Wasserschaden

Über Nacht stand die Wohnung unter Wasser

Fast zwei Wochen ist es her, dass eine falsch angeschlossene Waschmaschine die Wohnung der Familie Pavlenko in der Iserlohner Heide überflutet hat. Heute werden die Schäden in der Wohnung durch einen Gutachter ermittelt.

Foto: Michael May

Fast zwei Wochen ist es her, dass eine falsch angeschlossene Waschmaschine die Wohnung der Familie Pavlenko in der Iserlohner Heide überflutet hat. Heute werden die Schäden in der Wohnung durch einen Gutachter ermittelt.

Iserlohn.   Für Familie Pavlenko kam Hilfe nicht so schnell wie gewünscht. Die Waschmaschine war falsch angeschlossen.

Dass sich mit ihrer Bestellung einer Waschmaschine bei einem großen Versandhändler ein gar nicht so kleines Drama anbahnen würde, hatten Elena und Vladimir Pavlenko aus der Iserlohner Heide nicht geahnt. Am 28. Dezember 2017 jedenfalls war die Welt noch in Ordnung, als zwei Mitarbeiter eines Dienstleisters erschienen, um die Maschine zu liefern. Dass sie das Gerät nicht anschließen wollten, obwohl die Pavlenkos doch ausdrücklich den Anschlussservice mitgebucht hatten, ist nur ein Detail am Rande. Nach ihrem Protest, so schildert es Elena Pavlenko, übernahmen die Männer schließlich doch noch den Wasseranschluss.

Feuchtigkeit in den Wänden sorgt für abgelöste Tapeten

Das böse Erwachen folgte am nächsten Morgen: Die Erdgeschosswohnung der Pavlenkos stand zentimeterhoch unter Wasser, berichtet Elena Pavlenko (24) beinahe zwei Wochen nach dem Schadensereignis. Die Nachwirkungen sind noch zu sehen: Wasser ist unter das Laminat, in den Estrich und in die Wände gezogen, Tapeten haben sich abgelöst. Es riecht feucht in allen Räumen. Das Wasser soll bis in den Keller gelaufen sein. Der Grund für den Wasserschaden: Der Zulaufschlauch an der Maschine war offensichtlich nicht korrekt festgezogen, berichtet Elena Pavlenko.

Für die junge Familie beginnt am Freitag vor dem Jahreswechsel dann die Suche nach Hilfe, die sich aufgrund der Umstände und vielleicht auch genau wegen des bevorstehenden Jahreswechsels schwierig gestaltet. Dass Vater Vladimir (28) nach einem Schlaganfall erblindet ist und somit bei der Lösung des Problems nur begrenzt helfen kann, ist mehr als ein Detail am Rande. Und schließlich muss auch Tochter Joulina (6) von der Mutter betreut werden. Elena Pavlenko jedenfalls informiert ihren Vermieter, die LEG Wohnen, noch am ersten Tag über den Wasserschaden.

Eine für den selben Tag angekündigte Besichtigung kommt nicht zustande. Es folgen Telefonate mit dem Lieferanten der Waschmaschine, dessen Versicherung, der eigenen Haftpflichtversicherung. Und zunächst fehlt es an der Information, wo die junge Familie zwischenzeitlich unterkommen kann. Zunächst zieht die Familie zu Elena Pavlenkos Eltern außerhalb Iserlohns. Als für Joulina wieder die Schule beginnt, kehren die drei in ihre Wohnung zurück.

Inzwischen haben sich Freunde eingeschaltet und die Pavlenkos in den Gesprächen mit der LEG und ganz praktisch unterstützt. Annette Romanski und Norbert Masztalerz versuchen, sie bei der Suche nach Ersatzwohnraum zu unterstützen. Am 5. Januar erklärt die LEG, dass die Familie befristet in ein günstiges Hotel umziehen könne. Dazu kommt es nicht, weil sich der Umzug für den erblindeten Vladimir als Problem darstellt. Annette Romanski hat per Facebook die Unterstützung einer Sümmeraner Familie erhalten, wo die Pavlenkos in drei Zimmern zunächst wohnen können. Am heutigen Donnerstag soll ein Gutachter im Auftrag der Versicherung der LEG feststellen, welcher Sanierungsbedarf besteht.

