Hitzewelle

So entfliehen Menschen und Tiere im Kreis Kleve der Hitze

Am Montagmittag maß Schwimmmeister Peter Pätzold am Wisseler See noch 30 Grad Lufttemperatur und 21 Grad im Wasser. Es wird noch heißer. Das gelbgrüne Spielgerät auf dem See ist übrigens das neue „Aquasplash“ zum Drauf-Herumklettern.

Am Montagmittag maß Schwimmmeister Peter Pätzold am Wisseler See noch 30 Grad Lufttemperatur und 21 Grad im Wasser. Es wird noch heißer. Das gelbgrüne Spielgerät auf dem See ist übrigens das neue „Aquasplash“ zum Drauf-Herumklettern.

Foto: Klaus Schürmanns / NRZ

Kreis Kleve.  Freibad, Badesee: Bei den heißen Temperaturen zieht es Menschen im Kreis Kleve ins kühle Nass. So schützen sich Arbeiter und Tiere vor der Hitze.

Die Schulen dürfen selbst entscheiden, ob sie Hitzefrei geben oder Kurzstunden fahren. Und dann ab ins Wasser. Kann das Klever Sternbuschbad nicht schon drei Wochen vor dem offiziellen Eröffnungstermin die Außenbecken frei geben? „Leider nein“, bedauert Geschäftsführer der Stadtwerke, Rolf Hoffmann. „Die Landschaftsgärtner und -architekten lassen noch nicht zu, das Menschen über den frischen Rasen laufen.“ Und Bauzäune ums Grün zu errichten „sieht ja nach nix aus“. So will er das schicke Freibad nicht eröffnen: „Wir müssen durchhalten bis zum 12. Juli“, bittet er. Werden die bereits geöffneten Hallenbadbecken innen jetzt abgekühlt? „Bisher nicht. Aber wir richten uns nach Kundenwünschen, ob wir Eiswürfel hinein geben“, lacht Hoffmann.

In dieser Woche schon 10 bis 20 Uhr geöffnet

Bauarbeiten gibt es ebenfalls am GochNess, dort aber drinnen. Außen ist viel, viel Platz am Naturbadesee in Kessel. „Wir machen die ganze Woche schon ab 10 Uhr auf“, kündigt Christina Derks an.

Bis 20 Uhr ist Zugang zum Badesee, während drinnen die Wasserlandschaft gereinigt und renoviert wird, in leeren Becken die Fliesen erneuert werden und das neue Restaurant entsteht. An Stelle des alten wird es ein Flachwasserbecken mit Spielschiff für Kinder geben – inklusive Wasserkanone. Etwa ab August. Einige Gäste heizen sich aber in der Gocher Saunalandschaft freiwillig auf 80 Grad hoch – auch sie kühlen im See ab.

Wer arbeiten muss, fängt am besten früher an

Das Freibad Wisseler See in Kalkar öffnet zwar eigentlich wochentags 13 bis 18 Uhr, „aber an Hitzefrei-Tagen sind die Kollegen an der Kasse flexibel“, verspricht Geschäftsführer Ludwig Ingenlath. An solchen Tagen sind statt einem dann auch zwei Bademeister am Ufer aktiv.

Manche Menschen können der Hitze aber nicht ausweichen. Etwa die 50 Mitarbeiter beim Dachdecker Jansen Bedachungen in Kleve. „Was machen Sie bei Hitze?“ „Arbeiten“, heißt die Antwort. „Wir fangen früher an. Statt sieben Uhr dann schon um sechs, um etwas früher aufzuhören“, schildert Michael Käding. Sechs Uhr auf der Baustelle, das geht. Bei Privatleuten sei das aber oft unerwünscht. Die Baustellen von Jansen sind über ganz Deutschland verteilt.

Leiden in der Wurstbraterei oder in der korrekten Uniform

Wenn man sich dann vorstellt, dass man auf der Gocher Kirmes in einer Wurstbraterei steht …. Bettina Hebben hat das vor sich. „Ich leide darunter, mehr als die jungen Mitarbeiter“, gesteht sie. Ein Ventilator ist in einem Imbissstand nicht sinnvoll, der würde auch die Gasflammen löschen, ahnt Hebben. Bloße Füße erlaubt die Berufsgenossenschaft nicht. In ihrer Bürgerstube Bedburg-Hau hat sie zumindest einen Decken-Ventilator: „Tür zu!, rate ich dann immer“.

Korrekte Schuhe, präzise Uniform, die sind für Polizisten vorgeschrieben. „Im Streifenwagen gibt es eine Klimaanlage“, sagt Sprecher der Kreispolizei, Michael Ermers. Wenn jedoch ein Unfall geschieht, müssen die Beamten zur Verkehrsregelung dann doch in voller Montur auch längere Zeit in der prallen Sonne stehen.

Wuschelige Huskys können Temperaturen von minus 70 Grad gut ab, aber die Hitze?

Nicht nur Menschen leiden. Die 20 wuscheligen Huskys von Heiko Haarkötter in Goch können eigentlich Temperaturen von minus 70 Grad gut ertragen. 40 Grad plus sind nicht so ihr Ding. „Wir haben ihnen Teiche angelegt, Sprinkler aufgestellt, Schattenplanen über Gehege gelegt und bespritzen sie ab und zu mit der Wasserkanone“, lacht Haarkötter. Hunderennen macht er nur für sich privat und nur unter 15 Grad Lufttemperatur. Ansonsten setzt er die Huskys für entgeltlose Kinderveranstaltungen ein.

An die Haustiere und Wildtiere zu denken, darum bittet auch der Naturschutzbund. Igel, Vögel und Insekten leiden sehr unter Wassermangel. Wichtig ist es, den Tieren saubere Vogeltränken anzubieten, das können beispielsweise täglich fisch gefüllte Untersetzer für Blumentöpfe sein. Im Garten, auf dem Balkon oder auf der Baumscheibe vor der Haustür – aber katzensicher.

Nicht vergessen, die Vögel zu tränken und auch Straßenbäume zu gießen

Im Namen aller Kollegen bittet Ulrike Waschau von der Nabu-Station Kranenburg, „an Ufern von Flüssen und Seen auch die Brutplätze und Rückzugsräume der Bewohner zu respektieren. Am Natursee Kellen haben die Uferschwalben ihre Nisthöhlen, am Wisseler See der Flussregenpfeifer.“ Gartenfreunde sollten ihre Pflanzen nur abends gießen, am besten von unten. Ulrike Waschau: „Bitte die Straßenbäume nicht vergessen. Ein Zehn-Liter-Eimer pro Tag könnte reichen“.

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