Kunstszene

„Who is Who“ der Kunst in der Villa

Die Expressionisten-Ausstellung in der Villa Wesssel an der Gartenstraße 31 dürfte zum Publikumsmagneten werden. Bis zum 13. April sind Hochkaräter der europäischen Kunstszene zu sehen.

Die Expressionisten-Ausstellung in der Villa Wesssel an der Gartenstraße 31 dürfte zum Publikumsmagneten werden. Bis zum 13. April sind Hochkaräter der europäischen Kunstszene zu sehen.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Hochkarätige Beispiele des Postexpressionismus und des Expressionismus sind ab heute in der Villa Wessel zu sehen.

Diese Ausstellung dürfte zu einem Publikumsmagneten werden: Die Villa Wessel zeigt ab heute „Beispiele des Postexpressionismus und des Expressionismus aus einer rheinischen Privatsammlung“ und hüllt sich zum stolzen Besitzer in Schweigen. Diskretion Ehrensache. Kurator Joachim Stracke: „Ich habe den Sammler besucht und aus seiner Sammlung einige Hochkaräter ausgewählt.“

Auf der Einladungskarte und dem Plakat ist davon bereits einer zu sehen: Max Slevogts Gemälde zweier Eichelhäher aus dem Jahr 1889. Das Ölbild auf Malkarton befand sich ehemals in der Gemälde-Sammlung des Prinzregenten Luitpold von Bayern und war 2018 in der Ausstellung zum 150. Geburtstag Slevogts ausgestellt.

Repräsentanten aus dem „Who is Who“ der europäischen Kunstgeschichte sind in der Villa Wessel bis zum 13. April versammelt. Die Ausstellung wartet auf mit Aquarellen, Ölbildern und Zeichnungen der großen Deutschen Max Liebermann (1847 - 1935), August Macke (1887 - 1914), Ernst Ludwig Kirchner (1880 - 1938) und Max Slevogt (1868 - 1932) sowie der bekannten französischen Meister André Derain (1880 - 1954), Pierre Bonnard (1857 - 1947), Francis Picabia (1879 - 1953) und Paul Signac (1863 - 1935). Zu beliebten Motiven gehörte der Sehnsuchts-Ort Paris ebenso wie Landschaften, Menschen, Tiere und Blumen.

Sehnsuchtsort an der Seine mit der Kathedrale Notre Dame

Stracke wählte auch ein farbenfrohes, pointillistisches Stillleben der französischen Malerin Lucie Coustrier aus, die bei uns weniger bekannt sein dürfte. Es war im vergangenen Jahr in der ersten großen Re­trospektive-Ausstellung der 1925 gestorbenen Künstlerin, einer Schülerin des neoimpressionistischen Künstlers Paul Signac, in Vernon zu sehen. Signac selbst gilt als der bedeutendste Künstler des Neo-Impressionismus oder Pointillismus. Er ist mit zwei Aquarellen vertreten: einer Ansicht von Notre Dame in Paris und einer Landschaft am Wasser. Apropos: Albert Lebourgs Ölbild „Überschwemmung in Paris“ zeigt das Seine-Hochwasser im Jahr 1910 mit der Rückseite der Kathedrale Notre Dame im Hintergrund. Maximilien Luce (1858 bis 1942) malte Paris am Seine-Ufer mit dem Invalidendom im Hintergrund.

Von seinem Landsmann André Derain ist eines der frühesten Gemälde aus seiner fauvistischen Periode zu sehen, ein Ölgemälde eines Gartens in der Umgebung von Chatou. Von Alfred Dunet, Vertreter der „École de Rouen“, ein Stillleben mit einer Obstschale und einer Vase mit blühenden Blumen. Eine Landschaft bei Cannet bannte Pierre Bonnard mit weißen Bäumen aufs Aquarellpapier. Steigende Pferde und ein Pferdebändiger stehen im Fokus einer Kohlezeichnung des damaligen deutschen Malerfürsten Max Liebermann, ein Motiv, das er mehrfach variierte. Daneben findet sich auch die Bleistiftzeichnung „Schreitender Bär“ von Franz Marc (1880 - 1916), Mitglied der Künstlergruppe des „Blauen Reiters“. Mit dynamischem Strich zeichnete Ernst Ludwig Kirchner Badende in Wellen. Diese Zeichnung des Mitglieds der Künstlergruppe „Brücke“ entstand 1913 während eines Sommeraufenthaltes an der Ostseeküste bei Fehmarn. Ebenfalls der „Brücke“ gehörte Erich Heckel an, von dem das mit Kreide bearbeitete Aquarell „Drei Akte“ gezeigt wird, das er bei einem Sommeraufenthalt an der Flensburger Förde schuf.

Bild von August Macke galt bei Nazis als „entartete Kunst“

Eine Frau vor dem Spiegel malte der Niederländer Kees van Dongen (1877 - 1968) auf Papier. Vom französischen Maler Louis Valtat (1869 - 1952) ist ein Kohle-Porträt seiner Frau zu sehen. „Die Viktoriabrücke in Bonn im Abendglühen“ malte August Macke im Jahr 1912. Das Bild war erstmals nach Mackes Tod im Ersten Weltkrieg 1918 in Bonn ausgestellt, wurde 130 nach einer Ausstellung vom Kunsthaus Bielefeld erworben und dort 1937 durch die Nazis als „entartete Kunst“ konfisziert und verkauft.

Die Vernissage beginnt heute um 19 Uhr. Dazu hat auch der Sammler sein Erscheinen angekündigt. Zur Einführung spricht Dr. Ina Ewers-Schultz. Die Kunsthistorikerin ist Expertin auf diesem Gebiet und eröffnete die große August-Macke-Schau, mit der das Sauerland-Museum wiedereröffnet wurde.

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