Kriminelles

Zehn Jahre Haft für erpresserischen Menschenraub

Das Landgericht verurteilte einen 45-jährigen Iserlohner zu einer Haftstrafe von zehn Jahren. Sein Verteidiger hatte Freispruch beantragt.

Das Landgericht verurteilte einen 45-jährigen Iserlohner zu einer Haftstrafe von zehn Jahren. Sein Verteidiger hatte Freispruch beantragt.

Foto: Thomas Krumm

Hagen/Iserlohn/Altena.  Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Vergeblich. Sein 45-jähriger Mandant aus Iserlohn muss für zehn Jahre ins Gefängnis.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vier Monate nach Prozessbeginn ist jetzt das Urteil gegen einen 45-jährigen Iserlohner gesprochen worden. Die 1. große Strafkammer des Landgerichts Hagen verurteilte den Mann wegen erpresserischen Menschenraubs und versuchter räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von neun Jahren. Der vorangegangene Einbruch in das Wohnhaus des Altenaer Jungunternehmers schlug mit drei Jahren zu Buche.

Da Juristen anders addieren als Mathematiker, ergab das eine Gesamtstrafe von zehn Jahren. Die Kammer sei nach der Beweisaufnahme davon überzeugt, „dass es der Angeklagte war, der am Tatort war“, erklärte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz nach einer monatelangen Beweisaufnahme und nannte das aussagekräftigste Indiz für die Täterschaft des Angeklagten: Das ihm zuzurechnende genetische Material auf einer Zigarettenkippe und einer Wasserflasche in der Wohnung. „Ein DNA-Transfer ist unwahrscheinlich“, befanden die Richter, nachdem ein Gutachter die Möglichkeit einer solchen Übertragung nicht völlig ausgeschlossen hatte. Der Angeklagte hatte behauptet, dass die Täter Kleidung von ihm getragen hatten und die Spur beim Abwischen einer Wasserflasche gelegt hätten. Seine DNA an der Zigarettenkippe hätten die Täter beim Ausräumen einer Tasche seiner Jacke ins Klo des Opfers geworfen. Die Zeugenaussagen hätten gezeigt, dass der Angeklagte nicht aus im Knast erlernter Sparsamkeit - wie von ihm behauptet - Zigarettenstummel in seinen Taschen gehortet habe, stellte der Richter fest.

Das angebliche Alibi für die Tatnacht vom 10. auf den 11. Dezember 2016 hielt die Kammer für widerlegt. Die vom Angeklagten benannten Zeugen hätten keine verlässlichen Angaben über einen alternativen Aufenthaltsort des Angeklagten machen können. Außerdem sei es nicht schlüssig, dass der 45-Jährige bei seiner ersten polizeilichen Vernehmung nichts von diesem angeblichen Alibi gesagt habe. Stattdessen habe er behauptet, dass er in der Tatnacht in einer Fachklinik in Olsberg gewesen sei.

Ausdrücklich distanzierte sich die Kammer von der Aussage des Tatopfers: Die Kammer stütze ihr Urteil nicht auf dessen Aussage, betonte der Vorsitzende. Zur Begründung verwies er auf eine „überschießende Belastungstendenz“ des 21-jährigen Opfers, das vor seiner Aussage Akteneinsicht durch seinen Anwalt erhalten hatte. Dieser Umstand beeinträchtigte aus Sicht des Gerichtes den Wert seiner Aussage, in deren Verlauf er den Angeklagten als einen der Täter identifizierte.

Bundesgerichtshof sollnun das Urteil überprüfen

Dass er an dem Täter in jener schrecklichen Nacht eine Warze entdeckt haben wollte, empfanden die Richter nicht als Problem: Zwar habe der Angeklagte keine solche Warze. Da die Täter aber Perücken und Bärte getragen hatten, sei es denkbar, dass sie sich auch eine Warze aufgeklebt hatten. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig. Verteidiger Andreas Trode, der einen Freispruch beantragte, kündigte an, die Entscheidung durch den Bundesgerichtshof überprüfen zu lassen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben