Corona

„Wohnortnahes Angebot“ für Schnelltests im Märkischen Kreis

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Per Videokonferenz stimmte der Landrat mit der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern aus dem Kreis die Teststrategie ab. Den Austausch darüber und weitere Fragen zu Corona soll es auf diese Weise jetzt regelmäßig geben, das nächste Mal am kommenden Freitag.

Per Videokonferenz stimmte der Landrat mit der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern aus dem Kreis die Teststrategie ab. Den Austausch darüber und weitere Fragen zu Corona soll es auf diese Weise jetzt regelmäßig geben, das nächste Mal am kommenden Freitag.

Foto: Robin Vorsmann/Märkischer Kreis

Iserlohn.  Während der Grund für den hohen Inzidenzwert im Kreis unklar ist, haben der Landrat und die Bürgermeister über eine Test-Strategie gesprochen.

Den vierten Tag in Folge nahm der Märkische Kreis am Freitag den traurigen Spitzenplatz in der Inzidenz-Rangliste in Nordrhein-Westfalen ein. Warum der Sieben-Tages-Wert mit 124,1 fast doppelt so hoch ist wie im Landesschnitt (63,9), bleibt unklar. Klar ist hingegen, dass der NRW-Wert für alle gilt – und die gestern Mittag vom Land verkündeten Lockerungen ab Montag unter anderem für den Einzelhandel damit auch im Märkischen Kreis.

Abgesehen von Corona-Ausbrüchen in Firmen, unter anderem in Menden und Halver, und einige Tage davor in Krankenhäusern könne man die hohen Infektionszahlen an „keinem bestimmten Ereignis“ festmachen, erklärte Volker Schmidt, Fachbereichsleiter Gesundheit und Soziales beim Kreis, auf Anfrage und spricht von einem „diffusen Infektionsgeschehen“: „Es ist nicht an einem Schwerpunkt festzumachen.“ Waren es vorher die Fälle in den inzwischen durchgeimpften Pflegeheimen, gebe es jetzt vermehrt Infektionen in anderen Einrichtungen, Krankenhäusern, Schulen und Kindertagesstätten. Eine neue Entwicklung sei auch, dass in Familien jetzt nicht mehr meist nur ein Mitglied, sondern gleich mehrere Angehörige betroffen seien. „Das hängt mit der größeren Ansteckungsgefahr durch die Mutationen zusammen.“

Bei der Kontaktverfolgung und der Information der möglicherweise Infizierten sei das Gesundheitsamt aber „sehr schnell“ und „sehr tagesaktuell“. Momentan sei ausreichend Personal vorhanden. „Wenn es durch die Schnelltests zu noch mehr Fällen kommt, müssen wir da vielleicht noch mal nachsteuern“, sagte Schmidt. Die hohe Inzidenz sei aber auch nicht auf zu wenig Mitarbeiter zurückzuführen: „Eher im Gegenteil: Je akribischer man nachverfolgt, um so mehr Infektionsfälle findet man.“ Grundsätzlich sei es eine „detektivische Ermittlungsarbeit“, bei der man auf die Angaben der Betroffenen angewiesen sei, die vielfach nicht nachvollziehen könnten, wo sie sich infiziert haben. Die Rückverfolgung sei deswegen „nur sehr begrenzt möglich“. Die von der Bundeskanzlerin genannten 25 Prozent, bei denen man wisse, in welchem Bereich die Infektion erfolgt sei, erreiche man daher vor Ort bislang noch nicht einmal.

Eine gute Hilfe beim schnelleren Finden von „Infektionsclustern“ können indes Schnelltests sein. Um für die Bürger im Kreis „ein niederschwelliges und wohnortnahes Angebot zu schaffen“, bei dem sie einmal pro Woche „vor Ort die Möglichkeit haben, sich testen zu lassen, ohne längere Wege auf sich nehmen zu müssen“, hat sich Landrat Marco Voge laut einer Pressemitteilung des Kreises gestern in einer Videokonferenz mit den Bürgermeistern abgestimmt. Auch wenn die dabei zu berücksichtigenden Landesvorgaben noch ausstünden: In einem nächsten Schritt sollen zunächst Anbieter wie Apotheken, Ärzte, Labore und Hilfsorganisationen abgefragt werden, die künftig nach Beauftragung durch den Kreis und die Kommunen Schnelltests vor Ort anbieten möchten. In Vorbereitung sei auch, etwaige Lücken in den Versorgungsstrukturen unter Umständen mit mobilen Teams zu schließen und die Test-Kapazitäten an den beiden Abstrichstellen in Iserlohn und Lüdenscheid zu erhöhen, um dort auch Schnelltests anzubieten.

Mit Blick auf die neue Verordnung des Landes und die ersten Öffnungsschritte sagte Landrat Voge laut einer Pressemitteilung von Freitagabend: „Die Perspektive zurück zur Normalität ist wichtig in Hinblick auf die sozialen und psychischen Folgen, aber auch für unsere Wirtschaft.“

Appell zu Umsicht, Vorsicht und Disziplin

Die im Vergleich zum Landesschnitt leider noch sehr hohe Inzidenz im Kreis sei indes „nur ein Baustein von vielen“ bei der Beurteilung der Situation. „Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Aspekte, die unser gesamtes Lagebild vervollständigen und in die Überlegungen einbezogen werden.“ Man werde die Situation im Krisenstab „weiter genau analysieren und wenn nötig auch strikte Maßnahmen einleiten“. „Mein Wunsch ist, dass wir die Öffnungsschritte auch hier zukünftig mitgehen können. Grundlage dafür ist, dass die Inzidenzzahl sinkt“, sagte Voge und appellierte zusammen mit dem Krisenstab, „umsichtig, vorsichtig und diszipliniert mit den wiedergewonnenen Möglichkeiten umzugehen“.

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