Ärztemangel

Kinderarzt-Versorgung im Kreis Kleve soll sich entspannen

Die Versorgung mit Kinderärzten im Kreis Kleve ist angespannt.

Die Versorgung mit Kinderärzten im Kreis Kleve ist angespannt.

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

Kreis Kleve.  Jutta Brüggemann hat in ihrer Kranenburger Praxis eine neue Kollegin auf halber Stelle. KVNO: Kreis Kleve erhält wohl zwei neue Sitze.

Es kommt Bewegung in die bislang dünn besiedelte Kinderarzt-Landschaft im Kreis Kleve: Seit Anfang Juli arbeitet Dr. Katrin Kerkhoff auf einer halben Stelle in der Kranenburger Praxis von Jutta Brüggemann. Sie hat den Kinderarzt-Sitz von Dr. Erich Lycko aus Emmerich übernommen, der Ende März in den Ruhestand gegangen war. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) rechnet zudem damit, dass Ende des Jahres zwei zusätzliche Kinderarzt-Sitze im Kreis Kleve ausgewiesen werden. Und: Vor wenigen Tagen hat die Klever Elterninitiative, die seit Jahren gegen den Kinderarztmangel kämpfte, ihre Auflösung beschlossen.

Jutta Brüggemann freut sich über die Unterstützung ihrer neuen Kollegin, die 20 Stunden in der Woche in der Praxis an der Tiggelstraße vor Ort ist: „Hoffentlich können wir die sehr lange Wartezeit für unsere Patienten verkürzen und etwas entspannter arbeiten, denn wie überall im Kreis Kleve waren wir gnadenlos unterbesetzt.“ Das neue Ärztinnen-Duo müsse sich zwar noch miteinandern einspielen, doch die ersten zwei Wochen hätten sich bereits sehr gut angelassen, sagt Brüggemann.

Einzige Bewerberin im Nachbesetzungsverfahren

Katrin Kerkhoff hatte sich als einzige Kandidatin im zweiten Nachbesetzungsverfahren für den Sitz von Dr. Lycko beworben. Die erste Runde war gar ergebnislos geblieben, so dass der Emmericher Kinderarzt länger als geplant weitergemacht hatte. Der Sitz ist nicht an eine Stadt oder Gemeinde gebunden, sondern kann innerhalb des Kreises Kleve wandern. Der Zulassungsausschuss der Krankenkassen und Ärzte hat ihn nach Kranenburg übertragen.

„Das Wichtigste ist, dass der Sitz in der Region erhalten bleibt und sich die Versorgung nicht verschlechtert“, sagt Christopher Schneider, Pressesprecher der KVNO. „Wenn sich niemand über einen längeren Zeitraum bewirbt, kann die Zulassung auch wegfallen.“

Dass Emmerich nun jedoch ohne Kinderarzt auskommen muss, hält Jutta Brüggemann „eigentlich für ein No-Go. Dafür ist die Stadt zu groß“. Auch die KVNO möchte die Ärzte möglichst ausgewogen auf den Kreis Kleve verteilt sehen und macht angesichts der aktuellen Änderungen in der Bedarfsplanung Hoffnung.

Angepasste Verhältniszahlen

Der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat eine neue Richtlinie beschlossen, die unter anderem angepasste Verhältniszahlen und andere Grundlagen zur Berechnung vorsieht. Noch müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam mit den Krankenkassen die Änderungen formell umsetzen. „Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass der Kreis Kleve zum Ende des Jahres zwei neue Kinderarzt-Sitze erhält“, so Christopher Schneider. „Damit würde sich die Situation verbessen“, sagt Jutta Brüggemann, die seit Jahren bereits auch Patienten aus Kleve und Goch in ihrer Kranenburger Praxis betreut.

Durch die Änderungen in der Bedarfsplanung sieht die Elterninitiative gegen den Kinderärztemangel „unsere wesentlichen Forderungen erfüllt, auch wenn natürlich dadurch noch kein einziger zusätzlicher Arzt gewonnen ist“, sagt Sprecherin Nicole Tenbrink. „Aber zumindest ist der gesetzliche Planungsrahmen als Hindernis geringer geworden.“

Diese positive Entwicklung ist einer der Hauptgründe, warum die Elterninitiative ihre Aktivität einstellt, wie Tenbrink erklärt. Hinzu komme, dass das Ziel, mit der bundesweiten Petition das Quorum von 50.000 Stimmen zu erreichen, in weiter Ferne liege und es nach gut drei Jahren zunehmend schwieriger werde, in der kleinen Gruppe die Spannung und das Engagement aufrecht zu halten. „Die zeitlichen Ressourcen sind schlichtweg zu knapp“, stellt die Sprecherin fest.

Nachwuchsmangel noch nicht gelöst

Zwar sei es schwierig zu klären, ob die Änderungen der Bedarfsplanung auch als Erfolge der Aktionen der Gruppe gesehen werden könnten. „Ich sehe das aber durchaus so, denn noch vor drei Jahren wurden wir mit dem Hinweis abgespeist, dass bei der kinderärztlichen Versorgung doch alles in Ordnung ist“, sagt Nicole Tenbrink.

Gleichwohl sieht sie das Thema Nachwuchsmangel bei den Kassenärzten – 30 Prozent der Kreis Klever Hausärzte sind über 60 Jahre alt – noch längst nicht gelöst. „Die Stimmung unter den Kassenärzten ist extrem gereizt. Alle fühlen sich ausgenutzt und systematisch überlastet“, meint Tenbrink.

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