Europawahl 2019

Die Grünen sind im Kreis Kleve die Gewinner der Europawahl

Im Kreis Kleve waren 227.070 Menschen zur Stimmabgabe für die Europawahl aufgerufen.

Im Kreis Kleve waren 227.070 Menschen zur Stimmabgabe für die Europawahl aufgerufen.

Foto: Jens Uwe Wachterstorm

Kreis Kleve.  Die Grünen holen bei der Europawahl im Kreis Kleve 21,7 Prozent. CDU und SPD verlieren massiv. Wir haben Reaktionen der Parteien gesammelt.

Die Grünen sind die großen Gewinner der Europawahl 2019. Im Kreis Kleve legte die Partei von 8,7 auf 21,7 Prozent zu. Herbe Verluste musste die SPD hinnehmen. Die Sozialdemokraten verloren im Kreis zehn Prozentpunkte und rutschten auf 17,0 Prozent ab. Für die CDU ist es nicht minder dramatisch: Auch die Christdemokraten verloren zehn Prozent der Wählerstimmen und landeten bei 35,9 Prozent. Die FDP legte dagegen im Kreis zu: von 4,7 auf jetzt 7,1 Prozent. Das sind die Reaktionen der Parteien:

Günther Bergmann wollte „nichts schönreden: Das ist ein niederschmetterndes Ergebnis, das uns unglaublich weh tut“, sagte der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Kleve. Durch die satten Stimmverluste werden erstmals nicht mehr alle acht nordrhein-westfälischen CDU-Bezirke mit Abgeordneten in der EVP-Fraktion vertreten sein.

Auch mit Blick auf die Einbußen im Kreis Kleve zeigte sich Bergmann enttäuscht: „Wir sind wieder auf dem Niveau der Landtagswahl 2012. Danach haben wir allerdings bewiesen, dass wir aus einem Tief auch wieder herauskommen können. Dafür müssen wir nun wieder hart kämpfen.“

Am Einsatz habe es aber auch im diesjährigen Europawahlkampf nicht gelegen, befand Bergmann. „Der war so stark wie noch nie, weil alle gefühlt haben, dass die europäische Idee verteidigt werden muss. Das hat sehr motiviert.“ Es sei im Kreis Kleve geglückt, die Populisten im Zaum zu halten, so der CDU-Kreisvorsitzende.

Er kritisierte seine Partei im Umgang mit dem millionenfach geklickten Video des YouTuber Rezo: „Ich halte es für ausgesprochen unklug, etwas anzukündigen und dann nicht zu veröffentlichen“, sagte Bergmann über die letztlich ausgebliebene Video-Reaktion der CDU.

Bruno Jöbkes (Grüne) ist Kreissprecher seiner Partei und freute sich diebisch über das „phänomenale Ergebnis. Zwei Dinge sind mir wichtig: Zum einen freue ich mich, dass die Rechten keinen Durchmarsch hinbekommen haben, das ist für Europa sehr wichtig. Zum anderen haben wir Grünen mit unseren Themen punkten können. Und das war nicht nur das Thema Klimawandel. Auch die ungerechte Steuerpolitik in Europa hat viele Menschen bewegt“, sagte Jöbkes.

Er habe einen sehr offenen Wahlkampf erlebt: „Wir haben noch nie so viel Zuspruch erfahren. An unseren Wahlständen gab es immer eine offene Diskussion und es gab diesmal keine Beschimpfungen.“ Im Kreis Kleve haben die Grünen sogar noch besser abgeschnitten als auf Bundesebene: „Wir kamen von acht Prozent und liegen jetzt bei 22 Prozent. Das ist grandios.“ Am Sonntagabend feierte der Kreissprecher mit Parteifreunden im kleinen Wachtendonk: „Ich werde sicherlich ein Bierchen trinken.“

Hasan Alkas (SPD) war der einzige Europakandidat aus dem Kreis Kleve. Er zeigte sich am Sonntagabend sehr enttäuscht: „Es war bereits im Wahlkampf abzusehen, dass es nicht gut laufen wird. Wir haben zu viele handwerkliche Fehler gemacht und schlecht zu unseren Wählern kommuniziert. Wir wollten auf jedes Thema aufspringen, welches gerade en vogue ist.“ Die Quittung dafür habe man erhalten: „Wir haben in allen Altersgruppen Wähler verloren und unsere eigenen Stammwähler verprellt. Wir werden die Grünen nicht mit Umweltthemen überholen können.“

Alkas ging im Gespräch mit der NRZ hart mit seiner Partei ins Gericht: „Unsere Wahlkampforganisation mit den Trucks et cetera war handwerklich schlecht gemacht.“ Alkas erkennt, dass man bei den jungen Wählern gar keine Rolle gespielt habe: „Unsere Jusos haben Themen besetzt, die die jungen Leute nicht interessieren. Sie wollen keine Sozialismusdebatte, sondern sie interessieren sich für Digitalisierung, für Umweltthemen und künstliche Intelligenz. Da haben wir zu wenig geboten“, so Alkas.

Trotz leichter Zugewinne und einem Ergebnis über dem Bundestrend für die Kreis Klever FDP war deren Vorsitzender Stephan Haupt nicht völlig zufrieden: „Da ist noch Luft nach oben.“

Er beglückwünschte die Grünen dafür, das „richtige Thema, den Klimaschutz, so besetzt zu haben, dass es die Leute verstehen“. Die Liberalen müssten ihre Lösungen besser erklären. Haupt stellte dagegen erfreut fest, dass „die AfD, die für mich keine demokratische Partei ist, bei uns im Kreis nicht so stark abgeschnitten hat“.

Das Ergebnis für seine Partei im Kreis Kleve sei in etwa so zu erwarten gewesen, meinte der AfD-Kreissprecher Georg Bastian. Mit Blick auf das starke Resultat der Grünen sagte er: „Offensichtlich haben sich gerade viele Erstwähler von der Klima-Hysterie anstecken lassen. Wir halten es für fatal, dass ein nur vermeintlich wichtiges Thema die Wahlentscheidung derart beeinflusst.“

Ein mäßiges Ergebnis kommentierte Sabine Jordan (Die Linke). Die Kreisvorsitzende aus Kalkar ist dennoch mit dem Resultat zufrieden: „Wir haben es im Kreis Kleve generell schwer und von diesem Bundestrend haben wir uns auch nicht lösen können. Ich freue mich für die Grünen. Sorge bereitet mir allerdings das Abschneiden der AfD und der SPD. Uns sind soziale Fragen sehr wichtig und diese wurden diesmal nur am Rande angesprochen. Das ist schade.“

Das sind die Zahlen aus den Kommunen:

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