Stadtplanung

Kleve muss was für junge Erwachsene tun

Eine mobile Bühne auf dem Wasser könnte mal an der Hochschule, mal am Rilano-Hotel Musik, Theater und Kino in die Innenstadt bringen.

Eine mobile Bühne auf dem Wasser könnte mal an der Hochschule, mal am Rilano-Hotel Musik, Theater und Kino in die Innenstadt bringen.

Foto: studio urbane landschaften

Kleve.   Räume und Möglichkeiten schaffen. Sitzwürfel in der City, Skaten auf leeren Parkplätzen, Urban-Gardening auf dem Parkhaus, Grillplätze am Ufer.

Die Profis aus Hamburg haben viel Zeit in Kleve verbracht. Sie haben junge Leute auf den Straßen, in Jugend- und Kulturgruppen und internationale Studierende an der Hochschule befragt. Was wirkt heute schon positiv in dieser Stadt? Wie kann Kleve für junge Leute attraktiver werden? Dass es das muss, das hat die Stadtverwaltung erkannt.

Zwei Workshops liefen, einer mit den Betroffenen, einer mit Behörden und Kulturschaffenden. Die Planer radelten mit jungen Erwachsenen zu neuralgischen Punkten. Ideen wurden gesammelt, ausgewertet, konkretisiert.

Kategorien „einfach umsetzbar“ und „besonders lustig“

Sie wurden eingeteilt von „einfach umsetzbar“ über „das Wichtigste“ bis „besonders lustig“ und von den Architekten in hinreißende Vorschläge eingearbeitet. Der Titel ist „Klever Sprossen“, die nun Nährboden brauchen. Die Studierenden spülen „Samen“ in die Stadt und alle haben etwas davon.

Nun gab Thomas Gräbel vom Landschafts-/Architektenbüro „studio urbane landschaften“ aus Hamburg die sehr konkreten Anregungen im Jugendhilfeausschuss weiter.

Ein Fünftel der Klever Einwohner sind jung

Wegen der Hochschule sind ein Fünftel der Klever Einwohner jugendlich oder junge Erwachsene. „Das zeigt sich in der Innenstadt aber nicht“, so Gräbel. Denn sie hat keine Aufenthaltsqualität, keinen Platz, an dem man sich einfach hinsetzen kann. Zu wenige Sitzmöbel, auf denen man lesen, lernen kann.

Welche Nutzung wird denn wo toleriert ?

„Die Stadt muss Räume und Möglichkeiten eröffnen.“ Freiräume und Grünflächen besser zu gestalten sei ganz im Sinne aller Klever, auch junger Familien. Es sei oft einfach nicht erkennbar, welche Nutzung wo toleriert wird: Wo darf man auf der Wiese sitzen, wo Ball spielen, wo darf man grillen? Auf jeden Fall werden mehr öffentliche Grillplätze etwa am Spoykanal/Kermisdahlufer gewünscht. „Am Wasser liegen Qualitäten brach.“

Mobile Bühne für die Sommermonate

Eine mobile Bühne könnte in den Sommermonaten auf der Spoy unterwegs sein, mal vor den Treppen des Rilano-Hotels oder am Hafenbecken der Hochschule. Auf ihr würden Konzerte stattfinden, Theater gespielt – mit lokalen Kultureinrichtungen entwickelt – oder Filme gezeigt.

Wanderwürfel in originellem Design zum Sitzen und Liegen könnten für begrenzte Zeit ausgesuchte Orte in der Stadt beleben, spielerisch und kreativ verändern. So kämen die Orte und ihre Nutzung zurück ins Bewusstsein der Bevölkerung. Vielleicht weckte das den Wunsch nach Veränderung.

Entlang der Wegstrecke zwischen dem Campus und der Innenstadt sind Stellplatzfläche oft wenig frequentiert.Die Parkplatz-Markierungen könne man mit Linien für Sportfelder, Lauf- und Skatestrecken ergänzen, Basketballkörbe am Rand errichten, temporär – also an einzelnen Tagen oder Stunden – Sitzmöbel, Skaterampen und Tore aufstellen. „In der Stadt

entstünde eine lebendige Bewegungslandschaft“, die Campus und City zusammen bringt.

Auch das oft leerstehende, mehrstöckige Parkhaus an der Hochschule bietet Raum zur Entfaltung, beispielsweise auf dem Dach das populäre Urban-Gardening: Gemüsegarten in Hochbeeten, denkbar mit Ruhezonen drum herum. Und das Parkdeck könnte „Showroom“ der beteiligten Fakultät Life Sciences für Forschungsfelder der Hochschule sein. „Regelmäßige Events könnten für einen Austausch mit der hiesigen Bevölkerung sorgen.“

Riesige Schaukel und Kiosk am Moritzpark

Auch fürs weiteren Umfeld zur City gab es schöne Ideen: So könne der Moritzpark hinter der Kreisverwaltung an seinem heutigen Spielplatz einen Kiosk und öffentliche Toiletten bekommen und zusätzlich eine überdimensional riesige Schaukel wie ein Eingangstor zur Innenstadt.

Mehr Infos: „homeparty goes public“

Informationen in allen Bereichen solle es über ein digitales Stadtportal auf Deutsch und Englisch geben und auch Attraktives aus dem Umfeld bekannt machen. Studentische Sportgruppen wünschen mehr Begegnung mit lokalen Vereinen. Was von der Stadt schwer zu beeinflussen ist: ein Nachtleben mit studententauglichen Preisen, ein Informationsfluss, wo was los ist: „homeparty goes public“.

Kommentare der jungen Erwachsenen machen den Unterschied deutlich: Wo sich Freiflächen an der Hochschule nutzen ließen, hieß die Reaktion: „University is richtig geil“, aber daneben eben auch: „Im Winter ist Kleve tot.“ Generell könne Kleve verbessern: Öffentlichen Nahverkehr, Fahrradfreundlichkeit.

Es ist eine Aufgabe für alle, Stellschrauben zu drehen

Der Vortrag von Thomas Gräbel erhielt im Jugendhilfeausschuss heftigen Applaus. Der NRZ sagte der Hamburger Architekt: „Kleve hat uns wirklich interessiert“. Das merkt man. Er forderte auf: „Es ist eine Aufgabe für alle, an vielen kleinen Stellschrauben zu drehen.“

Zuschussanträge bis Dezember aufbereiten

Fachbereichsleiter Jan Trader machte klar, dass für manche Umsetzungen politische Beschlüsse nötig sind. Es gebe ja auch Fördermittel aus dem Städtebau, Zuschussanträge müssten bis Dezember gestellt werden für Maßnahmen im nächsten Jahr. Andere Ideen können nur privat umsetzt werden, etwa leerstehende Geschäfte jungen Leuten zur temporären Nutzung (Treffs, Ausstellung) zu überlassen.

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