Hochschule

Das Ende des Wachstums der Hochschule Rhein-Waal

Die Boomphase der Hochschule Rhein Waal in Kleve ist vorbei.

Die Boomphase der Hochschule Rhein Waal in Kleve ist vorbei.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services

Kleve/Kamp-Lintfort.  7300 Studenten sind im Wintersemester in Kleve und Kamp-Lintfort eingeschrieben. Doch die Boomphase der Hochschule Rhein Waal ist vorbei.

Es war ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte. Marie-Luise Klotz war Dekanin an der Hochschule Niederrhein, als sie einen Anruf bekam. Ob sie nicht Präsidentin einer der vier neuen Hochschulen in NRW werden wolle. Sie wollte und entschied sich für die Hochschule in Kleve und Kamp-Lintfort.

Ein bisschen Nostalgie kam auf, als sie von der Anfangszeit vor zehn Jahren sprach. Im Auditorium beim Studium Generale saßen gut 30 Leute, viele von ihnen Professoren und Mitarbeiter der ersten Stunde. Das übergeordnete Thema des Studium Generale lautet „Wachstum“. Tatsächlich lässt sich am Beispiel der Hochschule dieses Thema ganz gut fassen. Nur sechs Studenten hatten sich zum Start eingeschrieben – eine Katastrophe. Da half nur noch Marketing. „Wir wollten für jeden Studiengang 30 Studierende“, erinnert sich Marie-Luise Klotz.

Da kam sie auf die Idee, jedem Studenten ein Fahrrad, ein Laptop und ein Handy zu stellen. Eine Aktion, über die sogar die BILD-Zeitung berichtete. Der Coup gelang. Wie die Hochschule am Mittwoch bekanntgab, sind für das laufende Wintersemester 7312 Studierende eingeschrieben (1634 Neueinschreibungen). Das entspricht in etwa dem Niveau der zurückliegenden drei bzw. zwei Jahre.

Der Hochschul-Etat liegt bei 60 Millionen Euro

Damit ist dann aber auch das Ende der Fahnenstange wohl erreicht. Das machte Michael Strotkemper deutlich. Er ist Kanzler der Hochschule Rhein-Waal und damit auch für die Finanzen verantwortlich. Gab es in der Gründungsphase noch viel Geld und, wie er sagte, „eine gewisse Opulenz“, so ist die Hochschule mittlerweile eine von vielen und den normalen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Der Etat liegt bei etwa 60 Millionen Euro, von denen man aber nur mit 43 Millionen sicher rechnen kann.

Es kommt auf die Regelstudienzeit an

Ein weiterer großer Posten, etwa 12 Millionen Euro, wurde bislang vom Land so berechnet, dass viele Studierende mehr Geld bringen. Dies soll künftig anders werden. Dann zählen Abschlüsse und das Einhalten von Regelstudienzeiten. Ein Problem für die Hochschule, deren Studierende sich etwa zur Hälfte aus dem Ausland rekrutieren: „Ausländische Studierende brauchen nun mal im Durchschnitt länger“, berichtete Strotkemper. Kein Wunder, müssen sie sich doch an Kultur und Anforderungen länger gewöhnen. „Ich mache mir Sorgen, dass wir die technischen Anlagen auf dem modernen Stand halten können“, so Strotkemper.

Denn auch Projektmittel fließen nicht automatisch in neue Anlagen, wie Marie-Luise Klotz klarmachte. „Es gibt eine Grenze des Wachstums“, bilanzierte der Kanzler. Dazu gehört auch, dass die Anzahl der Professoren im Stellenplan des Landes auf 120 begrenzt ist. Mehr Studenten bedeuten daher, dass der einzelne Professor mehr Studenten zu betreuen hat, was sich wiederum auf die Qualität auswirken könnte. Und noch einen dritten Grund für das Erreichen der Grenze machte Strotkemper aus. Das ist der Fachkräftemangel. Leute für die Lehre oder auch nur Handwerker für nötige Arbeiten sind schwer zu bekommen. Droht jetzt der Abschwung? Strotkemper: „Wir müssen viel tun, um auf dem Niveau zu bleiben.“

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