Landgericht

Darknet-Dealer: entscheidender Hinweis aus der Post in Kleve

Der Dealer aus den Niederlanden verschickte Drogen über Postfilialen im Kreis Kleve.

Der Dealer aus den Niederlanden verschickte Drogen über Postfilialen im Kreis Kleve.

Foto: Oliver Berg/dpa

Kleve.  Im Prozess wegen Drogenhandels über das Darknet beschrieb ein Fahnder, wie der Zoll dem Angeklagten aus den Niederlanden auf die Spur kam.

Einer aufmerksamen Mitarbeiterin einer Postfiliale war es zu verdanken, dass die Ermittlungen einen entscheidenden Schritt vorankamen. Wie ein Mitarbeiter der Zollfahndung am Mittwoch als Zeuge vor dem Klever Landgericht erzählte, war die Suche nach dem Darknet-Dealer, der über die Plattform Dream Market Drogen in die ganze Welt versandte, auf den Raum Kleve/Emmerich eingegrenzt worden. Insbesondere in einer Postfiliale, die zu einem Supermarkt an der Keekener Straße in Rindern gehört, waren häufig Pakete mit illegalen Substanzen aufgegeben worden. Als die Fahnder mit einer Mitarbeiterin sprachen, erinnerte diese sich an einen „gut aussehenden Niederländer“, der regelmäßig Pakete verschicke.

Dieser „gut aussehende Niederländer“, das zeigten auch die Videoaufnahmen, die später im Gerichtssaal gezeigt wurden, war Richard W. Der 33 Jahre alte Mann aus Hilversum, der jetzt in Kleve angeklagt ist, im Ferienpaark Reewold ein großes Angebot an illegalen Drogen vorgehalten und via Postfilialen in Kleve, Emmerich und Rees in die ganze Welt versandt zu haben. Eine halbe Million Euro, schätzt die Staatsanwaltschaft, soll er mit dem florierenden Onlinegeschäft verdient haben.

So kamen die Fahnder dem Dealer auf die Spur

Der Zollfahnder, der am zweiten Prozesstag als Zeuge kam, berichtete, wie die Ermittler dem Dealer auf die Spur kamen. Zunächst habe er Hinweise aus dem „Sachgebiet 300, Informationsgewinnung“ erhalten. Die Abteilung hatte im nationalen Postzentrum am Frankfurter Flughafen 69 Briefsendungen mit Drogen abgefangen – und war sich sicher, dass diese einem Absender zuzuordnen waren.

In den Sendungen fanden sich unter anderem Pillen mit der Präfung „F1 Max Verstappen“. Die Fahnder scrollten sich durch die illegalen Marktplätze dieser Welt und fanden schließlich exklusiv bei einem Anbieter namens „berlinmannschaft“ dieses spezielle Produkt. Wer aber steckte hinter „berlinmannschaft“?Die Sendungen hatten eine weitere Gemeinsamkeit: Sie waren alle in den Postleitzahlbereichen 46 und 47 aufgegeben worden. Die Fahnder klapperten die entsprechenden Packstationen und Filialen ab und bekamen den Hinweis auf den Niederländer, der, so die Mitarbeiterin, trotz der regen Geschäftstätigkeit nie eine Quittung verlangt habe.

Fahnder tätigten zwei Scheinkäufe

Eine „Scheinkaufmaßnahme“, wie es in Fachkreisen heißt, brachte die Gewissheit, dass es in der Tat dieser Händler war, der die Tabletten vertrieb. DNA-Spuren, die – wie sich später herausstellen sollte – zu Richard W. passten, bekamen die Fahnder obendrein. Durch Auswertung der Überwachungskameras gelangten die Fahnder in den Besitz von Fotos.

Die endgültige Identifizierung gelang im August 2018, als eine Packstation am Bahnhof in Kleve überwacht und das Autokennzeichen des Mannes abgelesen werden konnte. Mittels eines zweiten Scheinkaufs setzten die Fahnder den Dealer nochmals in Bewegung zu dem Supermarkt in Rindern, dort erfolgte dann Ende des vergangenen Jahres der Zugriff. Wer sich das Profil von „berlinmannschaft“ auf Dream Market ansieht, findet den Hinweis, dass dieser bis zum 10. Dezember 2018 aktiv sei. Mittlerweile, so der Fahnder, handele es sich um einen „Zombie-Account“.

Ermittler gehen von Einzeltäter aus

Die Überwachung zeigte zur allseitigen Überraschung der Fahnder auch, dass W. trotz des Nicknames „berlinmannschaft“ keinerlei Komplizen hatte. „Die Ermittlungen ergaben, dass es sich offensichtlich um einen Einzeltäter gehandelt hat“, so der Fahnder. Die Amphetamine aus seinem Angebot habe er selbst hergestellt, den Rest offenbar zugekauft.

Der Prozess wird am 7. Oktober mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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