St.-Antonius-Hospital

Aromatherapie auf Intensivstation im Klever Krankenhaus

Kirsten Ballasus mit einem Fläschchen Duftöl.

Kirsten Ballasus mit einem Fläschchen Duftöl.

Foto: Andreas Daams

Kleve.  In der Intensivstation des St.-Antonius-Hospitals setzt man auf ätherische Öle. Sie sollen den Genesungsprozess der Patienten unterstützen.

Es duftet nach Pfefferminz und Orange. Nach Lavendel. Nach Weihrauch und Sandelholz. Nur nicht nach Krankenhaus. Das St.-Antonius-Hospital setzt in der Intensivstation in Kleve auf ätherische Öle, um den Genesungsprozess der Patienten zu unterstützen. Zehn Patienten in acht Zimmern können hier betreut werden. Klar, dass an den Wänden jede Menge Apparate stehen. Aber temperierte Lichtleisten? Farbig gestrichene Wände? Düfte? Das ist nicht das, was man als Besucher erwartet.

Gesundheits- und Krankenpflegerin Kirsten Ballasus ist seit 27 Jahren im Dienst. Neben dem Job arbeitet sie noch als Hunde-Krankengymnastin. „Dort setzte ich schon lange Lavendelduft ein, der auf die Hunde beruhigend wirkt“, erzählt sie. Irgendwann kam sie auf die Idee, warum man die erwiesenen Wirkungen von ätherischen Ölen nicht auch bei Patienten auf ihrer Station nutzt. „Stationsleitung und Pflegedienstleitung waren offen dafür“, berichtet sie über den Start der Aromatherapie.

Und siehe da: Einige Ärzte kannten das Verfahren schon aus anderen Kliniken. In der Altenpflege ist es weit verbreitet, sogar in den Häusern, die zum Klinikverbund gehören. Nur hatte bislang niemand die Querverbindungen gezogen.

Kurs in Heilpraktikerschule absolviert

Das tat nun Kirsten Ballasus. Sie besuchte einen einwöchigen Kurs an der Paracelsus Heilpraktikerschule in Mönchengladbach, erarbeitete ein Konzept für ihre Station und brachte ihren Kolleginnen und Kollegen das Know-How bei. „Im Vorfeld mussten wir natürlich abklären, was in Sachen Hygiene erlaubt ist, welche Öle wir verwenden dürfen und wie wir sie anwenden können.“ Hand- oder Fußmassagen mit Ölen beispielsweise sind möglich. Die Einnahme nicht.

Das Ergebnis lässt sich – nun ja, riechen. Wobei die Düfte eben nicht wahllos gestreut werden. Kirsten Ballasus: „Wir schauen genau, welcher Duft für welchen Patienten geeignet ist.“ Haben die Düfte doch ganz eigene Eigenschaften. Lavendel beruhigt, Zitrusduft hellt die Stimmung auf und wirkt antidepressiv, bei einer Mischung von Pfefferminz und Orange lassen sich Schmerzen besser ertragen, Rosmarin wirkt blutdrucksteigernd, Eukalyptus schleimlösend.

Ein Duft kommt nicht gut an

Nicht nur die Patienten nehmen die Aromatherapie gerne an, auch die Besucher. Und nicht zuletzt die Leute, die hier arbeiten – die riechen die Düfte ja schließlich ebenso. „Wenn die Grippesaison kommt, arbeiten wir viel mit Zitrusdüften, denn die haben auch eine antivirale und antibakterielle Wirkung“, sagt Ballasus. Die Resonanz ist auch über den medizinischen Nutzen hinaus durchweg positiv: „Die Öle sorgen für ein besseres Raumklima, das Patienten, Angehörige und Mitarbeiter als sehr angenehm empfinden“, sagt Tim Wieggers, Stationsleitung der Intensivstation.

Gibt es denn auch Fälle, in denen Düfte bei den Patienten nicht gut ankommen? Kirsten Ballasus weiß von einem Duft: Rosenöl. Das setzt man auch gerne zur Sterbebegleitung ein – vielleicht haben manche Patienten deshalb eine unbewusste Abneigung dagegen. Für die Pflegerinnen und Pfleger bedeutet die Aromatherapie zusätzliche Arbeit. Sie haben ein Täschchen mit den verschiedenen Ölen, meistens macht jemand morgens eine Duft-Runde durch die Zimmer, nachmittags wird noch mal aufgefrischt, und nachts – so darf man vermuten – kommt dann wohl mehr Lavendelduft zum Tragen. Der hilft nämlich auch beim Einschlafen.

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