Justiz

Streit gipfelt in Gewaltexzessen

In einem Wohnhaus an der Lilienthalstraße trat ein drogenkranker Gewalttäter mehrfach Türen ein und verletzte zwei Frauen und zwei Männer. Dafür muss er jetzt für zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt.

In einem Wohnhaus an der Lilienthalstraße trat ein drogenkranker Gewalttäter mehrfach Türen ein und verletzte zwei Frauen und zwei Männer. Dafür muss er jetzt für zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Drogenkranker verprügelt Freundin und Nachbarn: Zähne ausgeschlagen, Kiefer gebrochen und Mund mit Sekundenkleber zugeklebt.

Seine Opfer haben noch heute Angst vor dem brutalen Iserlohner, der mehrere Nachbarn krankenhausreif geschlagen hat, mehrfach Türen eingetreten und Hausfriedensbruch begangen hat. Das wurde am Mittwoch vor dem Schöffengericht deutlich, wo sich der 34-jährige ehemalige Soldat wegen gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung verantworten musste.

Am heftigsten leidet noch heute die 57-jährige Frau, mit der er mehrfach wegen seiner zu lauten Musik aneinandergeraten war. Er wollte sie umbringen. Das hatte der Drogenkranke der Polizei nach seinem letzten Ausraster im August zu Protokoll gegeben. Das wiederholte der 35-jährige geständige Angeklagte auch vor Gericht.

Bereits bei einem Streit im Mai hatte der Mann der Nachbarin seiner Ex-Freundin die Tür eingetreten und ihr einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Obendrein drohte er ihr: „Wenn Du die Polizei holst, bringe ich Dich um.“ Das wollte der Obdachlose, der bei seiner Ex-Freundin an der Lilientahlstraße gegen deren Willen zu Besuch war, dann im August in die Tat umsetzen. Er trat erneut ihre Tür ein, fragte sie, ob sie die Polizei gerufen hatte, ließ sich ihr Handy geben und schlug ihr mehrfach ins Gesicht. Als sie das Bewusstsein verlor, versuchte er ihr, den Mund mit Sekundenkleber zuzukleben. Dann schlug er weiter auf die Frau ein, bis seine 32-jährige Ex-Freundin, die er vorher ebenfalls verprügelt hatte, ihn zurückhielt.

Durch die Schläge ins Gesicht haute er der 54-jährigen Frau drei Zähne raus. Sie erlitt eine Hirnblutung, eine Unterkieferfraktur und etliche Gesichtsprellungen. Sie musste zunächst im St.-Elisabeth-Hospital und später in einer Dortmunder Klinik behandelt werden.

Gewaltopfer ist nachhaltig traumatisiert

„Seit dem Vorfall habe ich überwiegend flüssige Nahrung zu mir genommen“, erklärte die nachhaltig traumatisierte Frau, die nunmehr nur noch 37 Kilogramm auf die Waage bringt. Vor seinen Gewaltexzessen habe sie 50 Kilo gewogen, sagte die 1,60 Meter große Frau. In ihrem Schlusswort unterstrich die Arbeitslose: „Es ist traurig, dass ich mich in meiner eigenen Wohnung nicht mehr sicher fühlen kann. Das habe ich ihm zu verdanken.“

Er hat auch seine Ex-Freundin immer wieder verprügelt. Bei einem Streit mit weiteren Mietern wegen zu lauter Musik im Haus schubste er einen Mann die Treppe runter: Der 57-jähriger Iserlohner erlitt einen Bruch der Hüfte und einer Hand. Er war drei Wochen im Krankenhaus. Danach in der Reha. Einen 44-jährigen Mitbewohner, der mit einer Latte auf ihn losgegangen sein soll, verletzte er so schwer, dass dieser im St.-Elisabeth-Hospital auf der Intensivstation landete und wegen Hinblutens in eine Bochumer Spezialklinik geflogen werden musste.

Der Angeklagte muss für zwei Jahre in eine Entziehungsanstalt. „Das soll ihm helfen, dass er keine Straftaten mehr begeht“, sagte Richter Günter Giesecke von Bergh. Das Schöffengericht hielt ihn aufgrund seiner durch jahrelangen Drogenkonsum hervorgerufenen Amphetamin-Psychose für nicht schuldfähig und folgte dem Gutachten des Sachverständigen Dr. Oliver Baatz.

Nebenklagevertreter Stephan Funke kritisierte den Angeklagten: „Mich ärgert, dass Sie diese kleine Person derart verdroschen haben, dass sie noch heute leidet. Und dass Sie keine Reue und kein Unrechtsbewusstsein zeigen und sich bei keinem ihrer Opfer für die erheblichen Verletzungen entschuldigt haben.“ Danach rang sich der Angeklagte immerhin zu einem Satz durch: „Es tut mir leid.“ Er muss die Kosten des Verfahrens und der Nebenklägerin übernehmen.

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