Werkstatt im Hinterhof

Verantwortung ist das Zauberwort

Die Mitarbeiter der Werkstatt freuen sich zusammen mit ihren Förderern und Kooperationspartnern über ihr neues Hühnerprojekt.

Die Mitarbeiter der Werkstatt freuen sich zusammen mit ihren Förderern und Kooperationspartnern über ihr neues Hühnerprojekt.

Foto: Ralf Tiemann / IKZ

Iserlohn.  Das neue Hühnerprojekt der Werkstatt im Hinterhof soll helfen, den Selbstwert der Klienten zu erhöhen.

Wer in den letzten Wochen in der südlichen Innenstadt zu morgendlicher Stunde das Krähen eines Hahnes vernommen hat, der hat richtig gehört. Die Südstadt hat auch ihre ländlichen Seiten, und denen hat die Werkstatt im Hinterhof nun noch eine weitere hinzugefügt, die es in dieser Form mit Sicherheit auch kein zweites Mal gibt. Seit Anfang Juli gehören 16 Hühner und ein Hahn zur Belegschaft der AWO-Einrichtung für Drogenkranke. Idyllisch am Waldrand gelegen ist ein Hühnerprojekt entstanden, das den Klienten der in der ehemaligen Fabrik Kissing&Möllmann beheimateten Werkstatt im Hinterhof in vielerlei Hinsicht zugute kommt.

„Verantwortung ist das Zauberwort, um das sich hier alles dreht“, sagt Einrichtungsleiter Achim Rabenschlag. Denn für die Suchtkranken, die die Werkstatt täglich besuchen, ist eine sinnvolle Arbeit von unschätzbarem Wert. Drei vom Jobcenter finanzierte und vom Bereich für Beschäftigungsförderung der Stadt betreute Arbeitsgelegenheiten (AGH) gibt es in der Werkstatt schon länger in der Kleiderkiste, hinter der Theke oder für andere Aufgaben. Die Beschäftigten werden über diese Arbeit wieder zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft, ihr Alltag wird strukturiert, ihr Selbstwertgefühl steigt – sie tun etwas Sinnvolles und Verantwortungsvolles.

Und das gilt für dieses neue Projekt, in dem drei weitere AGH entstanden sind, in ganz besonderem Maße. „Sobald es um Tiere und um Pflanzen geht, muss man niemandem mehr die Sinnhaftigkeit und die Verantwortung erklären“, sagt Rabenschlag. Füttern, ausmisten, die Legebox leeren, das Gehege von Zeit zu Zeit versetzen, Reparaturarbeiten und und und – auf die drei Beschäftigten kommt viel Arbeit zu.

Dass das fruchtet und bisher alle Erwartungen geradezu übertrifft, zeige für ihn schon die hohe Motivation der Beschäftigten, die in sehr kurzer Zeit schon sehr viel geschafft haben.

Erst im Januar hatten Achim Rabenschlag und seine Mitarbeiterin Cornelia Schmidt die Idee entwickelt und im Kreise des Fördervereins vorgestellt. Im Februar hatte die Stadt ein Grundstück vermittelt. Innerhalb eines halben Jahres haben es die Teilnehmer des Projektes dann geschafft, das mehr als 1000 Quadratmeter große Grundstück von einem recht verwahrlosten Brachland in ein hühnertaugliches Gehege zu verwandeln. Begleitet wurden sie dabei von Cornelia Schmidt, die in der Werkstatt als Ergotherapeutin tätig ist, durch ihre ursprüngliche Ausbildung als Landwirtin aber genau weiß, was zu tun ist. Es wurden Hütten umgebaut und neu errichtet. Für die Hühner wurde ein batteriebetriebener Strom-Weidenzaun errichtet, der Füchse und Marder abhalten soll. Es gibt eine mit Sand befüllte Hühner-Badewanne, Hochbeete, in denen der Mist verwertet wird, ein großes, aufgespanntes Netzt, das die Angriffe des Habichts abwehren soll, und natürlich einen winter- sowie fuchs-, mader- und rattenfesten mobilen Hühnerstall mit Legebox und vollautomatischer Schließvorrichtung. Für die Wasserversorgung wurden an dem nicht ans Wasser- und Stromnetz angeschlossene Gelände Regentonnen eingerichtet. All das, so Rabenschlag, hätten Leute geschafft, die von der Gesellschaft in der Regel als „zu nichts tauge“ stigmatisiert werden. „Man kann mit diesen Leuten also doch was schaffen.“

Kooperationen sollen weiter wachsen

Dem stimmten auch Mitglieder des Fördervereins und die Vertreter der Kooperationspartner, denen gestern das Projekt präsentiert wurde, zu. „Das ist eine sehr besondere Maßnahme für sehr besondere Menschen“, sagt Julia Petrik vom Jobcenter. Und auch Petra Langhals von der Beschäftigungsförderung der Stadt ist begeistert und hofft, dass die Kooperation weiter wächst – gerade jetzt, da die Holzwerkstatt der Beschäftigungsförderung in der Fabrik Kissing&Möllmann in die direkte Nachbarschaft der Werkstatt zieht.

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