfrage der Fachbereichsarzt Forensik, Dr. med. Jack Kreutz. „Natürlich“ werde nun die Sicherheitslage nochmals genau überprüft und wo nötig nachgebessert. „Wir können uns einiges noch nicht erklären.“ Die Ermittlungen laufen, wie ein Gegenstand eingeschmuggelt werden konnte. In der modernen Forensik I durchlaufen Besucher den Metalldetektorportal, im Altbau der Forensik III scannen Mitarbeiter per Hand-Detektor die Besucher. „Das ist zeitaufwändiger, aber das gleiche“, so Kreutz.

Keine konkrete Bedrohungslage

Er schildert, dass er selbst ab 13 Uhr am vorigen Sonntag in der Station war, denn das Personal habe Unruhe unter den 18 Bewohnern bemerkt und ihn gebeten zu kommen. „Wir waren uns alle einig, dass keine konkrete Bedrohungslage für uns vorlag. Nicht ein einziger Mitarbeiter sagte, er halte es nicht aus und müsse da raus.“ Man habe versucht zu deeskalieren. „Alle haben hochprofessionell gehandelt, sonst wäre es nicht so glimpflich abgelaufen. Sie waren überhaupt nicht überfordert!“ betont Kreutz.

Als man versuchte, die sechs Verdächtigen aus der Forensik-Gruppe „sagen wir mal: herauszupicken“, wuchs die Unruhe. Geschirr flog. Daraufhin habe das Personal gegen 17 Uhr die Station verlassen und blieb im Treppenhaus. Die Verhandler der Polizei übernahmen.

Für die Staatsanwaltschaft fasst sich Oberstaatsanwalt Johannes Hoppmann kurz: „Die Ermittlungen dauern noch fort“.

Auf die Gefährlichkeit hingewiesen

Polizeisprecher Achim Jaspers erinnert im Gespräch mit der NRZ: „Wir haben auf die Gefährlichkeit der Insassen deutlich hingewiesen. Sonst wären wir nicht mit so großem Besteck aufgefahren, unsere Kollegen waren durchaus zahlreich. Durch das Verhalten des Pflegepersonals ist Gefahr vermieden worden. Sie hatten die richtige Einschätzung der Situation. Dass sie die Station verließen, ist kein Widerspruch. Wir sind in regelmäßigem, intensiven Kontakt mit der Forensik und Dr. Kreutz geht sehr auf unsere Hinweise ein. Es gibt einen Forensik-Koordinator.“

Dass es in Bedburg-Hau mit Verwaltung und Politik auch einen Forensik-Beirat gibt, darauf verwies Michael Hendricks, FDP. Allerdings tagt der mittlerweile verschwiegen und ohne Öffentlichkeit. CDU-Ratsmitglied Jörg Köster, CDU, war als Polizeihauptkommissar beim Einsatz dabei. „Ich könnte einige Antworten geben, darf es aber nicht.“ Manfred Opgenoorth, CDU, fand es wichtig, „dass der Bürger mitbekommt, dass wir um Aufklärung bemüht sind.“

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