Katastrophenschutz

THW: Trend zu mehr Frauen-Power

Jürgen Nußpickel (links) war elf Jahre als Zugführer beim THW tätig. Jetzt übergab er – auch symbolisch – den Führungsstab an seinen Nachfolger Peter Musiol. 

Jürgen Nußpickel (links) war elf Jahre als Zugführer beim THW tätig. Jetzt übergab er – auch symbolisch – den Führungsstab an seinen Nachfolger Peter Musiol. 

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann / IKZ

Kalthof.  Jürgen Nußpickel übergibt nach elf Jahren das Amt des Zugführers an Peter Musiol.

Am Ende hatten sich alle Anwesenden die Erbsensuppe bei der Jahresdienstbesprechung des Technischen Hilfswerkes (THW), Ortsverband Iserlohn, redlich verdient: Und zwar nicht nur, weil sie den mit viel Witz und Kenntnis vorgetragenen Ausführungen vom Ortsbeauftragten Götz Wege aufmerksam gefolgt waren, sondern auch weil es für die ehrenamtlichen Katastrophenschützer ein durchweg gutes Jahr war: Der Ortsverband sieht sich für 2020 – sowohl personell als auch technisch – gut aufgestellt. Anders als bei anderen Vereinen oder Organisationen blickte man bei der Versammlung im Kalthofer Feld in viele junge Gesichter, darunter auch einige weibliche. Katastrophenschutz scheint „in“ zu sein, der Dienst an der Gemeinschaft und in der Gemeinschaft kann Spaß machen und Erfüllung sein. Aber natürlich wurden auch die Verdienste der langjährigen Helfer nicht vergessen: Vincent Biersdorf und Tobias Röding wurden für zehnjährige freiwillige Mitarbeit im THW geehrt, Stefan Schumacher und Ingo Baucks bringen es sogar auf 20 Jahre. Jürgen Nußpickel, 25 Jahre beim Ortsverband und davon elf Jahre als Zugführer tätig, übergab das Amt an seinen Nachfolger Peter Musiol. „Jeder Zugführer ist nur so gut wie seine Truppe“, dankte Nußpickel den Helfern. Seinem Nachfolger Musiol übergab er eine hölzerne Elle: „Sie steht symbolisch fürs Maßhalten, aber du kannst sie auch als Taktstock benutzen, denn einer muss ja sagen, wo es langgeht!“

Unterstützung beim Ausheben einer Hanf-Plantage

Für seinen langjährigen Einsatz wurde „Nussi“ anschließend von Götz Wege zum Ehrenzugführer ernannt. Eine im Ortsverband Iserlohn bislang einmalige Auszeichnung. Bevor der Ortsbeauftragte sich den Zahlen und Fakten widmete, lobte er ganz besonders das Engagement der 19 Helferinnen und der sechs jungen Frauen in der THW-Jugend. Mit Jennifer Menzel übernimmt eine Frau das Amt der stellvertretenden Ortsbeauftragten. Folge des Trends zu mehr Frauen-Power beim THW: die Umkleiden der Damen sind zu eng. Aber man sei dabei, so Wege mit einem Augenzwinkern, auch für dieses Problem eine Lösung zu finden. Beim Blick auf die Organisationsstruktur des Ortsverbandes wurde deutlich: THW ist Familiensache. Wege: „Bei uns heiratet man auch. So bleibt das Engagement in der Familie.“ Dieses notwendige Verständnis für die ehrenamtlichen Arbeit des Partners hob auch der stellvertretende Bürgermeister Thorsten Schick in seinem Grußwort der Stadt Iserlohn hervor. „Sie sind es, die im Hintergrund die Arbeit der Helfer unterstützen und diese erst möglich machen“, sagte Schick. Im Namen der Stadt bedankte er sich für den Einsatz des THW und nannte explizit die Arbeit bei der Letmather Kilianskirmes, wo 19 Helfer an allen Kirmestagen für die Ausleuchtung im Falle eines Stromausfalles sorgten. Auch die Jugendarbeit wird beim THW großgeschrieben: 37 Jugendliche werden derzeit in die Arbeit des Katastrophenschutzes eingeführt.

Die Zahlen des Ortsverbandes können sich sehen lassen: 28.500 Stunden wurden 2019 geleistet, davon 344 Einsatzstunden und 8650 Ausbildungsstunden. „Das ist ein toller Wert für unseren Ortsverband“, freute sich Wege. „Das entspricht 138 Dienststunden pro Helfer im Ortsverband. Und das neben Arbeit und Familie. Das muss man erstmal alles unter einen Hut bringen.“ Drei neue Helfer und sechs Jugendhelfer konnten verzeichnet werden. Für Wege der richtige Weg, denn: „Die Jugend ist unser Nachwuchs. Wenn wir keine Jugend haben, dann haben wir keine Kameraden.“ Die Helferentwicklung sei deshalb als positiv zu bezeichnen, jedoch dauere es ein Jahr, bis die volle Einsatzbereitschaft eines neuen Mitgliedes gegeben sei. Der Ortsbeauftragte lobte in diesem Zusammenhang die Unterstützung durch die Arbeitgeber, auch dann wenn die Einsätze der Helfer während der Arbeitszeit kämen.

Lob für sehr guteEinsatzbereitschaft

In einem Rückblick ließ Wege die vergangenen Einsätze Revue passieren: Das ging von Baumfällarbeiten in Folge des Sturmtiefs „Bennet“ an der Eisenbahnstrecke zwischen Iserlohn und Kalthof am Pfingstmontag über die besagte Kilianskirmes bis zu einem sogenannten CBRN-Einsatz in Dortmund, wo die Iserlohner zur Sicherstellung einer mutmaßlich gefährlichen Postsendung, es war ein Brief mit einem verdächtigen weißen Pulver aufgetaucht, tätig waren. Auch bei der Aushebung einer illegalen Hanf-Plantage in Menden war das THW beteiligt, dazu kamen einige weitere Einsätze im Jahresverlauf. Weges Fazit: „Die personelle Einsatzbereitschaft kann man mit ,sehr gut‘ bezeichnen, die technische Einsatzbereitschaft mir ,gut‘“. Ein tolles Ergebnis für eine tolle Truppe.

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