Stadtentwicklung

Stadtpark statt neuem Schillerplatz in der Iserlohner City?

„Die Iserlohner“ – namentlich Bürgermeisterkandidat Michael Joithe (li.) und Vorsitzender Uwe Albert – fordern eine Abkehr von der geplanten Schillerplatz-Bebauung und wollen eine neue Diskussion anstoßen.

„Die Iserlohner“ – namentlich Bürgermeisterkandidat Michael Joithe (li.) und Vorsitzender Uwe Albert – fordern eine Abkehr von der geplanten Schillerplatz-Bebauung und wollen eine neue Diskussion anstoßen.

Foto: Michael May / IKZ

Iserlohn.  „Die Iserlohner“ wollen eine neue Diskussion über städtische Bauprojekte entfachen.

Die Nachricht, dass das Iserlohner Rathaus aufgrund von Brandschutzmängeln zumindest in weiten Teilen nicht mehr genutzt werden kann, hat nicht nur die Bürger der Stadt aufgeschreckt. Die im Rat vertretenen Fraktionen hatten sich zwischenzeitlich zu der neuen Entwicklung geäußert. Nun meldet sich auch die Wählergemeinschaft „Die Iserlohner“ zu Wort und fordert in Zusammenhang mit den Planungen der Schillerplatz-Erneuerung und mit Blick auf den „Digitalen Wissenscampus“ am Stadtbahnhof ein Umdenken. In einem Redaktionsgespräch stellten der erste Vorsitzende Uwe Albert und Bürgermeisterkandidat Michael Joi­the ihre „Vision“ als Teil eines noch folgenden Wahlprogramms vor, die sie aber wohlgemerkt nur als Grundlage einer zu führenden Diskussion verstanden wissen wollen.

Nach den Überlegungen der „Iserlohner“ – entwickelt von einer Arbeitsgruppe unter Zuarbeit von Architekten – sollte demnach im Bereich des Schillerplatzes wegen des problematischen und damit teuer zu bebauenden Untergrundes ein Park errichtet werden, gegebenenfalls verfüllt mit Schutt der abgerissenen Tiefgarage und Gebäude sowie aufgeschüttetem Mutterboden. Das Warenhaus Karstadt, so die Gedankenspiele, solle in die ehemalige Marktpassage (A1-Passage) umziehen und sei damit flexibel für Veränderungen vom Warenhaus hin zum Shop-in-Shop-Betrieb. Damit werde eine „Problemimmobilie“ langfristig attraktiver gestaltet auch vor dem Hintergrund, dass die Sparkasse ihre Büros nach der Fertigstellung ihrer Hauptstelle wieder abziehe. Nach Angaben der Sparkasse ist das allerdings nicht geplant.

Das 1974 eingeweihte, mittlerweile denkmalgeschützte Rathaus am Schillerplatz halten „Die Iserlohner“ für abrisswürdig und schlagen einen Neubau auf den freien Flächen entlang der Rahmen- und Hans-Böckler-Straße vor, wo sich früher der Güterbahnhof befand. Das Projekt könnte dort, so Albert und Joithe, mit dem Projekt des „Digitalen Wissencampus“ kombiniert werden, gegebenenfalls mit Ladenflächen im Erdgeschoss und Verwaltung in den oberen Etagen, vielleicht sogar mit einem Überbau der Gleisflächen.

Das dortige Parkhaus könne in dem Zuge aufgestockt oder erneuert werden und Parkflächen für Verwaltung ebenso wie die Veranstaltungsbereiche auf der Alexander­höhe bieten. Hier stellen sich die „Die Iserlohner“ direkte Zugänge, also quasi zwei Brücken, vom Parkhaus zu den Gebäuden vor. Mit dem Hinweis „Iserlohn besteht aus mehr als Kern-Iserlohn“, spricht Albert von Vorteilen bei der Erreichbarkeit eines Rathauses am Stadtbahnhof für die Bürger aus den Ortsteilen.

An Stelle des abgerissenen Rathauses, so die Gedankenspiele, könne die IGW dann Wohnungen bauen, wobei ein Drittel als Sozialwohnungen zu planen sei. Der Blick auf den neuen Park werte einen Teil der Wohnungen auf. Am Rande des Parks sehen die Vertreter der Wählergemeinschaft die Gelegenheit für zeitweise betriebene Gastronomie, wobei dort die Wirte aus der Innenstadt zum Zuge kommen sollen.

Konzept soll nur als Grundlage für Gespräche dienen

„Wir sind nicht die, die mit einem fertigen Konzept kommen“, betont Joi­the, es gehe lediglich um eine Gesprächsgrundlage, die dann etwa in Bürgerversammlungen diskutiert werden solle. Im Rahmen ihrer Marktgespräche und bei anderen Treffen hätten sie festgestellt, dass „die Bürger auch zwischen den Wahlen mitbestimmen wollten“. Nach Angaben Alberts habe die seit eineinhalb Jahren tätige Wählergemeinschaft aktuell fast 100 Mitglieder.

Als Anlass für den Schritt, jetzt mit den Vorschlägen an die Öffentlichkeit zu gehen, die ja im Dissens zu den vom Rat beschlossenen weiteren Schritten für die Schillerplatz-Planung stehen, nennt Joithe neben der Brandschutzprobleme im Rathaus die gerade veröffentlichten Haushaltsplanungen für 2020, die ein Defizit von 12,6 Millionen Euro vorsehen. „Wir dürfen unsere Stadt nicht finanziell ruinieren. Wir sind auf dem besten Weg dahin“, sagt Joi­the. Er wolle verhindern, dass ein „Sparkommissar“ der Bezirksregierung Arnsberg der Stadt ihre freiwilligen Aufgaben einschränke und womöglich Abgabenerhöhungen verordne.

Mit Blick auf den Haushalt halten „Die Iserlohner“ die Gründungskosten für die Maßnahmen auf dem Schillerplatz-Terrain für unbezahlbar und vermeidbar. „20 bis 50 Millionen bleiben bei der Stadt hängen“, sagt Joithe und erklärt, dass auch ein möglicher privater Investor sich die Gründungskosten für einen Karstadt-Neubau von der Stadt bezahlen lassen würde. Auch insgesamt hält Joithe Sparen für angezeigt: „Unser Ziel ist es tatsächlich, dass spätestens bis zum Ende der nächsten Wahlperiode ein ausgeglichener Haushalt existiert, zumindest erstmal in den Planungen. Und dafür müssen wir sparen, das geht gar nicht anders.“

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