„Pfahl-Bau“

Darum steht die Hochschule Rhein-Waal Kleve auf 1000 Pfählen

So sah die Baustelle für die Hochschule im März 2010 aus.

So sah die Baustelle für die Hochschule im März 2010 aus.

Foto: Stadt Kleve / NRZ

Kleve.   Taubenzüchter und Schrebergärtner wichen in Kleve auf 48.000 Quadratmetern dem Campus. Präzise wurden Zeitplan und Kostenplan eingehalten.

Mit Vollgas ging die Hochschule Rhein-Waal an den Start: Eröffnung am 12. Mai vor zehn Jahren im alltours-Haus an der Landwehr, in der Kaserne in Emmerich, im Tichelpark-Kino als Hörsaal und weiteren Außenstellen. Ebensolche Geschwindigkeit nahm parallel der Neubau auf. Und das obendrein mit unglaublicher Präzision. 120 Millionen Euro Baukosten – geplant, eingehalten. Umsetzung bis 21. September 2012 – geplant, eingehalten.

„In der Nacht vom 20. werden wir den letzten Stuhl ‘rein schrauben und putzen“, hatte der „Motor“ der Kreis Klever Baugesellschaft KKB, Gerhard Koenen, vorhergesagt. Er behielt Recht.

Kreis Klever Baugesellschaft hatte alles selbst in der Hand

Die Kreispolitiker hatten beschlossen, den Neubau lieber über die KKB in der Hand zu halten statt es dem zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW zu überlassen (der gerade zuvor für den Forensik-Neubau in Bedburg-Hau fünf Jahre brauchte). Die KKB-Mannschaft aus Bedburg-Hau, hundertprozentige Tochter des Kreises Kleve, war klein mit vier Bauleitern, zwei Zeichnern, vier Halbtags-Verwaltungskräften und Chef Dipl. Ing. Gerhard Koenen. In der Kreisverwaltung lenkten Wilfried Suerick und Zandra Boxnick das Projekt.

Ein rasantes Genehmigungsverfahren lief ab August 2009 an. Das Innovationsministerium segnete ein Raumprogramm über 22.163 Quadratmeter Fläche und gesamt 48.000 Quadratmeter Campus ab.

Taucher untersuchten die Spundwände

Taucher untersuchten die Spundwände des Hafenbeckens – alles okay. Entwurf der Gebäude nach Plan der Hamburger Architekten „nps tchoban Voss GmbH & Co. KG“, vor Ort begleitet von den Klever Architekten Hülsmann und Thieme, folgte im Dezember 2009, Genehmigung der Stadt Kleve im März 2010.

Der ehemalige Lokschuppen der Stadtwerke und das Zelt der Kanufreunde wurden abgerissen. Wo die Taubenzüchter bis dahin ihren kleinen Schlag bestückten, flatterte bald das Absperrband. Wo die Schrebergärtner von ihren Parzellen ernteten, sollten bald Professoren Wissen säen.

Eisenbahnschienen, Pflaster, Erde wurden 60 Zentimeter tief abgetragen. Das Gelände war nach dem Krieg 3,50 Meter hoch aufgeschüttet worden. Schon im April 2010 wurden die ersten der 1000 Löcher GPS-gesteuert gebohrt.

Die Stelzen reichen acht bis elf Meter tief

Die Hochschule steht wegen Ufer- und Grundwassernähe auf jenen Tausend Stelzen, acht bis elf Meter tief, 60 Zentimeter im Durchmesser, aus Beton gegossen. Die Bohrmaschine schaffte drei Löcher pro Stunde, 30 am Tag, nach drei Monaten waren alle Tausend Pfähle fertig.

Das 32 Meter hohe Backstein-Gebäude des Kornspeichers sollte als „Wissensspeicher“, sprich: Bibliothek, Stück für Stück bis aufs denkmalwerte Erdgeschoss abgetragen und originalgetreu aufgebaut werden. Die erste Firma war technisch überfordert, Bauverzögerung, die Folge-Firma holte auf.

Insgesamt 17 neue Gebäude wurden errichtet

Es wurden insgesamt 17 neue Gebäude inklusive Wissensspeicher, Klimahaus (für das die Idee erst im April des Eröffnungsjahres vom Reißbrett kam und das verglaste Gebäude stattdessen zur Maschinenhalle wurde) und Parkhaus gebaut und eine Brücke über den Spoykanal errichtet.

Von der Bausumme blieben trotz europaweiter Ausschreibung 45 Prozent in der niederrheinischen Region, 25 Prozent allein bei Kreis Klever Firmen. Auch die Handwerker aus München, Hamburg, Magdeburg, Düsseldorf nahmen sich hiesige Subunternehmer oder hier vorübergehend Wohnung.

Guter Umsatz auf dem Riesenrad

Allein schon das Riesenrad bei der Kirmes machte guten Umsatz mit Leuten, die die Hochschule von oben sehen wollten, hatte Gerhard Koenen voller Lokalpatriotismus lachend festgestellt.

Und als alles fertig war, kam er weiter gern an den Ort zurück, der später den Namen Marie-Curie-Straße bekam. Zu seinen Lieblingsplätzen, den Stufen am Audimax, den Treppen am Wendehammer, der Dachterrasse der Mensa, idyllisch hinter der Verwaltung und in die Ecke zwischen Haus 10 und 11.

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