Ausstellung

Ausstellung in der Schule: 50 Jahre Pfalzdorf „Statt“ Goch

Johannes Verhoeven, Vorsitzender des HVV, präsentiert Ausstellungsstücke, die ab Sonntag, 30. Juni, zu sehen sind.

Johannes Verhoeven, Vorsitzender des HVV, präsentiert Ausstellungsstücke, die ab Sonntag, 30. Juni, zu sehen sind.

Foto: Markus van Offern (mvo)

Goch-Pfalzdorf.  Der Heimat- und Verschönerungsverein Pfalzdorf erinnert mit einer Sonderausstellung daran, wie die Pfalzdorfer sich wehrten, Gocher zu werden.

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Ein kleiner Buchstabe macht einen großen Unterschied und erzählt vom Selbstbewusstsein einer kleinen Gemeinde am Niederrhein mit einer besonderen Geschichte: Pfalzdorf. Auswanderer aus der Pfalz gründeten 1741 in der weitgehend unbesiedelten Gocher Heide eine Siedlung. Vor genau 50 Jahren wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde zu einem Ortsteil der Stadt Goch. Die Pfalzdorfer aber waren darüber wenig erfreut. In einer Nacht- und Nebelaktion änderten sie das grüne Ortsschild auf der Klever Straße in Höhe der Gaststätte Tön am Berg, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen. „Pfalzdorf Statt Goch“ war darauf zu lesen. Genau dies nahmen Johannes Verhoeven, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins (HVV) Pfalzdorf, und sein Team jetzt zum Anlass, eine Sonderausstellung „50 Jahre Pfalzdorf ,Statt’ Goch“, zusammenzustellen.

Es gab kein Zurück mehr

Eröffnung ist am Sonntag, 30. Juni, im Heimatarchiv in der ehemaligen Hauptschule St. Martinus an der Hevelingstraße. „Mit Händen und Füßen haben sie sich gewehrt, ihre Selbstständigkeit aufzugeben“, berichtet Verhoeven und zeigt eine Gegen-Petition der Gemeindeverwaltung aus dem Jahre 1968. Alternativvorschläge waren der Zusammenschluss von Pfalzdorf und Nierswalde oder die Idee, Pfalzdorf, Nierswalde und Louisendorf zusammenzulegen. Schließlich habe aber die Landesregierung in Düsseldorf entschieden, es gab kein Zurück mehr. „Erstes Kommunales Neugliederungsprogramm“ hieß das Gesetz, und am 1. Juli 1969 war die Eingemeindung offiziell. „Danach brach in Pfalzdorf etwas zusammen“, so Johannes Verhoeven. Hinzu kam, dass der Gemeindedirektor Heribert Ramrath genau ein Jahr vor der Eingemeindung plötzlich verstarb. „Er war ein ‘Macher’ und hatte die Gemeinde mit starker Hand geführt“, sagt Verhoeven.

Schachball bei Tön am Berg

Es gab drei Schulen, einen Kindergarten, ein Altenheim, einen Bahnhof und mehrere kleine Unternehmen. Wirtschaftswege waren schon größtenteils asphaltiert. Gesellschaftliche Großereignisse seien der Schachball (vom Schachverein) und der Jägerball gewesen. Sie fanden bei Tön am Berg statt, dem Gasthaus an der Klever Straße, das 2014 geschlossen und 2015 abgerissen wurde. Ramrath hatte im Jahre 1959 den Heimat- und Verschönerungsverein Pfalzdorf gegründet. Auch dieser habe nach dessen Tod einen „Bruch“ erfahren, erzählt Verhoeven. Erst 1991, mit der Jubiläumsfeier „250 Jahre Pfälzer am Niederrhein“, habe es viele neue Impulse gegeben.

Reicher Fundus des HVV Pfalzdorf

Die Ausstellung „50 Jahre Pfalzdorf ,Statt’ Goch“ beschäftigt sich auch eingehend mit den Bürgermeistern von Pfalzdorf bis zur Eingemeindung. Die Besucher können deren Foto-Porträts betrachten und die Daten ihres Wirkens nachlesen. Manch einer wird bekannte Namen entdecken. Der erste Bürgermeister zum Beispiel hieß Georg Puff (geboren 1751, gestorben 1816). Zu seiner Zeit nannte ein Pfalzdorfer Bürgermeister sich noch „Maire“, die französische Bezeichnung, denn die Bestellungsurkunde von Georg Puff trägt den Stempel der französischen Republik. Aus dem reichen Fundus des HVV Pfalzdorf werden die Besucher viele Fotos sehen aus vergangener Zeit. Hinzu kommt eine Fülle von Dokumenten, zum Beispiel eine alte Kladde mit handgeschriebenen Protokollen der Baukommission der Gemeinde Pfalzdorf von 1902 bis 1923. Wie Verhoeven mitteilt, hat der Gocher Dieter Bullack diese übertragen und lesbar gemacht. Interessantes Detail ist, dass nach der Eingemeindung Straßennamen geändert werden mussten, damit sie nicht doppelt vorkamen. Auch in Goch gab es zum Beispiel eine Kuhstraße, die wurde zu Am Steintor.

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