Kinder

Kinderschutzbund Kleve: Damit Kinder ihre Eltern treffen

Kinderschutzbund Kleve im Gebäude an der Spyckstraße. v.l. Bernhard Heisterkamp (2. Vorsitzender), Michael Bieberstein (1. Vorsitzender), Andrea Münnekhoff (Schatzmeisterin), Dr. Ursula Figura (Schriftführerin).

Kinderschutzbund Kleve im Gebäude an der Spyckstraße. v.l. Bernhard Heisterkamp (2. Vorsitzender), Michael Bieberstein (1. Vorsitzender), Andrea Münnekhoff (Schatzmeisterin), Dr. Ursula Figura (Schriftführerin).

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve  Der Kinderschutzbund in Kleve will ein wenig mehr und nicht weniger sein als ein neutraler Ort der Begegnung für zerstrittene Familien.

. In dem einen Raum stehen Puppenstube, Legostein-Boxen, in dem anderen Sitzecke mit Sofas, im dritten ein Tisch mit Stühlen zum konzentrierten Gespräch. An der Wand Verse auf Postern „Bärenpups und Mäusetier, diese Welt gehört zu mir – Partizipation ist ein Kinderrecht“ und „Entwicklung ist ein Kinderrecht“. Es herrscht eine freundliche Atmosphäre beim Kinderschutzbund in Kleve im Nebengebäude der Spyckschule (jetzt Montessorischule) an der Spyckstraße. Er will ein wenig mehr und nicht weniger sein als ein neutraler Ort der regelmäßigen Begegnung für getrennte / geschiedene und „hochstrittige“ Familien.

Kinder haben ein Recht auf beide Eltern

Er bietet Zimmer, bei denen die Türen offen stehen, auch die zur Küche, wenn der Vater mit der Tochter Obstsalat schnippelt oder eine Oma mit Enkelin zu Weihnachten Plätzchen backt. Ungefähr 15 Mal pro Monat ist „begleiteter Umgang“ der Schwerpunkt der Arbeit des Klever Ortsvereins, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert. „Kinder haben ein Recht auf beide Eltern“, dieser Artikel 9 der UN-Kinderrechtskonvention ist Leitlinie.

Die Räume an der Spyckstraße sind Terrain für Eltern, die in ihren Wohnungen keine Besuche mögen oder wenn Erwachsene Ängste vor Gewalt oder Entführung der Kinder haben. Oder Fälle, bei denen gerichtliche Verfahren anstehen, man aber zuvor Begegnungen wünscht, „damit sich Eltern und Kinder nicht entfremden“, erklärt Andrea Münnekhoff, Schatzmeisterin im neuen Vorstand des Kinderschutzbundes Kleve. „Je kleiner die Kinder sind, um so öfter“.

Auch mal Dinge ansprechen, die Eltern nicht so gefallen

Dann sind Jugendamt und Gericht meist schon mit im Boot, sagt Michael Bieberstein, Vorsitzender und von Beruf Rechtsanwalt. Er sieht seine Aufgabe auch in der Beratung in prekären Lebenslagen, auch darin, „rechtliche Dinge anzusprechen, die Eltern nicht so gefallen“, die aber eben im Sinne des Kinderschutzes sind.

In Kooperation mit anderen Beratungseinrichtungen

Psychiatrische oder psychologische Begutachtung sind aber für Ehrenamtlern nicht leistbar“, sagt er. Ebenso wenig Hilfe bei sexuellem Missbrauch. Sobald der Verdacht aufkommt, verweisen Ehrenamtliche vom Kinderschutzbund selbstverständlich an die Fachleute der Caritas oder Awo und das Jugendamt.

In Kindergarten und Grundschule Kinder über ihre Rechte informieren

„Wir informieren die Kinder über ihre Rechte“, und das auch in Schulen und Kindergärten, häufig in Kooperation mit den Schulsozialarbeitern, erklärt Vorstandsmitglied Dr. Ursula Figura und baut auf lange Jahren Erfahrung als Lehrerin. Manche Kids nehmen dann all ihren Mut zusammen und sprechen sie an. „Der Klassiker ist: ‘Meine Freundin hat da ein Problem...’“, schildert Münnekhoff den häufigen Anfangskontakt. Jedes Gespräch wird vertraulich behandelt. „aber mindestens 50 Prozent der Arbeit ist die mit den Eltern“, stellt Bieberstein klar.

Jetzt als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt

Der Kleve Ortsverband im Deutschen Kinderschutzbund ist jetzt als „Träger der freien Jugendhilfe“ anerkannt. Jugendhilfeausschuss und Rat gaben ihr Okay. Der Ortsverband erfüllt die gesetzlichen Vorgaben, dass seine „fachlichen und personellen Voraussetzungen erwarten lassen, dass sie einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Aufgaben der Jugendhilfe zu leisten imstande sind“ – seit mindestens drei Jahren. Das erfüllt der Klever Ortsverband über alle Maßen, denn er feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Jubiläum.

Die formale Anerkennung auf lokaler Ebene „bringt Klarheit im Umgang mit der Stadt,“ sagt Bernhard Heisterkamp, zweiter Vorsitzender. So kann der Kinderschutzbund frühzeitig an der Jugendhilfeplanung beteiligt werden und auch öffentliche Förderung beantragen.

Räume offiziell pachten, die Miete wird erlassen

In diesem Falle wird die Gruppe die seit Jahren genutzten großzügigen Räume an der Spyckschule jetzt offiziell von der Stadt Kleve pachten. Die Stadt erlässt die Miete dann als Zuschuss-Gegenwert: 6091,20 Euro. Erst wollte die Verwaltung die Summe abrunden, aber Ausschussmitglied Fredi Döllekes (SPD) bat darum, von einem Eigenanteil der Ehrenamtler abzusehen und die tatsächliche Miete zu erlassen. So wurde beschlossen.

Zugang ohne Hemmschwellen, ohne Behörden

Fachbereichsleiter im Jugendamt, Jan Traeder, lobte die Klever Gruppe, dass sie den Umgang der getrennten Familien ermöglicht, ohne Stolperstufen, ohne Behörden einzuschalten. „In den meisten Fällen werden wir vom Familiengericht, den Jugendämtern oder Rechtsanwältinnen empfohlen, um in sehr schwierigen, manchmal ausweglos scheinenden Trennungsfällen vermittelnd tätig zu werden“, fasst der Vorstand zusammen.

Wer ehrenamtlich mitmachen will, kann sich melden

Im vorigen Jahr listeten die neun Ehrenamtlichen (meist mit Berufsbackground als Diplom-Pädagog/in, Erzieher/in, Sozialarbeiter/in) rund 800 Anrufe und 120 E-Mails von Hilfesuchenden, in deren Folge es zu 195 Beratungsgesprächen kam. Über 100 Kinder und (meist) ihre Eltern wurden 363 Mal begleitet.

Wer mitwirken möchte im Deutschen Kinderschutzbund Kleve meldet sich unter www.kinderschutzbund-kleve.de,
02821 29292.


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