Kraftfahrer

LKW-Ausbildung in Goch: Sich einmal wie ein Trucker fühlen

Daniel van de Loo aus Goch-Pfalzdorf bildet Bus- und LKW-Fahrer aus. Ein spannender Job.

Daniel van de Loo aus Goch-Pfalzdorf bildet Bus- und LKW-Fahrer aus. Ein spannender Job.

Foto: Anke Gellert-Helpenstein / NRZ

Goch-Pfalzdorf.  Daniel van de Loo ist Fahrschullehrer in Pfalzdorf. Er bildet regelmäßig Bus- und LKW-Fahrer aus.

Der Brummi-Sitz ist ausgesprochen bequem, die großen Pedale auch von Frauenfüßen gut zu bedienen. Der Motor wird über einen Startknopf angelassen und läuft im wahrsten Sinne des Wortes wie geschmiert. Erstaunlich leise noch dazu. Die Automatik ist leicht zu händeln, das Cockpit im roten LKW besticht durch modernes, übersichtliches Outfit. Mit Fahrlehrer Daniel van de Loo an der Seite macht die erste Fahrstunde im Truck der Anfängerin keine Angst.

Ein leichter Kick aufs Gaspedal und der Koloss setzt sich ruckelfrei in Bewegung. Die Straße: ländlich, kurvenreich, schmal. Aber ein Blick in die Außenspiegel bestätigt die Fahrkünste der ungeübten LKW-Fahrerin: Es ist Platz genug vorhanden, niemand drängelt und der Blick durch die große Frontscheibe zeigt: Kein Gegenverkehr. Beim Abbiegen muss das PS-starke Ungetüm in weiten Bögen gelenkt werden, damit nirgendwo angeeckt wird. Auf gerader Strecke scheinen an der schmalen Straße 40 km/h wie 80. So muss mehrfach „sicherheitshalber“ auf die Bremse getreten werden, die erstaunlich schnell greift und durchaus dezenter bedient werden möchte.

Weit entfernt vom „Trucker-Babe“

Doch als dann der Kreisverkehr auftaucht, sackt das mutige Herz der Fahrerin in die Hose. Denn erst jetzt bemerkt sie beim genaueren Blick in den Rückspiegel, dass der Truck auch noch einen endlos großen Anhänger hinter sich herzieht. Autsch. Da reicht dann doch der Radius des Kreisels, besser gesagt: die Fahrkunst der Anfängerin am Steuer nicht aus, um unbeschadet durch zu kommen. Vom echten „Trucker-Babe“ ist sie noch Welten entfernt. Schade, denn Stockholm wäre laut Straßenschild nicht mehr weit gewesen…

Stockholm? Richtig – das täuschend echte Fahrgefühl wird mit Hilfe eines ziemlich beeindruckenden Fahr-Simulators kreiert, der hauptsächlich das Rückwärtsfahren schulen soll und in den Räumen des Fahrschulsitzes von Daniel van de Loo in Pfalzdorf an der Landwehrstraße 68 steht. Seit 25 Jahren ist auf dem ehemaligen Bauernhof der Familie van de Loo die Fahrschule zu Hause, die Vater Fritz vor 30 Jahren in Asperden gründete. Vor drei Jahren übernahm Sohn Daniel (29) das väterliche Unternehmen. Während sein Bruder Marcel Fahrschulen für Motorrad und PKW in Goch, Uedem und Kleve führt, kümmert sich Daniel van de Loo um Bus- und LKW-Fahrer in Pfalzdorf.

Berufskraftfahrer werden gesucht

Im Team mit vier Angestellten kann er sich über Arbeitsmangel nicht beklagen. Das Geschäft läuft, brummt sozusagen. „LKW- und Busfahrer gibt’s viel zu wenige“, weiß er. „Berufskraftfahrer, Busfahrer und Fahrschullehrer werden händeringend gesucht. Einmal wöchentlich rufen Unternehmen bei uns an und fragen nach ‚Nachwuchs‘.“ Mittlerweile sind es übrigens auch immer mehr Frauen, die den LKW-Führerschein machen. Auf dem Land meistens Reiterinnen, die große Transporter lenken können müssen. „Aber es könnten mehr sein. Entsprechende Frauenförderprogramme werden zurzeit diskutiert“, weiß der Pfalzdorfer Fahrschulinhaber. Eine gute Sache, wie er findet, und ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, um dem Fahrermangel entgegen zu wirken.

Der konnte übrigens entstehen, weil „früher Kraftfahrer aller Klassen bei der Bundeswehr ausgebildet wurden. Seit fünf Jahren nicht mehr.“ (van de Loo). LKW- und Bus-Fahrer – ein wirklich krisensicherer Job also. Der allerdings auch viel Zeit und Geld kostet. Je nach Dauer und Ausbildungsform mit den erforderlichen Qualifikationen für den Berufsfahrer sind das bis zu 13.000 Euro. Für den Hausgebrauch kostet der LKW Führerschein circa 3000 Euro, ein Busführerschein 7500 Euro. Die Dauer und Kosten der Führerscheine hängen immer auch vom Talent des Schülers ab.

Rückwärtsfahren ist eine Kunst

Die Theorie ist umfangreich und anspruchsvoll, ebenso das Fahrtraining. „Da gibt es nicht wenige Fahranfänger, die sich gerade beim Rückwärtsfahren eines Busses oder LKWs mit Anhänger sehr schwer tun“, verrät Daniel van de Loo. „Das kostet viel Zeit und Materialverschleiß.“ Grund genug für den PS-begeisterten Pfalzdorfer, um über die Anschaffung eines entsprechenden Simulators für seine Fahrschule nachzudenken.„Flugsimulatoren werden auf dem Markt jede Menge angeboten, aber für LKW und Busse ist kaum was dabei“, erzählt er.

Die günstigste Neuanschaffung hätte über 55.000 Euro gekostet. Ab 100.000 Euro wird so ein Simulator dann erst für den harten Ausbildungseinsatz interessant. „Zu teuer“, befand van de Loo und setzte sich selbst ans Werk. Nach vielen Arbeitsstunden und mit der Hilfe eines Freundes gelang ihm die Konstruktion, Erstellung und ausgetüftelte Hard- und Software-Ausstattung eines eigenen Simulators, der seinesgleichen sucht. Drei Beamer werfen auf drei große Leinwände die virtuelle Realität, wie sie aus Sicht des Fahrers im Cockpit zu sehen ist. Der Fahrer sitzt in einem echten LKW-Cockpit mit original verbauten Teilen, die er entsprechend zu bedienen lernt.

Rückwärtsfahren kostet hier viel weniger Zeit, Material und Nerven. Und so kommt der Fahrer dann mit etwas Übung auch irgendwann bis nach Stockholm – wie es das Straßenschild im Simulator verspricht.

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