Landwirtschaft

„Wir arbeiten mit der Natur“

Lutz Bedehäsing (v.li.) mit Tochter Clara, Heinrich Becker-Horst und Julian Topp verteilen vor dem Rewe-Markt in Hennen 50-Gramm-Tüten mit Blühsamen.

Lutz Bedehäsing (v.li.) mit Tochter Clara, Heinrich Becker-Horst und Julian Topp verteilen vor dem Rewe-Markt in Hennen 50-Gramm-Tüten mit Blühsamen.

Foto: Stefan Drees

Hennen.  Die örtlichen Landwirte verteilten am Freitag Blühmischungen vor einem Hennener Supermarkt.

Auch viele heimische Landwirte beteiligen sich an der Aktion „Land schafft Verbindung“, eine verbandsunabhängige Initiative der Landwirtschaft. Unter dem Motto „NRW blüht auf“ verteilten am gestrigen Freitag die Landwirte Heinrich Becker-Horst, Lutz Bedehäsing und Julian Topp vor dem Rewe-Markt in Hennen Samenmischungen mit Blühpflanzen, die Bienen mehr Nahrung bieten sollen. „Wir wollen mit den Verbrauchern ins Gespräch kommen“, nannte Lutz Bedehäsing einen Beweggrund. Und es solle erreicht werden, dass jeder über das Thema Insektensterben nachdenke. Und man wolle sich gegen die verbreitete Auffassung wehren, die Landwirtschaft sei der einzige Verursacher dieses Problems. In einer fairen Debatte, so Bedehäsing, müssten sämtliche Ursachen beleuchtet werden.

50 Gramm Samen enthalten die verteilten Tüten, ausreichend für mindestens fünf Quadratmeter. Gewählt worden sei eine einfache robuste Mischung, damit möglichst jeder auch den gewünschten Erfolg erzielen kann. Theoretisch reicht es aus, die Mischung einfach im Garten auszustreuen. Heinrich Becker-Horst rät aber dazu, die Samen leicht in den Boden einzuarbeiten, damit keimende Samen nicht gleich wieder vertrocknen. Und, so Julian Topp, es müsse nicht immer der klassische Garten sein. Auch Kübel auf Terrasse oder Balkon könnten zur Aussaat genutzt werden. Bester Zeitpunkt zur Aussaat ist der April.

Überdüngung nicht im Interesse der Landwirte

Julian Topp betonte, dass Landwirte anders als oft behauptet nicht gegen Insektenschutz seien. Für eine erfolgreiche Arbeit sind wir ja auch auf Insekten angewiesen“, sagt Topp. Es gebe aber auch Schädlinge, die bekämpft werden müssten. Er forderte, Maßnahmen nach wissenschaftlichen Ansätzen und nicht nach Ideologien zu entwickeln. Die Landwirtschaft sei nicht der Hauptverursacher des Klimawandels. Pflanzen würden schon aus ökonomischen Gesichtspunkten nur so viel Nährstoffe zugeführt, dass sie gut versorgt sind. „Wir arbeiten mit der Natur und sind somit auch auf die Natur angewiesen“, sagte Topp. Und es gebe ja strenge Kontrollen, auch bei der Gülleausbringung, ergänzte Lutz Bedehäsing.

So sei sein Betrieb kürzlich komplett durchleuchtet worden. Er kritisiert, dass Vorschriften, wonach in einigen Gebieten Landwirte nur 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanzen düngen dürften, erhebliche Auswirkungen auf die Erträge habe. Dann könne beispielsweise Backweizen – das ist Weizen, der im Gegensatz zum Futterweizen die Qualität zur Mehlherstellung besitzt – nicht mehr angebaut werden.

Lob für die Blühstreifen an Rändern der Felder

Passanten griffen beim Angebot der Landwirte gerne zu, lobten bisweilen die Aktion und bezogen dabei die Blühstreifen, die viele Landwirte mittlerweile an den Rändern ihrer Felder anlegen würden, mit ein. Und gerne ließen sich die „Kunden“ Tipps geben, wie sie die Samenmischung am besten zum Blühen bringen.

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