Antrag an den Erzbischof

Sümmeraner Katholiken beklagen Zentralismus

Dr. Michael Schlotmann (li.) und Franz-Josef Spiekermann

Foto: Stefan Drees

Dr. Michael Schlotmann (li.) und Franz-Josef Spiekermann

Iserlohn.  Eine örtliche Initiative hat einen Antrag mit 656 Unterschriften an den Erzbischof in Paderborn übermittelt.

In Sümmern mit der katholischen Kirche St. Gertrudis im Herzen des Ortes regt sich offenbar Widerstand gegen einen zu zentralistisch ausgerichteten Pastoralverbund Iserlohn. So sehen es jedenfalls zahlreiche Katholiken in Sümmern. Ende vergangenen Jahres mündete dieser Unmut in einen Antrag an den Erzbischof in Paderborn, die Pfarrei St. Gertudis in Sümmern zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen. Verantwortlich zeichnete dafür die „Initiative für den Erhalt der Pfarrgemeinde St. Gertrudis Sümmern“ mit Dr. Michael Schlotmann und Franz-Josef Spiekermann als Sprecher. 656 Unterstützerunterschriften sollten dem Antrag entsprechendes Gewicht verleihen. Anfang Februar kam nun eine Antwort aus Paderborn, in der es heißen soll, dass St. Gertrudis weiterhin eine selbständige Pfarrei mit eigener Vermögensbildung im Pastoralverbund Iserlohn sei.

Sümmerner erleben eineandere Wirklichkeit

Und weiterhin, so Schlotmann und Spiekermann, habe Paderborn mitgeteilt, dass Pfarrer Johannes Hammer als Leiter des pastoralen Raumes zusammen mit dem Pastoralteam Aufgabenverteilung, Verantwortungsbereiche und Schwerpunktsetzungen in Seelsorge und pastoraler Praxis plane und die Aufgabe des Pfarrers für die Pfarrei St. Gertrudis Sümmern verantworte. Pfarrer Janus Plewnia solle aber weiterhin seinen Dienst in besonderer Weise für die Gemeinde in Sümmern wahrnehmen. Ein vertrauensvolles Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen, Männern und Frauen, Priestern und Laien, so soll Paderborn geantwortet haben, sei die Grundlage auch für Wege und Formen der Partizipation und der Entscheidungsfindung des pastoralen Personals.

Leider erlebe man aber gegenwärtig eine andere Wirklichkeit, kommentieren Schlotmann und Spiekermann die Antwort aus Paderborn. Die am 25. März 1628 gegründete Pfarrei – in zehn Jahren könnte also 400. Geburtstag gefeiert werden – sei durch eine „Geschäftsanweisung“ des Generalvikars der Erzdiözese Paderborn mit Wirkung vom 1. September 2009 die Verwaltung und damit die Verfügung über ihr Vermögen weitgehend entzogen worden. Und mit Wirkung zum 1. April 2014 habe Pfarrer Janus Plewnia auf die Pfarrstelle verzichten müssen und sei der „Befehlsgewalt“ des Leiters des Pastoralen Verbundes unterstellt worden. Seitdem werde Pfarrer Plewnia nach einem für die Kirchenbesucher nicht einsehbaren Plan zu Gottesdiensten mit anderen Gemeinden ausgetauscht. Dadurch werde unnötig Kraft, Zeit und Energie verschwendet. In einem Schreiben, das aktuell in Sümmern verteilt wird, formulieren Schlotmann und Spiekermann folgenden Vorwurf: „Durch die nunmehr bürokratisch zentralisierte Verwaltung in Iserlohn wird die Seelsorge in unserer Ortskirche nicht gesichert, sondern zerstört.“ Eine solche Seelsorge könne die Menschen vor Ort nicht wirklich kennen und somit für diese auch nicht wirklich da sein. Dadurch, dass man Janus Plewnia die Pfarrstelle genommen habe, habe dieser auch den Vorsitz im Kirchenvorstand verloren, sagt Franz-Josef Spiekermann, Plewnia sei nun ein „Befehlsempfänger“.

Gemeindeteams ohne Entscheidungsbefugnis

Ein Priester müsse für die Gläubigen da sein, müsse vor Ort ansprechbar sein. Mit der Zentralisierung und der daraus resultierenden schwächeren Bindung vor Ort könnten auch weitere Kirchenaustritte einhergehen. Insbesondere auch für die Kinder und Jugendlichen könne sich die fehlende Bindung negativ bemerkbar machen, Entfremdung sei die Folge. Nach den Firmlingen sei demnächst auch für die Kommunionkinder Iserlohn die zentrale Anlaufstelle. Dr. Michael Schlotmann kritisiert hier auch, dass in Gesprächen mit Pfarrer Johannes Hammer wenig zu bewegen sei. St. Gertrudis habe signalisiert, das Thema Kommunion selber organisieren zu können, diesem Wunsch sei aber nicht entsprochen worden. In den sogenannten Gemeindeteams, die zusätzlich zum Gesamtpfarrgemeinderat entstehen sollen, sieht Franz-Josef Spiekermann derweil kein Element, dem kritisierten Zentralismus entgegenzuwirken. Denn diese Teams, so Spiekermann, hätten keinerlei Entscheidungsbefugnis.

Beschneidung bei der Vermögensverwaltung

Was könnte der Ausweg sein? Dr. Michael Schlotmann und Franz-Josef Spiekermann denken hier an eine Trennung von Seelsorge und Verwaltung. Die Verwaltung könne von Laien in der örtlichen Gemeinde übernommen werden, die Priester könnten sich dann komplett auf die Seelsorge konzentrieren. Gewünscht wird auch eine rechtliche Überprüfung, inwieweit die Beschneidung bei der Vermögensverwaltung zulässig sei. Und es soll ein „bestimmter“ Geistlicher für die Seelsorge vor Ort zuständig sein, der möglichst auch im Ort wohnt und die Menschen dieser Ortskirche kennt. In Sümmern denkt man da natürlich insbesondere an Janus Plewnia. Und um die Geistlichen in der Seelsorge zu unterstützen, sollte ein „Verwaltungsrat“ beziehungsweise ein „Laienrat“ gewählt werden, der in den äußeren Angelegenheiten des kirchlichen Lebens auch eine Entscheidungsbefugnis erhält. Um die Organisation der Seelsorge „vor Ort“ zu gewährleisten, sollte in der Gemeinde ein eigenes Pfarrbüro im Sinne einer Zweigstelle mit einer eigenen Bürokraft und eventuell auch einer Gemeindereferentin entstehen, die möglichst die Jugendarbeit organisieren könnte.

Die „Initiative für den Erhalt der Pfarrgemeinde St. Gertrudis Sümmern“ habe entsprechende Vorschläge ans Erzbistum übermittelt, möchte diese mit dem Kirchenvorstand und den eigenen Vertretern im Gesamtpfarrgemeinderat besprechen und darüber dann auch die Mitglieder der Gemeinde in einer Versammlung informieren.

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