Stadtgeschichte

Überrascht von Geschmack und Gemütlichkeit

DJ Peter stand bei der Eröffnung der Diskothek 2Alhambra“ (später „Sounds“) an den Plattentellern.

Foto: Privat

DJ Peter stand bei der Eröffnung der Diskothek 2Alhambra“ (später „Sounds“) an den Plattentellern. Foto: Privat

Iserlohn.   Mit der Eröffnung des Senator-Pütter-Saals im März 1978 ist das Veranstaltungszentrum Alexanderhöhe perfekt.

Die Zeit der Parkhalle auf der Alexanderhöhe – erbaut 1972, nachdem die „Alte Halle“ ein Raub der Flammen geworden war –, ist endgültig vorbei. Die marode Bausubstanz hat nach fast 50 Jahren eine Schließung unumgänglich gemacht. Wie es auf der Höhe weitergeht, steht in den Sternen. Wir blicken stattdessen zurück in die Geschichte der Halle und erinnern uns heute an die Eröffnung des Senator-Pütter-Saals im März 1978.

Schreiber schafft, was der Stadt zu teuer gewesen wäre

„Es ist ein Wunschkind geworden“, sagt Oberbürgermeister Helmut Lindner in seiner launigen Eröffnungsansprache und bleibt weiter im Bild. Der Saal mit einer Kapazität von 300 Sitzplätzen sei aus einer Ehe zwischen Stadt und Höhenpächter (gemeint ist Helmut Schreiber) hervorgegangen. „Wegen der Dringlichkeit der Geburt ist es aber dem Vater nicht möglich gewesen, sich die Hebamme auszusuchen, so dass sich ausschließlich die Mutter darum gekümmert hat“, sagt Lindner. Und doch: Der junge, erfolgreiche Unternehmer Helmut Schreiber, er ist gerade 37 Jahre alt, schafft mit dem Pütter-Saal das, was der Stadt allein zu teuer geworden wäre.

IBSV-Oberst Ernst Dossmann erklärt, ein Raum dieser Größenordnung habe auf der Höhe gefehlt, und in Richtung Architekt Hannes Greiser versichert Dossmann, von so viel Geschmack und Gemütlichkeit überrascht zu sein.

Den parlamentarischen Antrag zum Bau des Saals hatte seinerzeit die SPD-Fraktion gestellt. In der Tat stellt der Anbau in seinen Ausmaßen und Möglichkeiten den vorherigen Eckpavillon in den Schatten. Und in der Namensgebung sehen die IBSVler eine gelungene Verbindung, denn Gustav Pütter sei nicht allein „ein guter Bürger der Stadt“ gewesen sondern auch Ehrenmitglied des Bürgerschützenvereins.

Diskothek ist Basis für eine sich rechnende Parkhalle

Die Diskothek „Alhambra“ war von Beginn an eine – auch finanziell gesehen – tragende Säule des Parkhallenkomplexes seit 1972. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Diskothek zu einem echten Freizeit-Treffpunkt für junge Leute aus der ganzen Region. 300 bis 400 Gäste pro Abend am Wochenende ist damals ganz normal. Doch bereits Anfang der 80er Jahre erregt die angesagte Diskothek – sie heißt mittlerweile „Sounds“ – die Gemüter der Anwohner der Alexanderhöhe. 1982 werden sie im Rathaus vorstellig und fordern Maßnahmen gegen lautes Türenschlagen, Musik aus Autoradios und Anfahren mit quietschenden Reifen. Beklagt wird außerdem die durch eine Ausnahmegenehmigung verlängerte Öffnungszeit auf 4 Uhr. Zwei Jahre später liegen Klagen der Anwohner in der Luft, von schallschluckenden Wänden, einer Verlegung des Parkplatzes und verkehrsberuhigenden Maßnahmen ist die Rede, ein Arbeitskreis wird gebildet. SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Kötter gibt aber zu bedenken: „Bisher kostet uns die Anlage keinen Pfennig. Das verdanken wir nur dem ,Sounds’. Wenn die Diskothek nicht mehr ist, müssen wir jedes Jahr einen Haufen Geld für die Alexanderhöhe ausgeben.“ Das sieht auch Bürgermeister Lindner so. Die Stadt müsse fast eine Million Mark jährlich aufbringen, um die Alexander­höhe zu unterhalten, würde das „Sounds“ geschlossen.

Gespräche werden mit Helmut Schreiber geführt, der seit 1983 Generalpächter der Alexanderhöhe ist. Er akzeptiert den Vorschlag, die Diskothek an einer anderen Stelle zu betreiben und dennoch gleichzeitig Pächter der Höhe zu bleiben. Der Auszug des „Sounds“ ist bis Ostern 1985 geplant.

Tatsächlich wird die Diskothek im Frühjahr 1985 geschlossen. Die Räume stehen eineinhalb Jahre lang leer, bis im September 1987 ein Body-Building- Studio einzieht.

Das „Sounds“ wurde an den Seilersee verlagert. Dort konnte die Diskothek jedoch nie wieder an ihrer Erfolgszeiten als Iserlohns „Königin der Nacht“ anschließen.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik