Kultur

„Rock unterm Regenschirm“

Thomas Herr organisiert seit 25 Jahren „Rock in Barendorf“.

Thomas Herr organisiert seit 25 Jahren „Rock in Barendorf“.

Foto: Stefan Janke

Iserlohn.   Seit 25 Jahren rockt Barendorf. Festival-Macher Thomas Herr erinnert sich an den Anfang und den Aufstieg zum Event mit Regenwahrscheinlichkeit.

An welchem Tag genau die Geburtsstunde von „Rock in Barendorf“ geschlagen hat, daran kann sich der Mitgründer und heutige Festival-Leiter Thomas Herr beim besten Willen nicht mehr erinnern. „Nicht vergessen werde ich aber das Konzert selbst mit der Iserlohner Band Vanishing Flower um Vito Pinto, heute Dr. Pinto und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin“, sagt Thomas Herr, der sich zu Beginn der 1990er Jahre in der Iserlohner Kultur-Initiative „Life Projekt“ engagierte – ja, damals mit „f“ geschrieben, weil es ums Leben ging und nicht um die Veranstaltung von Live-Konzerten.

„Wir waren damals ,die Jungen’, die etwas für Kultur in der Stadt auf die Beine stellen wollten, und fanden viel Unterstützung seitens des damaligen Kulturdezernenten Werner Isenberg.“ Der war gerade dabei, aus der Industrie-Ruine Barendorf ein Künstler- und Museumsdorf wachsen zu lassen und fand die Idee prima, vor dem damals schon geöffneten Café in Barendorf ein Konzert über die Bühne gehen zu lassen.

„Obwohl es eine Bühne damals gar nicht gab, die Band spielte etwas erhöht auf der Wiese. Erst ein Jahr später, beim zweiten Konzert auf dem Dorfplatz, haben wir alte Euro-Paletten zusammengeschraubt, eine halbe Traverse für die Scheinwerfer dahinter gestellt und das Ganze mit Tüchern abgehängt, damit’s schön aussieht,“ erinnert sich der 49-Jährige an die Kinderjahre von „Rock in Barendorf“. Immerhin: Schon bei der Premiere mit „Vanishing Flower“ waren rund 200 Fans in die Iserlohner Heide gekommen – und es wurden im Lauf der Jahre immer mehr.

Zunächst fester Bestandteil von „Sommer in der Stadt“

Denn das Festival wurde nun fester Bestandteil von „Sommer in der Stadt“, der damaligen Veranstaltungsreihe des Kulturbüros. Und so präsentierte das „Life Projekt“ im 1996 schon vier Bands, darunter auch eine noch ganz frische Iserlohner Blues-Rockband mit einem englischen Sänger. Die Band hieß „D.C. & The Cruisers“, der Sänger war der viel zu früh gestorbene David C. White. Und diese Formation war es auch, die im Jahr 2008 für den bisherigen Besucherrekord in Barendorf gesorgt hat. „David feierte mit seiner Band 20-jähriges Bestehen und stand gemeinsam mit der Pee Wee Bluesgang beim Geburtstagskonzert auf unserer Bühne. Der Andrang war so groß, dass wir ,Ausverkauft’-Schilder aufhängen mussten und niemanden mehr reinlassen konnten. 2000 Leute waren damals dabei und aus dem Häuschen.“

Noch bis 1999 war der Barendorf-Rock Teil der städtischen Reihe „Sommer in der Stadt“ und konnte daher noch bei freiem Eintritt angeboten werden. Das änderte sich nun, einen Zuschuss aus dem Stadtsäckel für Kultur gab’s nicht mehr. Die Zeiten wurden schwerer für Thomas Herr, der sich im Jahr 2006 dann auch vom „Live-Project“ (nun mit neuer Schreibweise) trennte und eine eigene Veranstaltungsfirma zur Weiterführung vom mittlerweile zum Top-Festival im Märkichen Kreis avancierten „Rock in Barendorf“ weiter zu führen.

Open-Air-Festivals müssen mit dem Wetter leben

Es folgten Höhen und Tiefen, mit denen man als Macher eines Open-Air-Festivals wohl oder übel leben muss. Und es gab eine Zeit, da fragte ein Kumpel den anderen nach dem Wetter am Wochenende. Und wenn der andere „es gibt Regen“ antwortete, stellte sein Freund fest: Ach ja, ist ja Rock in Barendorf!

Und so gab es für Herr auch mehr als ein Mal diesen inneren Kampf, ein Konzert kurz vor Beginn abzusagen oder doch stattfinden zu lassen. Heute weiß er, dass jede kurzfristige Konzertabsage wegen Regens zu enormen Kosten und organisatorischen Problemen mit den Bands führt. Deshalb auch traf er die Entscheidung, jedes Konzert – egal bei welchem Wetter auch immer – stattfinden zu lassen. „Beim Heavy-Metal-Festival 2017 goss es wie aus Eimern, trotzdem wurde gespielt. Die Bands kamen aus Budapest und Sizilien angereist, die konnte ich nicht wieder nach Hause schicken. Am Ende aber war es ein unvergesslich toller Abend mit fast 400 unbeirrbaren Musikfans, die bei Dauerregen direkt vor der Bühne abrockten“, erzählt Thomas Herr.

Die Nähe zum Publikum sei auch das, was den Musikern an Barendorf so gefalle. „Die Kids sitzen auf dem Bühnenrand, während die Eltern daneben tanzen. Wir haben hier einfach ein ganz besonderes Publikum“, sagt der Iserlohner Familienvater. Und mit diesem „besonderen Publikum“ habe es in den vergangenen 25 Jahren nicht einmal Stress gegeben. „Wir hatten nicht eine Schlägerei, der Glasbruch bei den Konzerten ist minimal, wenn der letzte Ton verklungen ist, gehen alle zufrieden nach Hause. Nur einmal war die Feuerwehr hier – die Toi­lette war verstopft.“

„Top-Tribute-Bands“zum kleinen Preis

Das Rezept „Top-Tribute-Bands“ zum kleinen Preis (in diesem Jahr kostet die Saisonkarte für sechs Rock-Abende gerade mal 30 Euro) möchte Thomas Herr auch künftig beibehalten. „Ich möchte aber auch versuchen, namhafte Leute ins Barendorf zu bekommen, doch das kostet viel Geld und geht nicht ohne Sponsoren“, sagt der bald 50-Jährige. Und betont gleichzeitig, dass es gerade den Sponsoren und Unterstützern zu verdanken ist, dass „Rock in Barendorf“ 25 Jahre alt werden konnte.

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