Waffenfund

Spektakuläres Waffenarsenal noch größer

In einer Zelle der Kreispolizeibehörde wurden die beschlagnahmten Waffen und die Munition aus der Wohnung des toten Waffensammlers in Gerlingsen eingeschlossen.

In einer Zelle der Kreispolizeibehörde wurden die beschlagnahmten Waffen und die Munition aus der Wohnung des toten Waffensammlers in Gerlingsen eingeschlossen.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Polizei stellt in Wohnung eines Toten mehr als 500 Gewehre, Pistolen, Messer und 5 Kilo Schwarzpulver sicher.

Was macht ein Mensch mit 500 Waffen? Wie kommt man an die Waffen? Diese Fragen machen am Donnerstag die Runde, als bekannt wird, dass in der Wohnung eines 81-jährigen Iserlohners diese große Menge an Waffen gefunden worden sind.

Den Stein ins Rollen hatte das Iserlohner Ordnungsamt gebracht. „Der Mann war im Krankenhaus gestorben. Bei der Suche nach Hinweisen auf Angehörige suchten die Mitarbeiter des Ordnungsamtes am Mittwochnachmittag seine Wohnung in Gerlingsen auf“, berichtet Stadtsprecherin Christine Schulte- Hofmann. Dort trauten sie ihren Augen nicht. „Sie fanden haufenweise Waffen im Eingangsbereich, darunter Langwaffen und Messer und alarmierten die Polizei.“

„Nach Hinweisen aus der Nachbarschaft und des Fundes weiterer Waffen im Keller haben wir den Kampfmittelbeseitigungsdienst und Experten des Landeskriminalamtes alarmiert“, berichtet Polizeisprecher Boronowski von der nächsten Eskalationsstufe. Zwischenzeitlich wurde auch eine Evakuierung der Nachbargebäude erwogen.

Sicherstellung und Entwarnung in der Nacht

Die LKA-Experten trafen gegen Mitternacht in Gerlingsen ein und durchsuchten ihrerseits Wohnung und Keller und veranlassten die weitere Sicherstellung: Die Ermittler fanden neben den Waffen rund fünf Kilo Schwarzpulver. Nachdem geklärt werden konnte, dass keine Gefährdung für den Nahbereich bestand, hoben sie die zwischenzeitliche Sperrung des Gerlingser Platzes nach Mitternacht auf.

Nach dem Abrücken des LKA-Teams am Donnerstagmorgen schaffte die Polizei noch weitere Waffen, darunter auch historische Pistolen sowie Munition, aus der Wohnung und dem Keller. Zusammen mit den gefundenen Hieb- und Stichwaffen wurden bis gegen zwei Uhr am Donnerstagmorgen laut Polizei insgesamt mehr als 500 Waffen sichergestellt.

Die Polizei hatte gegen 22.15 Uhr für alle Fälle auch noch einen kompletten Löschzug der Feuerwehr und einen Notarzt angefordert. Zudem war auch der Bereitschaftsdienst der Stadtwerke vor Ort, um im Notfall die Versorgungsleitungen unterbrechen zu können.

Alle Waffen werden in der neuen Massenzelle gelagert

Ebenfalls am Donnerstag beförderte die Polizei Waffen und Munition aus der Wohnung in die Kreispolizeibehörde. Mehrere Bulli-Ladungen voll: „Munition, Schwarzpulver, gebrauchsfähige und nicht gebrauchsfähige Langwaffen, Kurzwaffen, Pistolen und Revolver“, zählt Dietmar Boronowski auf. „Darunter waren auch Deko- und Paintball-Waffen.“ Bei der Polizei wurden sie in einer Massenzelle untergebracht, wo schon mal aggressive Fangruppen vor oder nach Eishockey- oder Fußballspielen eingesperrt werden.

Da Mitarbeiter des Ordnungsamtes am Donnerstag bei den sichergestellten Objekten auch eine Handgranate zutage förderten, alarmierte die Iserlohner Polizei am Mittag erneut die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamtes. Diese trafen um 14 Uhr ein. Um 14.45 konnte Entwarnung gegeben werden. Es handelte sich nur um eine Attrappe.

Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Die Kripo ermittelt nun wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, und zwar mit Blick darauf, woher der Verstorbene die Waffen hatte und vor allem ob es mögliche weitere Beteiligte gibt, die noch belangt werden können. „Wir stehen noch am Anfang der Ermittlungen“, sagt Dietmar Boronowski. Die Katalogisierung und Bearbeitung werde die beiden Waffenexperten der Iserlohner Kripo die nächsten 14 Tage beschäftigen. Jedes Einzelstück muss einzeln fotografiert und dokumentiert werden. „Nach der Bearbeitung werden die Sachen nach Wuppertal gebracht und verwertet, das heißt geschreddert“, erklärt der Polizeisprecher.

Was ist bisher über den Besitzer bekannt? „Der Mann hatte keine Berechtigung zum Besitz von Waffen“, erklärt Dietmar Boronowski. Dem Vernehmen nach soll der frühere Hochbautechniker und Sportschütze dem Vorderladerverein Iserlohn angehört haben, er soll zudem in den 80er Jahren deren Vorsitzender gewesen sein.

Sportschütze soll im Gefängnis gesessen haben

Wie weiter zu erfahren war, soll er vor Jahren wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ein halbes Jahr im Gefängnis gesessen haben. Polizeisprecher Boronowski: „Wir haben keinen Hinweis auf eine rechtsradikale Gesinnung.“

„Das war ein ganz netter, lieber Mann“, schildert eine Anwohnerin in Gerlingsen den Verstorbenen, der gestern auch Gesprächsthema war im „Dart-Treff“ 100 Meter von der Wohnung entfernt. „Ich bin mit seinen beiden Söhnen zur Schule gegangen. Sie sind beide verstorben. Ein trauriger Fall.“ Der Nachbar sei vor langem geschieden worden und seit einigen Jahren krank gewesen und kaum mehr vor die Tür gekommen. Ein langjähriger Bekannter hat vor Jahren den Kontakt zu ihm abgebrochen: „Zum Schluss war er völlig introvertiert, da ist keiner mehr an ihn herangekommen.“

„Ich habe ihn einmal nach einem Sturz in die Wohnung gebracht“, erzählt eine Besucherin des „Dart-Treffs“ am Gerlingser Platz. „Da habe ich die Waffen in der Wohnzimmervitrine gesehen. Der hat damit aber nie nach außen hin geprahlt.“

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