Interview

Zwischen Baustelle und Konzertsaal

Der „Choir of Man“ kommt auf seiner Tour auch nach Iserlohn.

Der „Choir of Man“ kommt auf seiner Tour auch nach Iserlohn.

Foto: Privat

Iserlohn.  Vor seinem Auftritt in Iserlohn: Ein Interview mit Johnny Sheehy vom „Choir of Man“.

Am Mittwoch, 30. Oktober, um 20 Uhr kommt der „Choir of Man“ ins Parktheater. 2017 feierte die Show Uraufführung beim „Edinburgh Fringe“. 2018 und 2019 eroberte sie die Herzen der Zuschauer in Kanada und den USA. Von Anfang an mit dabei war der Ire Johnny Sheehy (34), Baustatiker, BWL-Absolvent, Yoga-Lehrer und Halbfinalist bei „The Voice of Ireland“ 2015. In der Pub-Party-Show spielt der Mann aus Cork den Casanova. Im Interview erzählt er über deutsche Frauen, deutschen Fußball und deutsches Bier.

Vom Baustatiker zum Bühnendarsteller ist ein interessanter Weg. Wie kam es dazu?

Johnny: Die Bühne war schon immer meine große Leidenschaft. Darum bin ich nach dem Abschluss meines Ingenieurs- und BWL-Studiums direkt auf die Schauspielschule in Cork gegangen und habe mich dort eingeschrieben. Danach bin ich noch auf die Liberatus School of Performing Arts nach Swindon (England) gegangen für eine professionelle Tanzausbildung.

Ihre erste große Bühnenerfahrung war im Bereich Gesang bei „The Voice of Ireland“ . . .

Richtig, das war 2015 und ich habe es bis ins Halbfinale geschafft. Das war eine ganz außergewöhnliche Erfahrung. 2016 habe ich dann mit Shauna Lea Nolan den Song „Lay your Head down“ aufgenommen. Als sie mich für die Aufnahmen angefragt hatten, dachte ich, dass ich als Background-Sänger agieren soll. Erst im Studio wurde mir klar, dass ich mit ihr gemeinsam singen darf. Die Single war sogar Platz Eins in den irischen Charts. Mit den Erlösen aus dem Verkauf haben wir die Obdachlosenhilfe unterstützt und da ist ordentlich Geld zusammengekommen. 2016 bin ich auch erstmals mit der Idee vom „Choir of Man“ in Berührung gekommen. Das Konzept hat mir auf Anhieb gefallen – und so bin ich dort gelandet.

Und seitdem dreht sich alles in ihrem Leben um Bühne und Shows?

Nicht alles, ich arbeite zwischen den Shows und Tourneen immer noch in meiner Heimatstadt Cork als Baustatiker in der Immobilen-Entwicklung und bei Renovierungen. Damit möchte ich auch nicht aufhören. Außerdem war ich zweimal in Indien, um mich als Yoga-Lehrer ausbilden zu lassen – auch Yoga spielt in meinem Leben eine bedeutende Rolle. Aber der Choir of Man nimmt aktuell definitiv die meiste Zeit in Anspruch.

Im Choir of Man dreht sich alles um biertrinkende Männer – wie erklären sie sich den Erfolg eine solchen Konzeptes?

Na ja, vor allem haben diese biertrinkenden Männer ja alle einige besondere stimmliche und tänzerische Talente. Und auf der Bühne trinken wir auch nur alkoholfreies Bier. Obwohl, um ehrlich zu sein, bei der ersten Show haben wir noch echtes Bier getrunken. Am Ende des Auftritts konnten die meisten von uns kaum noch gerade stehen. So haben wir uns für die alkoholfreie Show-Variante entschieden. Für die Zuschauer schafft die Pub-Atmosphäre eine gewisse Nähe und Vertrautheit. Die verschiedenen Charaktere helfen dabei, sich in der Bar heimisch zu fühlen. Außerdem bekommen die Zuschauer natürlich echtes Bier, schließlich ist es ja eine echte Pub-Party.

Sie spielen im Choir of Man den Casanova – ist das auch ihre Rolle im echten Leben?

Ich denke nicht. Interessanterweise hat der Regisseur bei den ersten Proben gar nicht gewusst, welchen Charakter ich im Pub spielen soll. Erst bei den Proben wurde ihm plötzlich klar, du bist der Casanova in der Truppe. Nach drei Jahren kann ich auf jeden Fall bestätigen, dass wie weiblichen Zuschauer mir die Rolle offenbar voll abnehmen. Obwohl ich mich im echten Leben ganz und gar nicht als Casanova sehe.

Frage: Im Oktober geht es auf Deutschland-Tour, wird das ihr erster Deutschlandbesuch?

Im Grunde ja. Ich war zwar schon in München und Frankfurt. Aber das war nur am Flughafen auf der Durchreise. Ansonsten war ich bisher nur in Österreich zum Skifahren. Jetzt freue ich mich aber sehr darauf, Deutschland etwas besser kennen zu lernen.

Frage: Was fällt Ihnen denn zuerst zu Stichwort Deutschland ein?

Auf jeden Fall Jürgen Klopp. Ich bin absoluter Liverpool-Fan und Klopp ist einer der großartigsten Trainer, den es gibt. Ich habe ihn sogar persönlich kurz kennen gelernt und er scheint auch privat ein toller Kerl zu sein. Ich habe gehört, dass sich manche Deutschen wünschen, dass Jürgen Trainer der deutschen Nationalmannschaft wird. Aber die ist doch auch so schon gut genug. Ich hoffe, er bleibt noch lange bei Liverpool.

Frage: Und was fällt Ihnen außerdem noch zu Deutschland ein?

Vor allem, dass ich während meines Studiums zwei Jahre Deutsch gelernt habe – und heute nicht einmal mehr auf Deutsch ein Bier bestellen kann. Ich erinnere mich aber noch an die Kampagne „Du bist Deutschland“. Die Spots dazu haben wir im Unterricht geschaut und ich fand dieses neue Nationalgefühl sehr interessant. Zu guter Letzt hatte ich schon einige Begegnungen mit Frauen aus Deutschland. Das war sehr beeindruckend. Sie waren meist sehr weltoffen und aufgeschlossen – und die Gespräche waren fast immer auf einem recht hohen intellektuellen Niveau.

Frage: Wie wird es für sie nach der Deutschland-Tournee weitergehen?

Ich will auf jeden Fall beim Choir of Man weiter dabei sein. Wir haben in so kurzer Zeit schon so viel erreicht. Als nächstes würde ich gerne mit der Show in Las Vegas oder am Broadway auftreten. Außerdem wollen wir 2020 auch wieder in Deutschland auf Tour gehen – dann gerne mit mehr Städten als dieses Mal.

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