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Gericht urteilte: 4,5 Jahre Haft für Keekener Räuber

Schwanenburg Kleve, Sitz des Landgerichts

Schwanenburg Kleve, Sitz des Landgerichts

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.  Das Landgericht Kleve urteilte gegen einen 31-jährigen Niederländer, der in Kleve-Keeken eine Familie überfallen hatte.

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Wegen räuberischer Erpressung und zweier gefährlicher Körperverletzungen ist am Montag ein 31-jähriger Niederländer am Klever Landgericht verurteilt worden. Die 1. große Strafkammer verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten – außerdem muss er 1700 Euro zahlen. Die 1700 Euro entsprechen in etwa der Summe, die der Angeklagte und zwei noch gesuchte Komplizen im September 2015 in Keeken erbeutet haben sollen.

Elfjähriger Sohn alarmierte die Nachbarn

Laut Feststellung der Kammer klingelte das Trio gegen 20 Uhr bei einer dreiköpfigen niederländischen Familie. Als der Familienvater die Tür öffnete, drangen die Männer in den Hausflur ein und lieferten sich eine körperliche Auseinandersetzung mit dem Mann, dann auch mit dessen Ehefrau, nachdem diese Pfefferspray gegen die Eindringlinge eingesetzt hatte. Auch der damals elfjährige Sohn war anwesend, konnte jedoch flüchten und die Nachbarn informieren. Als die Polizei eintraf, war das Trio bereits geflüchtet. Zuvor hatten die Täter Bargeld in Höhe von etwa 1700 Euro von dem Familienvater erpresst.

DNA-Analysen überführten den Täter

Bis die deutschen Ermittler mit Unterstützung niederländischer Behörden – unter anderem dank DNA-Analysen – auf den Angeklagten aus Nimwegen aufmerksam wurden, vergingen viele Monate. Fast vier Jahre dauerte es nach dem Überfall, bis dem 31-Jährigen der Prozess gemacht wurde – die anderen beiden Tatbeteiligten konnten bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Seine Tatbeteiligung hatte der Angeklagte bereits am ersten Verhandlungstag eingeräumt. Der Erklärung des Angeklagten, man habe eigentlich einen Einbruch in das Haus verüben wollen, wenn die Familie nicht daheim ist, wertete die Strafkammer jedoch als Schutzbehauptung – ebenso wie die Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre Freiheitsstrafe beantragt hatte.

Der Angeklagte hatte sich bei der Familie aus Keeken entschuldigt

Der Angeklagte hatte sich am ersten Verhandlungstag bei der Familie aus Keeken entschuldigt. Auch sein letztes Wort am Montag nutzte der neunmal vorbestrafte 31-Jährige, um Bedauern zum Ausdruck zu bringen: „Es tut mir wahnsinnig leid, was passiert ist. Ich habe in meinem Leben sehr viele Fehler gemacht, und das war einer davon.“

Die Strafkammer würdigte im Urteil auch die erheblichen Folgen, die die räuberische Erpressung für die Familie hatte und noch hat. Der Vater, ein Unternehmer, sei immer noch nur eingeschränkt arbeitsfähig: Eine von mehreren gebrochenen Rippen habe seine Lunge verletzt, dauerhafte Beeinträchtigungen drohen.

Rippen gebrochen, Zähne beschädigt und psychische Folgen

Der Mutter hätten infolge eines Kinnhakens die Vorderzähne überkront werden müssen. Alle drei Familienmitglieder hätten noch mehr oder weniger stark mit den psychischen Auswirkungen zu kämpfen. „Vielleicht ist Ihnen hier vor Augen geführt worden, welche gravierenden Folgen das Ganze hatte“, sagte der Vorsitzende Richter Frank Janßen bei der Urteilsbegründung.

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