AOK-Gesundheitsreport

Gesundheits-Report: Kreis Klever Bürger sind Vorsorgemuffel

Letzter Platz bei der Brustkrebsvorsorge im Rheinland:

Letzter Platz bei der Brustkrebsvorsorge im Rheinland:

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Kreis Kleve.   Die Menschen im Kreis Kleve gehen nicht gerne zum Arzt – nur wenn es unbedingt sein muss. Trotzdem schneidet der Kreis beim AOK-Report gut ab.

Wenn der Kopf noch dran sitzt, dann ist ja alles in Ordnung. Der Niederrheiner ist in Sachen Zipperlein nicht empfindlich. Kleine Erkältung? Kleines Zwicken im Rücken? Alles kein Grund, nicht zur Arbeit zu gehen. Die Arbeitnehmer im Kreis Kleve sind im Vergleich zu anderen Regionen im Rheinland mit Abstand am seltensten krankgeschrieben. Nur 4,78 Prozent der Arbeitszeit fiel 2017 wegen Krankheit aus: „Ich führe dies auf eine hohe Identifikation mit dem Arbeitsplatz zurück“, sagte AOK-Regionaldirektorin Barbara Nickesen anlässlich der Vorstellung des aktuellen Gesundheitsreportes für den Kreis Kleve. „Man geht hier nicht sofort zum Arzt.“

Das mag für die Arbeitgeber sehr schön sein, aber die etwas sorglose Mentalität hat auch ihre Schattenseite: „Man kann schon sagen, dass wir Vorsorgemuffel sind“, sagte Nickesen. So belegen sowohl die Männer als auch die Frauen den letzten Platz im Rheinland-Ranking bei der „Check-up 35-Untersuchung“. In keiner anderen Region gehen so wenig Menschen zur allgemeinen Vorsorge wie im Kreis Kleve. Nur 36,1 Prozent der Männer ließen sich im vergangenen Jahr durchleuchten, bei den Frauen waren es 42,1 Prozent. „Dabei ist die Vorsorge so wichtig. Daran müssen wir nun dringend arbeiten“, sagte Nickesen.

Viele Menschen sind in einem Sportverein

Auch die urologischen und gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen werden mäßig besucht: Nur 41,9 Prozent der Frauen waren im Jahr 2017 bei einer Früherkennung für Brustkrebs, und nur 15,7 Prozent der Männer ließen sich beim Urologen blicken. „Männer sind etwas träge“, so die AOK-Direktorin.

Trotz der schlechten Noten bei der Vorsorge schneidet der Kreis Kleve generell sehr gut ab. Im Vergleich sind hier die meisten Menschen Mitglied in einem Sportverein (313 je 1000 Einwohner), und hier gibt es auch die wenigsten Menschen, die übermäßig dick sind. Bei 11,4 Prozent der Einwohner wurde Adipositas diagnostiziert: „Leider ist das immer noch ein sehr hoher Wert“, sagt Olga Dortmann, die den Report für die AOK mit hauseigenen Daten und allgemein zugänglichen Daten der Statistikämter erstellt hat.

84,4 Prozent der Kinder haben keine Zahnfüllung

Die gute Kindergesundheit sei sehr positiv. Im Kreis Kleve haben die wenigsten Kinder eine Zahnfüllung. Bei 84,4 Prozent der Kinder befindet sich noch keine Plombe im Mund. Auch das Thema Asthma spielt am unteren Niederrhein eine deutlich geringere Rolle als in Mönchengladbach oder Köln. „Hier ist die Luft offenbar doch deutlich besser als in den Großstädten“, interpretiert Nickesen die Zahlen.

Sorge bereitet ihr die deutliche Unterversorgung bei den Hausärzten. „Das ist ein Punkt, der dringend der Verbesserung bedarf. Die Ärzte sind da, sie müssen nur besser verteilt werden.“

Der AOK-Report ist auch im Internet abrufbar.

  • Spitzenreiter bei den Wirbelsäulen-Operationen
  • Im Kreis Kleve gibt die verhältnismäßig meisten Wirbelsäulen-OPs: 508 je 100.000 Einwohner. Im Durchschnitt der AOK-Versicherten im Rheinland waren es 382.
  • AOK-Direktorin Barbara Nickesen führt dies auf die beiden Wirbelsäulen-Zentren in Kleve und Emmerich zurück.

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