Pressestelle ist über die Aufregung verwundert

Norbert Masztalerz äußerst sich verärgert über die LEG: „Das Desinteresse an einem Notfall ist für mich unverständlich“, sagt er. LEG-Pressesprecherin Judith-Maria Gillies wird dem später energisch widersprechen: „Von Desinteresse kann wirklich keine Rede sein.“ Inzwischen hat Masztalerzs Lebensgefährtin Annette Romanski die Kontakte in Richtung Vermieter und Versicherer übernommen.

Die Pressestelle der LEG kann die Aufregung insgesamt nicht nachvollziehen. „Wir haben uns umgehend um die Regulierung des Schadens und die Ausführung der Arbeiten bemüht. Leider war die Mieterin nur schlecht oder gar nicht erreichbar, so dass es zunächst zu Verzögerungen kam“, teilt Pressesprecherin Judith-Maria Gillies auf Anfrage der Heimatzeitung mit, während Familie Pavleko sagt, man sei zu Hause gewesen. Die LEG bestätigt die Schadensmeldung am 29. Dezember. Man habe telefonisch mit Elena Pavlenko vereinbart, sogleich bei ihr vorbeizukommen. „Leider haben wir Frau Pavlenko trotz ihrer Zusage nicht angetroffen. Am 2. Januar waren wir noch einmal vor Ort und haben den Schaden aufgenommen“, erklärt die LEG.

Am 4. Januar habe man die Mieterin dann erreicht, um die Schadennummer der Haftpflichtversicherung des Mieterfamilie zu erfahren. Weil die Mieterin ihrer Versicherung nicht die Daten des Vermieters mitgeteilt habe, sei es zu einer Verzögerung bei der Freigabe von Leistungen durch die Versicherung gekommen. Am Morgen des 5. Januar schließlich schickte die LEG die Information an die mittlerweile zwischengeschaltete Freundin, dass die Familie zunächst befristet in ein günstiges Hotel ziehen könne. Ob und wie lange die Wohnung tatsächlich geräumt werden muss, soll nun ein Gutachter entscheidender am heutigen Donnerstag kommen soll.

Der Mitarbeiter einer Firma habe gesagt, dass die Trocknung wohl ein halbes Jahr dauern könnte. Die LEG erklärt dazu: „Eine Aussage zur Trocknungsdauer und zum Bezugszeitpunkt wurde durch uns nicht getroffen. Dies ist auch ohne eine entsprechende sachverständige Beurteilung des Schadens nicht möglich, wir gehen jedoch von einer Trocknungsdauer deutlich unter sechs Monaten aus.“

Versicherungen rechnen am Ende untereinander ab

Wer bezahlt denn nun eigentlich den Umzug? Rechtlich streng genommen, müssten die Mieter auch diesen von ihnen oder ihrem Dienstleister verursachten Schaden zahlen und im Anschluss den Dienstleister in Regress nehmen, teilt die LEG mit. Tatsächlich übernimmt zunächst die Gebäudeversicherung der LEG die Kosten. Diese würden dann mit der Haftpflicht der Mieter abrechnen, welche im Anschluss vermutlich den Dienstleister in Regress nimmt, lautet die Information der Vermietungsgesellschaft. „Bei Bedarf können wir der Familie aber gern Vorschläge für Ersatzwohnungen aus unserem Bestand machen. Gerade in Notlagen wie diesen versuchen wir natürlich immer, unsere Mieter auch ganz praktisch zu unterstützen“, teilt LEG-Pressesprecherin Judith-Maria Gillies mit.

Bis auf weiteres wohnt die Familie in Sümmern. Wie lange, das liegt maßgeblich in den Händen von Gutachtern, Handwerkern und nicht zuletzt Versicherungen.

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