Raupeneinsätze

Der Kreis Kleve kämpft gegen den Eichenprozessionsspinner

Professionelle Schädlingsbekämpferin entfernen die Nester des  Eichenprozessionsspinners.

Professionelle Schädlingsbekämpferin entfernen die Nester des Eichenprozessionsspinners.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Kreis Kleve.   Fachfirmen, die den Eichenprozessionsspinner beseitigen, haben Hochkonjunktur. Es gibt viele Nester. Täglich bis vier Patienten im Krankenhaus.

Seit Ende April ist das Unternehmen Johannes Janßen nahezu ausgebucht. Die Firma aus Niedermörmter ist seit Wochen fleißig damit beschäftigt, die Nester des Eichenprozessionsspinners zu beseitigen. Sind bereiten zurzeit nicht nur Kommunen und Bauhöfen viel Arbeit, sondern sind auch für Privatleute zunehmend ein Ärgernis. Die haarigen Nester der unscheinbaren, gut 25 Millimeter kleinen Nachtfalter sorgen für eine regelrechte Eichenprozessionsspinner-Phobie am Niederrhein.

Bei einem Spaziergang durch die niederrheinischen Wälder sollte man sich gut schützen und Obacht geben. Denn die giftigen Brennhärchen des Eichenprozessionsspinners rufen ernsthafte Hautrötungen hervor und können auch zu Atemnot führen. Und so hört man von Kindergeburtstagen, die abgebrochen werden mussten, weil drei Kinder weinend unter extremen Hautrötungen litten und täglich suchen Menschen die Krankenhäuser auf, weil die Raupenhärchen Irritationen hervorrufen.

Enorm viele Aufträge gehen ein

Die momentane Aufregung ist also nicht unbegründet: An sehr vielen Bäumen hängen traubenartig die Nester der Raupen. Julia Schulz, Mitarbeiterin des Unternehmens Johannes Janßen, kann bestätigen, dass enorm viele Aufträge abgearbeitet werden müssen. Grundsätzlich sind Städte und Gemeinden für die Beseitigung der Nester nur auf öffentlichen Flächen zuständig. Privateigentümer hingegen, müssen sich selbst um das Problem Eichenprozessionsspinner kümmern. (https://www.johannes-janssen.com/bekaemfung-von-eichenprozessionsspinner.html).

Julia Schulz koordiniert die Einsätze ihres Unternehmens. Die Fachleute sind ständig unterwegs und können sich vor Aufträgen kaum retten. Auch wenn die „Prozessionszeit“ der Insekten so gut wie vorüber ist – die Raupen verpuppen sich nun und fliegen dann ab Ende Juli aus. Die Haare in den Nestern bleiben aber weiterhin gefährlich und können sogar bis in die Wintermonate hinein für Malaise sorgen, wenn sie nicht entfernt werden.

Fachunternehmen sind ausgebucht

Wer als Privatmann Hilfe bei der Beseitigung braucht, der muss lange suchen – auch jetzt noch. Die entsprechenden Firmen sind fast alle ausgebucht. „Bei uns müssen sie mit einer Vorlaufzeit von bis zu drei Wochen rechnen“, erzählt Schulz. Schließlich sind die Auftragsbücher voll. Hunderte Aufträge wurden im Frühjahr mit vorbeugenden Sprühmaßnahmen durchgeführt. Viele weitere laufen zur Zeit mit der Vernichtung von Nestern.

Bei Johannes Janßen sind es momentan vier Kolonnen, die sich nur um die Raupen kümmern. „Es ist auffällig, dass in diesem Jahr oft zweimal gespritzt werden musste, um zumindest den größten Teil der Raupen zu erwischen“, so Schulz. Mit einem einmaligen Sprühen sei es oft nicht getan, was am unterschiedlichen Entwicklungsstadium der Puppen gelegen habe, die mit dem rein biologischen Mittel bekämpft werden. Schulz erklärt: „Im Frühjahr werden die Raupen mittels biologischer Pflanzenschutzmittel (Bazillus thuringiensis Präparate) in den ersten beiden Larvenstadien (ohne Gifthaare) bekämpft. Das Mittel hat nur auf Raupen und nicht auf andere Tierarten oder Menschen eine Wirkung.“ Auf andere Insektenraupen allerdings schon.

Zurzeit werden die Nester einschließlich der enthaltenen Raupen mit leistungsfähigen Saugern entfernt. In voller Schutzmontur der Raupenbekämpfer. Eine weitere Möglichkeit ist das Abflämmen oder Absammeln der Nester. Das machen Privatleute oft in Eigenregie. Meistens, weil Unternehmen kaum mehr Kapazitäten haben oder aber auch, um Kosten zu sparen. Auf jeden Fall ein gefährliches Unterfangen, vor dem Privatleute die Finger lassen sollten.

Kleidung bei 60 Grad waschen

Doch was ist zu tun, wenn Kontakt mit den Brennhaaren bestand und es zu den allergischen Reaktionen kommt? Nach dem Kontakt mit den mit Widerhaken besetzten Brennhaaren der Raupen sollte man die Kleidung sehr vorsichtig ausziehen und bei 60 Grad waschen. Sich selbst duscht man am besten gründlich mit lauwarmen Wasser ab. Das kühlt und lindert Juckreiz. Apotheken können im Fall der Fälle Linderung mit Antihistaminika verschaffen.

Auch in den Notaufnahmen der Krankenhäuser sind Patienten mit den typischen, allergischen Symptomen nicht selten. Auch wenn nicht immer klar ist, ob Eichenprozessionsspinner-Larven die Auslöser sind, so sind es doch geschätzt drei bis vier Patienten täglich, die im Klever Krankenhaus aufgrund dieser Symptome Hilfe in der Notaufnahme suchen, so Sprecher Christian Wessels.

Weniger Betroffene werden aus Emmerich gemeldet: „In der Notaufnahme des St. Willibrord-Spitals Emmerich waren dort innerhalb der letzten beiden Wochen eine Handvoll Patienten – nicht viele also, aber mehr als im Vorjahr. Alle klagten über mehr oder weniger starken, juckenden Hautausschlag. Behandelt wurde mit Salbe, in schweren Fällen wurde ein Präparat über die Vene gespritzt. Fälle von Atemnot wegen des Spinners gab es in der Emmericher Notaufnahme bisher nicht“, teilte der NRZ auf Anfrage der zuständige Sprecher Gerd Heiming, pro homine mit.

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