Ortsleben

Wo Elben auf Hippos im Tütü treffen

Das Programm beim Sitzungskarneval in Hennen bot beste Unterhaltung.

Das Programm beim Sitzungskarneval in Hennen bot beste Unterhaltung.

Foto: Michael May

Hennen.   In Hennen sorgt der „beste Karneval der Welt“ drei Tage lang für tolle Stimmung.

Draußen ist gerade Hochwürden ins Licht gegangen, denn auf dem Parkplatz ist es finster, und das Festzelt der Kolpingsfamilie Hennen ist bereits hell erleuchtet und von Weitem zu erkennen. Alles ist geschmückt und bereit für „den besten Karneval der Welt“, wie es in der Ankündigung heißt, und folgerichtig wird hier der Eingang bereits am Freitagabend erstmals zum Laufsteg, auf dem Kostüme präsentiert werden können.

Und da zeigen sich etwa Pharaoninnen neben Römern recht luftig, gut nur, dass die Heizung im Zelt funktioniert und der Parkplatz nahe ist. Einem dickbäuchigen Diego Maradona klebt der Ball auffällig gut am Fuß, ein Hippo im rosa Tütü hat Mühe, seinen Bewegungsdrang im Zaun zu halten. Aber getanzt werden darf ja später. Auch der Vorsitzende der Hennener Kolpingsfamilie, Michael Glowalla, ist bereits vor dem Auftakt „auf Zündung“, was auch sonst, „Helle für lau“ ist ja nur einmal im Jahr.

„Hennen ist das Gegenteil von Bundesliga“

Pünktlich um 19.19 Uhr ziehen dann unter dem Jubel von mehreren Hundert Jecken der Elferrat und das Prinzenpaar Heike I. und Peter IV. ins Festzelt ein. Mit dabei Jugendtanzkorps und Tanzkorps Blau-Weiß Hennen, sogleich ist Leben in der „Bude“. Sitzungspräsident Benedikt Lowinski begrüßt die Gäste und dankt den 120 Helfern vor und hinter der Bühne. „Das hier ist das Gegenteil von Bundesliga. Hier haben die Aktiven keine Verträge und bleiben trotzdem“, witzelt Lowinski.

Apropos bleiben – einen besonderen Applaus gibt es für Dimitrios Axourgos. Der Iserlohner SPD-Fraktionschef ist im Superman-Kostüm erschienen, wohlweislich womöglich, könnte der Sozialdemokrat doch bald als neuer Bürgermeister den Abflug nach Schwerte machen. „Batman“ Mike-Sebastian Janke wird Iserlohn demnach als umtriebiger Baurat wohl erhalten bleiben – der dunkle Ritter kann ja bekanntlich nicht fliegen.

Nach der Parade der Jugend geht es mit dem Original Ruhrtaler Moritatentrio zunächst traditionell karnevalistisch los. Teils kölsches Liedgut etwa zum Dom, der ja bekanntermaßen in Köln bleiben soll, und auch bei „Durst wird durch Bier erst schön“ ertönt kein Widerspruch. Spannend wird es bei den „Fireflies“. Die bieten eine Art Mischung aus Tanz und Jonglage mit Leuchtelementen unter Schwarzlicht, dazu Hits wie „Herzbeben“ oder „Cotton Eye Joe“, da stehen die letzten Reihen, wo die Jugend sitzt – ein erstes Indiz dafür, dass das gemischte Programm der Kolpingsfamilie bei Jung und Alt ankommt. Ein früher musikalischer Höhepunkt ist Robin Beckmann, der „Barde aus dem Nachbarkaff“. Eine Swing-Nummer und mit „Gardetanzpuppe“ ein Blues, letzteres gänzlich unkarnevalistisch eigentlich, und dennoch frenetisch bejubelt.

Zwischen Tanz und Musik lockern immer wieder Sketsche die Stimmung auf. Da interagieren beispielsweise „Gripposaurus Rex“ und „Diarrhö“ („ich hab als Durchfall nie ‘ne feste Beziehung gehabt“). Da bieten „Maggot anne Theke“ und Astrid aus dem Dorfkrug Hennen-Insider. Letztere bekommt Besuch von der lokalen Prominenz, vom Löschgruppenführer bis zur Pastorin,und am Ende singen alle „Griechischer Wein“. Und das mehrfach.

Besonders am Samstag ist das Zelt proppevoll

Die Prinzengarde beweist bei ihrem Twist individuell abweichendes Rhythmus-Verständnis. Da wirken die tänzerischen Leistungen, etwa von den „Liebesperlen“, von „Golden Girls“, „Flotten Bienen“ oder „Hellemäuschen“ – ohne die Leistungen der Herren der Schöpfung schmälern zu wollen – doch etwas besser einstudiert. Nach dem Finale, das alle nochmal auf die Bühne führt, wird mit Musik von Jens Dreesmann und Joanna Toader bis in die Nacht weiter gefeiert.

Ist das Zelt am Freitag schon sehr gut besucht, kommen am Samstag sogar rund 600 Besucher. Am Sonntag läutet der Umzug mit Festwagen ab der Sparkasse zum Zelt den Karnevalsabschluss ein.

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