Wirtschaft

Thiele in Iserlohn: 160 Tonnen, wie bestellt, so geliefert

Maßarbeit: Kurz vor der Bahnunterführung geht es für den Schwertransport in die Thiele-Werkstraße.

Maßarbeit: Kurz vor der Bahnunterführung geht es für den Schwertransport in die Thiele-Werkstraße.

Foto: Michael May / IKZ

Kalthof.  Die Firma Thiele erreichte Freitag eine besondere Lieferung. Das Gestell für einen neuen Schmiedehammer war Wochen unterwegs. Nun wurde es eng.

Am Ende wird es dann doch noch mal eng, als der Lastzug in die Werkstraße einschwenkt. 52 Meter ist das Gefährt lang, das an dieser Stelle möglichst nicht im falschen Moment zum Stillstand kommen darf. Zur Firma Thiele in Kalthof nämlich geht es ein Stück bergauf – und die 160 Tonnen Gewicht, die da auf dem Hänger ruhen, wären beim Anfahren in Kombination mit einer Steigung wohl selbst für die stärkste Zugmaschine eine Nummer zu groß.

Am Ende geht es gut, eine weitere Zugmaschine schiebt von hinten an, der Fahrer findet den richtigen Winkel, um den Koloss durch die im Verhältnis wie ein Nadelöhr wirkende Straße zu manövrieren. Für das Team der Spedition Bender nähert sich eine aufreibende Fahrt dem Ende, die am Donnerstag gegen 22 Uhr in Hamm startete und nun gegen 4.30 Uhr in Kalthof langsam ihrem Ende entgegengeht.

Bei der besonderen Lieferung am Freitag handelt es sich um ein Gestell für einen Schmiedehammer, wie Produktionsleiter Markus Deimel vor Ort erläutert. Anfang kommender Woche soll das Produktionsgerät aufgestellt werden, das bis zu 1250 Grad heißes Metall bearbeiten soll. „Mit einer Energie, die in etwa dem entspricht, wenn ein Gewicht von 16 Tonnen aus einem Meter Höhe hinabfällt.“

Rund 250.000 Euro und mehrere Wochen hatte es benötigt, um das Gestell von Tschechien bis nach Kalthof zu bewegen. Eigentlich hatte das Ganze mit der Bahn angeliefert werden sollen. „Eigentlich“, sagt Thiele-Geschäftsführer Michael Hartmann mit einem Schmunzeln. Die Bahn nämlich hatte laut eigenen Angaben keinen Wagen zur Verfügung, der der Last hätte standhalten können. Das einzige verfügbare Modell sei gerade vermietet. Auch bei der ersten Etappe der Fahrt von Tschechien nach Magdeburg hatte sich die Bahn mit einer Lieferzeit von rund vier Wochen eher schwer getan.

Deutlich unproblematischer verlief der Transport offenbar über die Straße – Drüpplingser Straße, Baarstraße und Schapker Weg lauteten zuvor einige der Iserlohner Stationen – wie Transportleiter Tino Schöps erläutert.

Unproblematischer zumindest dann, als endlich gefahren werden durfte. „Das Schwierigste ist es eigentlich, die Genehmigungen zu bekommen“, sagt Schöps. Plural, denn für verschiedene Straßen gibt es unterschiedliche Ansprechpartner und somit Genehmigungsbehörden. Kommunen, Kreise, Land, Bund. „Wir mussten außerdem ein paar Brücken von Statikern nachrechnen lassen.“

20 Achsen tragen die tonnenschwere Last

Etwas kurios auf den ersten Blick: Das Hauptbestandteil des Gestells misst nur rund vier mal fünf Meter und wirkt auf dem riesigen Hänger mit seinen 20 Achsen fast ein wenig verloren. Tino Schöps erklärt: „Das hängt mit der zulässigen Achslast von zehn Tonnen zusammen, da kommt man beim Hänger eben auf solche Längen.“ Die eigentliche Größe oder Höhe des zu transportierenden Gegenstandes sei hier diesmal kein wirkliches Problem gewesen – eher die Länge des Zuges.

Neben den zwei Zugmaschinen waren noch zwei sogenannte BF4-Fahrzeuge an dem Transport beteiligt, die an Stelle der Polizei die Straße absicherten. Dazu begleiteten zwei Montagefahrzeuge den Zug, um im Weg stehende Schilder und ähnliches abzumontieren.

Abgesehen von dem Manöver auf der Thiele-Zielgeraden sei der Transport laut Tino Schöps ohne Komplikationen verlaufen. Einzig einige Anwohner an der Leckingser Straße hatte man aus dem Schlaf klingeln müssen, weil sie trotz vorzeitig auf den Schwertransport hinweisender Schilder ihre Autos an der Straße im Weg geparkt hatten. „Nichts besonderes“, meint der Transportleiter aber. „Schon etwas besonderes“, meint dagegen Ralf Klosterberg, der wie einige andere gegen 3 Uhr bereits an der Leckingser Straße steht, um zuzuschauen, wie der Schwertransport durch den Ort schiebt. Der Thiele-Mitarbeiter, der später mit dem Gerät zu tun haben wird, unter anderem die Werkzeuge baut, die später dafür benötigt werden, wundert sich ein wenig über die geparkten Autos. Für ihn selbst ist der Schlafentzug kein großes Problem. Er hat am Freitag frei.

Geschäftsführer Michael Hartmann dankt dem Speditionsteam am Schluss und verspricht, für Kaffee und Brötchen sorgen zu wollen. Einige der Männer wollen aber zunächst eine kleine Schlafpause einlegen. Einige andere fahren gleich wieder heim nach Siegen.

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